Insgesamt 169 Studios und Apartments bietet das Adina Hotel Stuttgart. Foto:  

Im Hotelturm, der im Europaviertel die Sicht auf ein Wahrzeichen der Stadt verstellt, sind die ersten Übernachtungsgäste eingetroffen. Zwei ausländische Hotelgruppen teilen sich das Gebäude, aber es gibt auch ein kleines Angebot für Einheimische.

Nun ist er also in Betrieb. Ein „endlich“ würde so mancher in der Stadt wohl kaum über die Lippen bringen, ist der Hotelturm am Mailänder Platz doch für viele ein Ärgernis, ein Schildbürgerstreich. Fenster hat man bei dem von außen wenig attraktiven Gebäudekomplex zwar nicht vergessen einzubauen, aber mit seinen 60 Metern Höhe überragt er die Stadtbibliothek um 22 Meter. Somit ist das gefeierte Wahrzeichen der Stadt, der Bücherwürfel des koreanischen Architekten Eun Young Yi, von der Heilbronner Straße kaum noch und von der Achse Türlenstraße gar nicht mehr zu sehen.

 

Der Bebauungsplan hat es von Anfang an so vorgesehen

Michael Blind könne „den Ärger nachvollziehen, dass die Stadtbibliothek nun nicht mehr den Stellenwert wie zuvor habe“. Aber der Hoteldirektor sagt auch: „Wenn es hier kein Adina geben würde, dann wäre halt jemand anderes drin.“ Der Bebauungsplan hat in diesem Gebiet des Stuttgart-21-Areals von Anfang an drei Hochhäuser vorgesehen: das Cloud N° 7 mit seinen Wohnungen und dem Jaz-in-the-City-Hotel in den unteren Etagen, das LBBW-Hochhaus – und dazwischen eben der Hotelturm. Dass sich direkt dahinter die Stadtbibliothek befindet, ist wohl erst spät, zu spät wieder hochgekommen. Jedenfalls konnte oder wollte man in der Stadt den Plan nicht mehr ändern.

Sechs Etagen für Premier Inn, darüber bis zum 20. Stock fürs Adina

Nun teilen sich zwei Hotelgruppen das Gebäude – von der Strabag entwickelt und im Frühjahr 2021 von der Union Investment gekauft –, für das eine begrünte Fassade irgendwann auch kein Thema mehr war. In den unteren sechs Etagen hat die britische Premier-Inn-Gruppe bereits am Freitag ihr viertes Stuttgarter Budgethotel mit hier 260 Zimmern in Betrieb genommen. Der Eingang befindet sich gegenüber der Stadtbibliothek. Darüber bis hoch zur 20. Etage ist das Adina Hotel Stuttgart, eines von in Deutschland 14 Häusern der australischen Gruppe, die sich auf Apartmenthotels spezialisiert hat. Dessen Eingang liegt etwas unscheinbar an der Kopenhagener Straße 3. Von dort fährt man mit dem Aufzug in die siebte Etage, wo sich die Rezeption und die sogenannte „Barstronomy“ befinden.

Bar und Bistro sind für die Öffentlichkeit zugänglich

Hoteldirektor Blind, der in Stuttgart aufgewachsen ist und auch seine Ausbildung gemacht hat, erklärt: „Wir wollen kein geschlossener Turm sein.“ Der Bar-Bistro-Betrieb soll als „Türöffner“ auch der Allgemeinheit zur Verfügung stehen, ob für einen Snack in der Mittagspause oder einen Drink zum Feierabend. 95 Plätze im Innenbereich gibt es und noch einmal 65 auf der Terrasse – mit Blick auf die Stadtbibliothek.

Das Kerngeschäft aber wird mit den 118 Studios ab 28 Quadratmetern und 51 One-Bedroom-Apartments ab 35 Quadratmetern gemacht. Alle haben eine Küchenzeile mit Herdplatten, Backofen, Wasch- und Spülmaschine, denn beim Adina handelt es sich in erster Linie um eine Adresse für Langzeitaufenthalte. Gästen, die hier nur zwei, drei Nächte verbringen wollen, steht das Haus aber ebenso offen.

Die ersten seien bereits am Montag, dem ersten Betriebstag des Hotels, eingetroffen, obwohl im Inneren und besonders rund ums Haus noch kleinere und größere Baustellen sind. Das Eröffnungsangebot für ein Standardstudio liege bei 139 Euro. Später sollen sich die Preise zwischen 150 und 200 Euro einpegeln, inklusive Frühstück, denn: Obwohl sich die Gäste selbst versorgen können, werden Serviceleistungen wie in einem Vier-Sterne-Hotel angeboten. Dafür sollen künftig mehr als zwei Dutzend Mitarbeitende zur Verfügung stehen, sagt der General Manager Michael Blind.

Aus der Stadtverwaltung hat sich noch niemand umgeschaut

Im Erd- beziehungsweise Untergeschoss des Hauses befindet sich ein kleiner Fitness- und Wellnessbereich mit Pool. Auch vom Blick ganz oben in der 20. Etage, der weit über die Bibliothek und die ganze Stadt hinausreicht, kommen nur Hausgäste in den Genuss. Auf Interesse sei das neue Angebot schon durchaus getroffen: Man sei im regen Austausch mit Kollegen aus der Hotellerie. Auch umliegende Firmen hätten sich auf Baustellenführungen bereits umgeschaut. Schließlich ist so ein längerer Aufenthalt besonders für Projektarbeiten mit auswärtigen Geschäftspartnern interessant.

Seitens der Stadt habe sich bisher noch niemand gemeldet, sagt Michael Blind, der seit Dezember 2021 als General Manager für Adina eingesetzt und seit Januar vor Ort sei. Nach dem „Übergang in den Betrieb im Stillen“ werde es aber wohl im Mai, Juni eine Eröffnungsveranstaltung geben.