Bereits als Teenager hat Jörg Steegmüller Figuren hergestellt: Das Haar für die Chewbacca-Figur aus Star Wars hat er selbst geknüpft. Foto: Caroline Holowiecki

Jörg Steegmüller aus Stuttgart-Heumaden stellt in seinem Atelier in Ostfildern-Ruit Figuren für Freizeitparks oder TV-Produktionen her. Von Herbst an will er der Öffentlichkeit in seinem neuen Museum zeigen, wie er arbeitet. Wir haben die Bilder.

Heumaden/Ruit - Was für ein Knochenjob. Mannshohe Rippenbögen, zusammengesetzt aus großen Hartschaumstücken, machen die Werkstatt von Jörg Steegmüller zum morbiden Slalomparcours. Der Schädel, der das gewaltige Skelett vervollständigen soll, ist noch nicht aus dem Block geschnitten, doch wenn das Gerippe von Svalgur, der monströsen Meeresschlange, Ende Mai im neuen Hotel Krønasår im Europapark aufgehängt wird, wird er der gruselige Hingucker sein.

Hingucker gibt es massenhaft im Atelier in Ostfildern-Ruit. Wo soll man zuerst hinsehen? Zu den Paddington-Bären im Rudel, der barbusigen Mona Lisa neben dem Terminator, den Zombies und Kätzchen, dem Herrenduo aus Loriots Badewanne oder Darth Vader, dem dunklen Lord vom Todesstern? Jörg Steegmüller ist von Beruf Bildhauer und Modelleur für animatronisch-technische Figuren und Schaustücke – oder kurz: Skulpteur. Der 44-Jährige stattet die großen Freizeitparks aus. Seine statischen und beweglichen Figuren bevölkern neben dem Europapark in Rust das Blühenden Barock, das Traumland an der Bärenhöhle oder Tripsdrill. Maskottchen wie das VfB-Fritzle und den Wasen-Hasi hat der Heumadener geschaffen. Kaufhäuser beauftragen ihn ebenso wie Regisseure von Filmen und Serien wie „Celebrity Deathmatch“ oder „Soko Stuttgart“.

Pumuckl, Fliewatüüt und Ernie und Bert

Und bald gibt es einen neuen Ort, an dem Gips, Bronze und Silikon Leben eingehaucht wird. In den Nebenräumen seiner Werkstatt richtet Jörg Steegmüller ein Museum ein. Ausstellungsstücke hat er mehr als genug; immerhin hat er schon als Teenager seinen ersten Film mit 300 selbst gebauten Figürchen gedreht; auch an Ideen mangelt es nicht. Im Entree soll es nostalgisch zugehen. „Es fängt mit den Anfängen an“ – mit dem Fliewatüüt, Meister Eders Werkbank und Pumuckls Schaukel sowie dem lebendigen Grammofon aus der Yxilon-Show. Ein Film soll „die animatronischen Möglichkeiten als Intro zeigen“, erklärt Jörg Steegmüller. Überhaupt sollen Videos beleuchten, wie Masken und ganze Körper entstehen, „das ist bisher zu kurz gekommen“.

Für eine eigene Programmschau im Hauptraum hat Jörg Steegmüller eine Geschichte geschrieben. Das Abenteuer von Lisa und Andreas werden Tier- und Menschenfiguren erzählen – ähnlich, wie man es aus beweglichen Schaufensterdekos kennt. Außerdem ist ein Filmraum geplant. Kein Wunder, denn Steegmüller ist nicht nur Erschaffer, er ist auch ein riesiger Fan. Zeigen will er unter anderem seine umfangreiche Star-Wars-Sammlung samt vieler echter Stücke, Original-Kostüme aus dem Film „Hook“, Requisiten wie die Robocop-Hand oder auch die Freunde aus der Sesamstraße und Muppet-Show. So detailverliebt, wie Jörg Steegmüller selbst ist, soll auch die Schau werden. So wird Joachim Kerzel, die deutsche Stimme von Dustin Hoffman, die Sätze einsprechen, die dann aus der „Hook“-Figur tönen werden. Denn alles soll interaktiv sein, mit Wesen, die sich auf Knopfdruck bewegen, sprechen und auf gespenstische Art in geheimnisvollen Spiegeln erscheinen.

Steegmüller will Kinder inspirieren

Noch gibt es viel zu tun. Kulissen müssen gebaut werden, Vitrinen umgestellt, Figuren umgekleidet. Im Herbst – nachdem Großaufträge abgearbeitet sind – soll „Magie der Objekte“ eröffnen. Wie und zu welchen Zeiten es zugänglich sein wird, dazu muss Jörg Steegmüller noch eine Konzeption erstellen. „Es soll ein autarkes Museum sein, aber mir ist bewusst, dass es für Museen Auflagen gibt“, sagt er. Wichtig ist dem Familienvater aber, dass jeder Zugang bekommt, vor allem Kinder. „Ich möchte inspirieren. Ich befürchte, dass Kinder fast nur noch mit Dingen aufwachsen, die hinter dem Display stattfinden“, sagt er. Wer nicht warten kann: Die Volkshochschule Stuttgart bietet am 8. Mai einen Werkstattbesuch an (Nummer 191-08349). Einige Exponate – Pumuckl und Otfried-Preußler-Figuren – sind zudem derzeit im historischen Museum der Pfalz in Speyer zu sehen. Die Ausstellung „Das Sams und die Helden der Kinderbücher“ wurde bis 5. Mai verlängert.

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