Auf die Erfolge der niederländischen Sportler stoßen König Willem-Alexander und Königin Máxima mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin an. Foto: dpa

Die Erfolge der Niederländer in Sotschi versetzen eine ganze Nation in Euphorie. Das Oranje-Team steuert auf ein historisches Ergebnis zu. Auch König Willem-Alexander und Königin Máxima jubeln freudig mit.

Die Erfolge der Niederländer in der Adler-Arena versetzen eine ganze Nation in Euphorie. Das Oranje-Team steuert auf ein historisches Ergebnis zu. Bei jedem Sieg wird in Amsterdam ein olympisches Feuer entzündet.

Sotschi - König Willem-Alexander feierte im Holland-Haus seine Olympia-Helden. Und selbst Russlands Präsident Wladimir Putin sonnte sich im Goldrausch der niederländischen Eisschnellläufer. Der Kremlchef, der das Homophobie-Gesetz in Russland unterzeichnet hat, umarmte bei seinem Besuch in der Oranje-Bastion nahe Sotschis Adler-Arena vor einem halben Dutzend Kameras ausgerechnet Eiskönigin Ireen Wüst - die bekennende bisexuelle Topathletin der Niederländer. Wüst genoss bei der Dauer-Party mit blau-weiß-rot getünchten Fingernägeln und knapp 200 Fans ihren dritten Olympiasieg. Mindestens drei weitere Goldmedaillen sollen in Sotschi noch folgen.

In Amsterdam wird nach jedem Coup für ein paar Stunden sogar ein olympisches Feuer entzündet. Die Heimatdörfer der Sieger schmücken sich mit Flaggen und Girlanden. Acht Medaillen in nur vier Disziplinen haben das ohnehin große Interesse am Volkssport weiter gesteigert. Mehr als vier Millionen Zuschauer sahen die Eisschnelllaufrennen jeweils live im Fernsehen. Fast jeder vierte Niederländer saß vor dem Bildschirm.

Willem-Alexander und Máxima sind Dauergäste

Der König ist mit seiner Gattin Máxima Dauergast bei den Rennen in der Arena mit den „rein zufällig“ orange gefärbten Sitzplätzen. Am Montag wurde der Monarch allerdings vom NOS-Fernsehen auch mal bei einem Nickerchen auf der Tribüne erwischt - natürlich nur, als nicht die Oranjes den Sieg unter sich ausmachten.

Niemand zweifelt in den Niederlanden daran, dass der Medaillenrekord von Nagano 1998 mit zehnmal Edelmetall (4 Gold, 4 Silber, 2 Bronze) bereits bei Olympia-Halbzeit geknackt sein wird. „Oranje scheint auf dem Eis größer zu sein als auf der Landkarte“, räumte auch die fünfmalige Olympiasiegerin Claudia Pechstein in der „Bild“-Zeitung ein. „Bisher doch tolle nationale Meisterschaften“, twitterten Eis-Fans sarkastisch, schon mit einer Spur Überheblichkeit. Der grandiose Erfolg von Sotschi scheint für viele Holländer fast schon eine Selbstverständlichkeit zu sein.

Nach den Siegen der Superstars Sven Kramer (5000 Meter) und Ireen Wüst (3000 Meter) versetzten die Mulder-Zwillinge Michel (Gold) und Ronald (Bronze) mit ihrem historischen Sprint über 500 Meter das Mutterland des Eisschnelllaufs in den nächsten Rausch. Margot Boer fügte am Dienstag über 500 Meter eine weitere Bronzemedaille hinzu. „Jetzt sind wir eine Sprinter-Nation“, titelte die Zeitung „Volkskrant“. Und der „Telegraaf“ tönte: „Mulder-Wahnsinn in Sotschi“.

Mit ihrem Dreifach-Erfolg machten die Sprinter den Durchmarsch komplett: Auf allen fünf Einzelstrecken ist Oranje nun mit Gold in den Olympia-Statistiken vertreten. Insgesamt war es das 30. Gold der Flachland-Gleiter in der Olympia-Geschichte, keine Nation durfte sich bislang über mehr Eis-Erfolge freuen.

Nur Jan Smeekens war nicht nach Feiern zumute. Ganze zwei Minuten durfte er sich als Olympiasieger fühlen, ehe die Jury die Tausendstel zur Bewertung heranzog und Smeekens mit umgerechnet 17 Zentimetern Rückstand auf Rang zwei zurückstufte. „Es dauert vielleicht Jahre, bis ich dieses Scheißgefühl wieder los bin“, fluchte Smeekens. „Der Dreier ist super, aber Eisschnelllauf bleibt eine Einzel-Sportart. Es liegen Welten zwischen einem Olympiasieger und Platz zwei“, sagte Smeekens.

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