Wer David Hasselhoff zuhört, glaubt kaum, dass er still sitzen kann. Foto: picture alliance/dpa/Jens Kalaene

Der Entertainer David Hasselhoff kommt im Oktober nach Ludwigsburg. Im Gespräch erzählt „The Hoff“ gewohnt überschwänglich von seinem Leben als gereifter Entertainer und Ehemann.

Hamburg - Der berühmteste Bademeister der Welt ist wieder umtriebig: David Hasselhoff (67, „Baywatch“, „Knight Rider“) geht auf Deutschland-Tour, außerdem erscheint sein Hörbuch „Up Against The Wall“ in deutscher Sprache – und auch privat läuft es nach den Alkohol-Eskapaden der Vergangenheit wieder rund: 2018 heiratete er das 27 Jahre jüngere, walisische Model Hayley Roberts.

Mr. Hasselhoff, durch Ihre walisische Frau verbringen Sie viel Zeit in Europa. Vermissen Sie die USA manchmal?

Ach, nein. Momentan schon gar nicht, wenn ich mir die Nachrichten ansehe. Aber ich liebe Amerika und bin auch noch oft genug dort. Vor kurzem habe ich im TV mein Hörbuch „Up Against The Wall“ vorgestellt und quasi ein Stück Europa mit nach Amerika gebracht.

Darin geht es vermutlich um Berlin...

Klar! Ich und die Mauer. Da war dieser Tag einige Zeit vor dem Mauerfall, als ich auf der Ost-Seite der Mauer stand und diese Begegnung mit drei Mädels hatte. Sie baten mich um ein Foto. Ich war erstaunt. „Woher kennt ihr mich?”, wollte ich wissen. Sie meinten: „Du bist der Mann, der über Freiheit singt.” Und ich fragte: „Ich bin für euch also nicht der Typ, der mit seinem Auto spricht?” Die Drei wussten gar nicht, worüber ich rede!

Und die Begegnung hat Sie nachhaltig beeindruckt?

Ja, denn die Mädchen sagten mir, dass sie nicht daran glauben, aus der DDR rauszukommen, bevor sie alt und grau wären. Für mich war das unvorstellbar. Ein Journalist, der mich in den Osten begleitete, machte dann das Foto von uns. Und ich sagte zu den Mädchen: „Trefft mich morgen wieder hier. Ich bring euch einen Abzug des Fotos rüber.” Ich kam mir vor wie ein Geheimagent!

Eine nette Geste von Ihnen...

Am nächsten Tag erschien das Foto dann in der Zeitung mit den vier Buchstaben. Ich stopfte mir ein Exemplar in die Hose und ging zum Checkpoint Charlie. Die Mädchen waren tatsächlich dort. Ich habe sie leider nie wiedergesehen.

Aber die Mauer haben Sie danach noch gründlicher studiert.

Oh ja. Als ich sie 1988 das erste Mal inspizierte, bin ich durchgedreht! Sie war wie eine lange, bedrohliche Schlange. Zum 25. Jubiläum des Mauerfalls hat National Geographic mit mir dann eine Dokumentation in Berlin gedreht. Die heißt „Hasselhoff vs The Berlin Wall Documentary“ – kann man sich auf YouTube anschauen. Ich traf Menschen, die den Weg über die Grenze riskiert haben – und alle sagten mir dasselbe: „We’ve been looking for freedom!“ Ich bekam Gänsehaut! Ich weiß noch, wie genervt man bei MTV war, dass die Nummer in ihren Charts sieben Wochen später immer noch auf Platz 1 war. Dann kam Silvester, diese verrückte Nacht am Brandenburger Tor. Eine halbe Millionen Menschen sangen meinen Song! Vermutlich werde ich dieses Jahr wieder dort singen.

Wie ist es 1989 überhaupt dazu gekommen?

Ich erhielt einen Anruf: „Willst du Silvester in Berlin auftreten?“ Und ich sagte: „Klar, aber sag den Verantwortlichen, dass ich nur singen werde, wenn ich draußen bei den Menschen an der Berliner Mauer singen darf.“ Ich dachte, sie sagen nein.

Und dann...

Sie meinten: „Machen wir. Willst du vielleicht in einem Kran über der Mauer singen?“ Ich war in L.A., stieß einen Freudenschrei aus, rief alle meine Freunde an und sagte: „Wir fliegen nach Berlin. Wenn ihr mitkommt, zahle ich alle Hotelzimmer.“ Und sie waren bei mir in dieser Nacht, als ich die Mauer zum Beben brachte.

2018 bekräftigten Sie, dass Sie nicht verantwortlich für den Mauerfall sind...

Das bin ich auch nicht!

The Hoff möchte gern Menschen näher zusammenbringen. Wie empfinden Sie derzeit das gesellschaftliche Klima?

Es sind traurige Zeiten. Ich verstehe einfach nicht, was gerade vor sich geht in der Welt. Es ist nicht mehr dasselbe wie damals als ich aufwuchs. Alle liebten einander. Wir wollten die Tour erst „Reunification Tour“ nennen und den Tourstart auf den 3. Oktober legen. Dann überlegte ich mir, sie besser „Freedom! The Journey continues“ zu betiteln. Denn jeder sucht nach der eigenen Freiheit und einem Weg aus dem Hass und der Dunkelheit. Es gibt zu viele Menschen, die einfach nicht glücklich sind und nicht wissen, warum. Es ist wichtig, dass wir mehr miteinander reden.

Und das machen Sie?

Klar! Einfach mal den fremden Nachbarn fragen: „Hallo! Wer bist du? Warum trägst du die Burka?“ Ich habe so viele Leute mit Burkas getroffen, von Kuwait über Abu Dhabi bis Quatar und alle sagten mir: „Wir lieben dich!“ Oder: „Ich hatte ein Poster von dir in meinem Zimmer!“ Und alles, was ich in dem Moment von ihnen sah, waren ihre Augen. Dann sag ich schon mal: „Das ist lustig, denn jetzt wo wir reden, kann ich nicht mal mehr dein Gesicht sehen wegen der Burka. Aber es ist okay. Du kennst mich, du bist mein Fan. Willkommen, gib mir eine Umarmung! Wen kümmert’s.“ Das tut gut!

Ist Ihnen eigentlich gar nichts peinlich?

Nein. Mir ist es egal, ob Menschen mich und meine Musik oder meine Videos mögen. Ich habe aber ein Problem damit, wenn die Leute mich nicht respektieren.

Seit einem Jahr sind Sie mit dem 27 Jahre jüngeren Modell Hayley Roberts verheiratet – ihr dritter Versuch. Sind Sie auch glücklicher?

Ich bin genauso glücklich wie vorher, denn Hayley und ich kennen uns ja schon seit sieben Jahren. Ich habe beschlossen, wieder zu heiraten, weil es unserer Beziehung etwas Sakrales verleiht.

Was planen Sie nach der Tour?

Ich spiele die Hauptrolle in dem Musical „Scrooge“ in London. Danach verbringe ich Weihnachten mit Hayleys Familie in Großbritannien. Dann gehe ich zurück in die Staaten und filme vermutlich eine neue TV-Serie, einen „Knight Rider“-Film und einen „Kung Fury“-Film. Hauptsache, es ist was los, und es ist eine Herausforderung – dann mach ich es. Das ist auch der Grund, warum ich geheiratet habe.

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