Ingenieur Sebastian Heer (li.), Redakteur Tom Hörner Foto: STUGGI.TV/Johannes Frank

Wie kommt man bei Schneefall trocken von Bad Cannstatt zum Hauptbahnhof? In der neuen Folge unserer Videoreihe befahren wir mit dem Rad einen Tunnel, der eigentlich für Züge gebaut wird.

Stuttgart - Es gibt viele Wege, um mit dem Fahrrad von Bad Cannstatt zum Hauptbahnhof zu gelangen. Der schönste führt wohl durch den Schlossgarten – der interessanteste vermutlich durch ein Tunnelbauwerk, durch das in ein paar Jahren Züge rollen sollen. Die Rede ist von den Stuttgart-21-Tunneln, die von Bad Cannstatt unter dem Rosensteinpark hindurch zum Hauptbahnhof führen.

Der komfortabelste Weg in die Stadt

Es ist an diesem Tag auch die komfortabelste Möglichkeit, um mit dem Rad Richtung Innenstadt zu kommen, zumal sich der Anstieg, von kleinen Rampen abgesehen, im Promillebereich bewegt. Als wir unterhalb des Rosensteinparks beim Simone-Tunnel einsteigen, fallen die ersten Schneeflocken. Als wir wieder ans Tageslicht kommen, sind die Flocken größer und nass, und ein unangenehmer Wind pfeift uns um die Ohren. Im Tunnel war es windstill, es herrschten angenehme zehn bis zwölf Grad.

Bauingenieur und Mountainbiker

Die Fahrt, von der Stuggi.TV für uns wieder ein Video aus der Reihe „Tour de Stuttgart“ produziert hat, wird angeführt von dem jungen Bauingenieur Sebastian Heer, der die Verantwortung für diesen S-21-Bauabschnitt trägt. Heer ist 33 Jahre alt, stammt aus dem Saarland, lebt seit acht Jahren in Stuttgart – was ihn von den Mineuren auf der Großbaustelle unterscheidet, zumeist Männer aus Österreich oder Osteuropa: Sie arbeiten zehn Tage à zwölf Stunden unter Tage. Dann geht es zurück in die Heimat.

Heer kennt sich nicht nur auf der Baustelle aus, der Familienvater ist auch ein begeisterter Mountainbiker. Sein Rad mit den Stollenreifen kann er gut gebrauchen, zumindest auf dem ersten Kilometer, wo wir auf weichem, manchmal holprigen Erdreich rollen.

Reise durch die Entstehungsgeschichte eines Tunnels

Unsere Tour bietet im Schnelldurchlauf eine Reise durch die Entstehungsgeschichte eines Bahntunnels. Anfangs werden die Wände von rauem Spritzbeton und Stahlmatten gehalten. Weiter drinnen kann man an etlichen Stellen die unterschiedlichen Wandstärken erkennen: Die normale Stahlbetonschale ist 40 Zentimeter dick. Dort, wo der quellfähige Anhydrit lauert, beträgt die Wanddicke einen Meter. Hier werden 260 Kilogramm Stahl pro Kubikmeter verbaut, erklärt Heer.

Je weiter wir vorrücken, desto fertiger wirkt das Bauwerk. Jetzt müssen nur noch Schienen und Oberleitungen verlegt werden, denkt man, und Züge könnten rollen.

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