Das neue Digital-Portal schafft Klarheit bei Angehörigen und Sicherheit in den Kliniken, urteilt unser Berliner Korrespondent Norbert Wallet.
Der Start des digitalen Organspende-Registers ist eine rundum positive Sache, die schneller als bisher auf allen Seiten Klarheit schafft. Die Entnahmeklinik kann die Bereitschaft des potenziellen Spenders per Online-Nachfrage, also praktisch per Mausklick, ermitteln. Das spart Zeit, die bei der Organspende bekanntlich immer ein entscheidender Faktor ist. Das neue Portal ist aber auch eine Hilfe für Angehörige, die unter Umständen nicht wissen, ob der für eine Spende in Frage kommende Mensch einen Spenderausweis besessen hat oder in einer Patientenverfügung seinen Willen in dieser heiklen Frage unzweideutig niedergelegt hat.
Dass bei diesem Thema jede noch so kleine Verbesserung so wünschenswert wie dringlich ist, zeigen die Zahlen. Derzeit warten rund 8400 Menschen auf ein Spenderorgan. Dem standen im vergangenen Jahr 965 Menschen gegenüber, denen postmortal Organe entnommen werden konnten. Das sind zwar 11 Prozent mehr als im Vorjahr 2022, aber immer noch zu wenig.
Das größere Problem liegt bei den Kliniken
Dieses andauernde Missverhältnis führt immer wieder zu Versuchen und Anläufen, die Rechtslage zu ändern und künftig auch Menschen als potenzielle Organspender anzusehen, die nicht ausdrücklich einer Organentnahme dokumentiert widersprochen haben. In Deutschland wächst aber der Anteil der Menschen mit Spenderausweis kontinuierlich – in den zehn Jahren von 2012 bis 2022 ist er von 22 auf 40 Prozent gestiegen. Das zeigt, dass das größere Problem aufseiten der Kliniken liegt, wo sowohl das Meldesystem zu verbessern ist als auch die Hemmungen vieler Ärzte, Angehörige von Hirntoten anzusprechen, abgebaut werden müssen. Dass das neue Online-Register nun für mehr Sicherheit sorgen wird, ist ein kleiner, aber wichtiger Schritt.