Johannes Rydzek (links) schiebt sich mit letzter Kraft vor seinen Teamkollegen Eric Frenzel – immer gelingt ihm das nicht, aber immer öfter. Foto: AP

Trotz ihrer Erfolge beim Weltcup ist die mediale Präsenz der deutschen Kombinierer beschaulich – dabei sind Eric Frenzel, Johannes Rydzek und Fabian Rießle so stark wie noch nie.

Stuttgart - Der Blick auf die Weltcupgesamtwertung in der Nordischen Kombination erinnert an das Fechtpodest bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul. Damals standen Anja Fichtel, Sabine Bau und Zita Funkenhauser oben. Sie kicherten und symbolisierten damit, dass gegen die deutsche Florettkunst kein Kraut gewachsen war. Bei den Kombinieren führt Eric Frenzel vor Johannes Rydzek und Fabian Rießle – und die drei DSV-Kombis liegen so turmhoch vorn, dass sich bis zum Saisonende daran wohl nichts ändern wird. Die Frage ist nur: Frenzel oder Rydzek? Wer gewinnt den Gesamtweltcup?

Noch nie hat eine Mannschaft die Kombination so dominiert wie das deutsche Team in diesem Winter. In den 80er Jahren ging es mal zwischen Norwegern und Finnen hin und her, sagt der Bundestrainer Hermann Weinbuch, doch das nur eine Nation so dominiert hat, daran kann er sich nicht erinnern. Es wird ja schon unheimlich: Frenzel gewann am Sonntag in Seefeld seinen siebten Einzelweltcup in dieser Saison, davor Johannes Rydzek seinen sechsten – und der Freiburger Fabian Rießle hat sich auch schon zwei Erfolge geschnappt. 15 deutsche Siege! Und wo bleibt der Rest der Welt?

Rydzek kritisiert mediales Ansehen

Einzig der wackere Japaner Akito Watabe hält als Vierter noch einigermaßen mit – doch sein Rückstand auf Rießle beträgt schon stramme 251 Punkte. Eher wird Watabe noch von Björn Kircheisen verdrängt, als dass er Rießle gefährlich werden kann. Auch Kircheisen ist Deutscher.

In der Formel 1 gewinnt seit drei Jahren fast immer ein Mercedes – wie langweilig. Nichts anderes passiert derzeit in der Kombination. Im nächsten Wettkampf, heißt es, siegt sowieso wieder ein Deutscher. Zu sagen, die im Hinblick auf die Fernseh-Übertragungszeiten ohnehin stiefmütterlich behandelte Disziplin ersticke sich mit dieser Eintönigkeit selbst, führt aber zu weit. „In diesem Winter sind die deutschen Erfolge schon unglaublich. Aber wir sollten jetzt nicht den Fehler machen, in einer extrem positiven Entwicklung gleich wieder etwas Negatives zu suchen“, sagt Johannes Rydzek. Überdies gebe es in vielen Nationen Athleten, die in der Weltspitze mitmischen könnten. „Das alles ist sicherlich kein Selbstläufer.“

Die dürftigen Fernsehzeiten und auch die Tatsache, dass andere Medien der Kombination weniger Beachtung schenken als den Biathleten oder alpinen Rennläufern, darin sehen Rydzek und seine Kollegen das viel größere Problem. „Ganz ehrlich: Es ist für uns Sportler schwer nachvollziehbar“, sagt der Oberstdorfer. „Die deutschen Erfolge sind da, das Wettkampfformat ist verständlich und spannend – und an Typen mangelt es ja wohl auch nicht.“ Rydzek und seine Kollegen haben die Hoffnung aber nicht aufgegeben, „dass sich das Ansehen in den Medien noch ändern kann“.

Gesunde Konkurrenz zwischen Frenzel und Rydzek

Was macht die deutschen Kombinierer so stark? „Johannes und Fabian haben im Springen Fortschritte gemacht“, sagt Bundestrainer Weinbuch – es klingt so einfach. „Ich bin gut durch den Sommer gekommen, habe sehr gut trainiert und kontinuierlich an meinen Abläufen gearbeitet“, erklärt Rydzek seine gute Form. Wohl dosiert hat die deutsche Mannschaft im Kraftraum gearbeitet, dafür aber um so mehr an der Technik gefeilt. Weinbuch hat auch viel Wert auf eine enge Zusammenarbeit mit dem Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) sowie dem Institut für Angewandte Trainingswissenschaft (IAT) gelegt. Videoanalysen, Geschwindigkeitsprotokolle – die Kombinierer sind extrem ins Detail gegangen. Und die Konkurrenz hat wohl gepennt.

Frenzel oder Rydzek – das ist jetzt die Frage. Auch Rießle könnte im Kampf um Gold bei der Nordischen WM in Lahti (22. Februar bis 5. März) ein Wort mitreden, aber es wird wohl auch in Finnland zum teaminternen Showdown zwischen den beiden Führungsfiguren kommen. In Österreich klaute Frenzel dem Kollegen Rydzek im letzten Rennen den Erfolg beim Seefeld-Triple. Frenzel sank vor Glück in sich zusammen, während Rydzek vor Wut mit seinem Material um sich warf – die üblichen Emotionen.

Ein Problem gibt es deshalb nicht. „Eric und ich kennen uns schon so lange, und es ist ja nicht das erste Mal, dass wir um einen Sieg gegeneinander gekämpft haben“, sagt Rydzek und sieht die Rivalität als gesund an. „Unser Verhältnis ist völlig intakt, wir schätzen und respektieren uns hundertprozentig. Federer hat Nadal jetzt auch nicht den Sieg bei den Australien Open geschenkt, nur weil sie sich so gut verstehen.“

Nur spielen Federer und Nadal im Weltsport in einer anderen Liga. Das mag ungerecht sein. Aber den Fechterinnen ging es 1988 auch nicht anders.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: