Osterhasen in allen Formen und Größen: auch diese Formen lagern im Depot. Foto: /Simon Granville

Die Leiterin des Gerlinger Stadtmuseums setzt in einem Nebengebäude eine spontane Idee um. Dabei verbindet sie gleich mehrere Aspekte in dem neuen Projekt in einem Raum um, dessen Tage längst gezählt sind. Oder vielleicht doch nicht?

Gerlingen - Lange war um einen Anbau an das Stadtmuseum gerungen worden. In dem einstigen Schulhaus ist nicht genügend Platz, auch nicht für die erforderlichen Arbeitsplätze. Die Erweiterung sollte neben dem Gebäude erfolgen, dort also, wo sich ein kleines Nebengebäude befindet. Die Verwaltung mit dem früheren Bürgermeister Georg Brenner (parteilos) an der Spitze hielt den Anbau für unumgänglich. Daran hat sich auch unter Brenners Amtsnachfolge Dirk Oestringer (ebenfalls parteilos) nichts geändert. Doch Corona hat die finanzielle Situation der Stadt verändert – und der Anbau wanderte auf der Prioritätenliste der Kommune wieder nach hinten. Das Nebengebäude blieb zunächst einmal stehen.

Ein Kiosk, in dem es fast alles gibt

Das wiederum eröffnete der Museumsleiterin Christina Vollmer und ihren Mitstreitern die Möglichkeit, just darin einen Kulturkiosk zu eröffnen. Dieser beinhaltet alles, was ein Stadtmuseum ausmacht: Zu sehen ist eine Ausstellung, ein Museumsshop ist eingerichtet und Informationen zur großen Ausstellung im Museum selbst sind ebenfalls dort erhältlich. Eröffnet wird der Kulturkiosk mit einer kleinen Osterausstellung: Alte Formen für Osterhasen und Ostereier aus Teig und Schokolade werden gezeigt: kleine und große, detailreich strukturiert oder schlicht in der Form und auf das Wesentliche reduziert.

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Während der Osterferien wird im Kulturkiosk gezeigt, was sich rund um das Osterfest in einem Museumsdepot alles findet. „Ostern im Depot“ heißt daher auch die kleine Schau mit den Schätzen, die bisher nicht öffentlich einsehbar aufbewahrt wurden. Sie der Öffentlichkeit zu präsentieren, damit vor dem Vergessen zu retten – auch das ist Vollmers Ziel. Manches, was im Depot eingelagert werde, „kommt selten wieder raus“, begründet sie das Vorgehen. Und etliches, was jetzt zu sehen ist, sei „so noch nicht ausgestellt worden“. Gleichwohl nimmt sie mit der Ausstellung noch zwei weitere Aspekte auf. Zum einen will sie den Gerlingern – wie auch allen Passanten – signalisieren, dass sich im Stadtmuseum etwas tut, selbst wenn die Corona-Verordnungen des Landes reguläre Öffnungszeiten nicht erlauben. Kommen und reinschauen – das ist von Montag an im Kulturkiosk möglich.

Ortsgeschichte, auch Kulturgeschichte einen Raum zu geben, ist das eine. Zugleich aber will Vollmer Menschen die Möglichkeit geben, Besonderes zu zeigen. Zum Auftakt gibt Sandra Maisch Einblick in die Herstellung von Schokoladenkreationen. Auch wenn es nur eine Dokumentation auf Papier ist, die am Scheunentor aufgehängt wurde, gewinnt der Betrachter einen Eindruck von der Produktion. Die kleinen süßen Ergebnisse sind auch im Kulturkiosk erhältlich.

Binnen kürzester Zeit war die Idee des Kulturkiosks entstanden, erzählt die Museumsleiterin Christina Vollmer. Lediglich knapp drei Wochen seien von der Idee bis zur Umsetzung vergangenen. Der Schuppen wurde ausgeräumt und eine Werkbank aufgestellt. Sie dient nun als Tresen.

Nach der Ausstellung ist vor der Schau

Vollmer haderte nicht lange mit der Situation, weiter auf den Anbau warten zu müssen. Sie will nicht tatenlos abwarten, zumal die fünf Jahre alten Pläne für den Anbau laut der Verwaltung nun noch einmal überprüft werden sollen. Der Kulturkiosk mit der Osterausstellung soll deshalb auch nicht einmalig bleiben. Ideen für weiteren Aktionen gibt es laut der Museumsleiterin schon. Warum nicht was zum Thema Sauerkraut machen, Schlitten und Skier aus dem Depot holen oder mit örtlichen Künstlern kooperieren?

Zunächst aber steht die Veränderung des Schuppens an. Ein Durchbruch der Mauer soll einen Verbindung schaffen aus dem Kiosk hinein in den Garten des Stadtmuseums. Dort finden im Sommer Veranstaltungen statt.

Der Kulturkiosk
: Am Montag, 29. März, öffnet der Kulturkiosk in der Christophstraße. Er hat von Montag, 29. März, bis Donnerstag, 1. April, sowie von Montag, 5. April, bis Donnerstag, 8. April, je von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Das Stadtmuseum:
Für den Besuch im Museum wurde ein Onlinebuchungssystem eingeführt. Termine können auf www.gerlingen.de im Internet gebucht werden.

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