Üzeyir Soner Soyal und seine Frau Rabia bieten in Ditzingen Burger an. Foto: /Simon Granville

Er kennt die Stadt, er kennt die Menschen – und diese kennen ihn: Jetzt hat er ein Burger-Restaurant für Erwachsene, Kinder, Schüler und Jugendliche eröffnet. Er setzt auf die Vielfalt der Gäste – und macht deshalb in einem Punkt eine klare Ansage.

„Endlich“ werden wohl jene sagen, die darauf gewartet haben, Burger in der Stadt zu bekommen, „endlich“ aber auch jene, die Üzeyir Soyal aus der Marktstraße kennen. Zögerlich hingegen reagieren wohl jene, die den Standort von Sonii’s Burger eher mit Kneipe nebst entsprechendem Stammpublikum in Verbindung bringen. Denn diese war in dem markanten Gebäude am Rande der Kernstadt nicht nur, aber eben sehr lange auch beheimatet. Üzeyir Soyal ficht das nicht an. Das Ambiente ist schließlich ein anderes, eine Reminiszenz vor allem an die 1980er-Jahre mit Rollschuhen und Schallplatten. Zudem wird ein anderes Publikum angesprochen – und deshalb soll es ihm zufolge auch keinen Alkohol in „Sonii’s Burger“ geben. Der Name entstand leicht abgewandelt aus Soyals Rufname Soner.

 

„Wir brauchen etwas Neues in Ditzingen“, sagt Soyal und begründet damit, warum er vor wenigen Wochen einen Burgerladen eröffnete. Soyal ist bekannt in der Stadt, den einen, weil sie seinen Vater kannten, der im Ali Baba in der Marktstraße Döner verkaufte. Den anderen, weil er mit seinem Vater später im Moserständle in der Ortsmitte verkaufte.

Ein langer Weg

Das Moserständle ist legendär gewesen. Der Heimatvertriebene Oskar Moser war 1946 nach Ditzingen gekommen. Sein Beruf war Speiseeishersteller. So wurde in Ditzingen Eis geschlotzt, bevor – mit dem Zuzug der italienischen Gastarbeiter – andernorts die erste Eisdiele eröffnete. Mehr als 30 Jahre lang betrieb Moser die kleine Bude. Nachdem die Bude eine Zeit lang als Schnellimbiss weitergeführt worden war, wurde sie später abgerissen.

Üzeyir Soyals beruflicher Weg führte weiter über viele Stationen, meist blieb er in Ditzingen, auch in der Gastronomie. Dort ist er groß geworden, das war das, was er machen wollte: Mit Menschen zusammen sein, Essen zubereiten, mit Lebensmitteln umgehen, mit den Gästen sprechen. „Ich mag zufriedene Kunden“, sagt er. Manchmal sei er in seinen Betrieben Chef und Mädchen für alles gleichzeitig gewesen.

Jetzt will er also in der Hirschlander Straße Gäste empfangen. „Wo ein Wille, da ein Weg“, sagt Soyal. Noch habe er keine Werbung dafür gemacht. „Langsam und gesund“ habe er es angehen wollen, sagt er. Es ginge ihm nicht darum, das schnelle Geld zu machen, um dann weiterzuziehen. Jetzt habe er Familie, seinen drei Kindern im Teenageralter sei er verpflichtet – und die hätten langsam Ansprüche, erzählt der 42-Jährige. Er lacht dabei, aber es ist dem Geschäftsmann ernst – zumal er weiß, dass er einen Ruf zu verlieren hat: Wenigstens bei all’ jenen, die seine Burger von früher kennen.

Daher wollte er auch ganz sicher sein, ehe er mit einer Speisekarte an die Öffentlichkeit geht. Mehrere Variationen von Burgern habe er mit Verwandten und Bekannten getestet, mehrfach die Karte umgeschrieben, zig Sorten an Brot beziehungsweise Brötchen probiert, Soßen selbst gemixt, einen guten Metzger gesucht, der ihm das Fleisch aus der Hochrippe verkaufen würde. „Kein Hackfleisch“, betont Soyal. Die Qualität müsse schließlich stimmen. Das Fleisch müsse einen guten Eigengeschmack haben, die Soße dürfe nicht dazu dienen, schlechte Qualität zu übertünchen.

Ein Lokal für die gesamte Familie

Mancher, der ihn noch als den Freund aus der Realschule oder als den Sohn des Ali-Baba-Döner-Chefs von früher kennt, hätte gerne das Tempo der Eröffnung vorgegeben. Soyal, der inzwischen auch in Calw präsent ist und als Franchise-Unternehmer im Raum Böblingen expandieren möchte, ließ sich nicht beirren.

Er hätte noch im alten Jahr öffnen können – aber das war dem Geschäftsmann, der über Jahre so sehr in der Ortsmitte präsent gewesen war, dann doch zu heikel: Erst öffnen, dann sogleich wegen Feiertagen beziehungsweise Urlaubs wieder schließen? Das wäre nicht gut angekommen bei den künftigen Gästen, glaubt er. Zumal er wenig entfernt Pizzen verkauft – ohne Gastrobereich, als reiner Lieferservice.

In der neuen Location in der Hirschlander Straße ist das Geschäftskonzept ein anderes: Angesprochen sind alle – Erwachsene wie Kinder. Für Schüler gibt es spezielle Angebote. Das Ambiente ist entsprechend auch für Familien mit kleinen Kindern konzipiert. 35 Plätze gibt es im Innenbereich. „Am Wochenende geht es nicht mehr ohne Reservierungen“, sagt Soyal. Im Frühjahr soll dann die gepachtete angrenzende Terrasse Platz für weitere 50 Gäste bieten. Aber auch dann wird der Montag ein Ruhetag bleiben: „Der Tag gehört der Familie.“

„Sei einfach Mensch“

Die Speisen sind halal, nach Wunsch auch glutenfrei – nur das geröstete Brötchen nicht, sagt Soyal. Wenn man wolle, dürfe man das glutenfrei Brötchen allerdings selbst mitbringen und es sich dort belegen lassen. Alle zwei Wochen soll es einen neuen Spezialburger auf der Karte geben: Was für die Gäste eine Überraschung ist, ist für ihn die Chance, neue Variationen zu testen. „Ich bin offen für Neues“, sagt der Mann – und man kann es in mehrfacher Hinsicht verstehen: Als Kleinkind ist er mit seiner Familie aus der Türkei nach Deutschland gekommen. Heute sind seine Gastrobetriebe international und interkulturell geprägt. Er lege Wert auf Menschlichkeit, das sei das Entscheidende, so Üzeyir Soyal: „Ich sage immer: Sei einfach Mensch.“