Dejan Perc Foto: StN

Dejan Perc, neuer Kreisvorsitzender der SPD, ist nicht Wunschkandidat des Vorstands.

Stuttgart - Die SPD in der Landeshauptstadt hat seit Montagabend einen neuen Vorsitzenden: Dejan Perc. Für den 35-Jährigen stimmten 66 von 117 Delegierten. Ergun Can, der vom Kreisvorstand und dem bisherigen SPD-Vorsitzenden Andreas Reißig empfohlene Kandidat, musste sich mit 51 Stimmen geschlagen geben.

Bei der Probeabstimmung am Sonntag im Kreisvorstand hatte der 52-jährige Stadtrat Can vorne gelegen. Reißig (37), der den Kreisverband seit sieben Jahren führt und kurzfristig in die Landesregierung wechseln wird, hatte Can erst am Freitag um eine Kandidatur gebeten. Perc wollte trotz des Vorstands-Votums nicht zurückziehen. Auch die Basis folgte der Vorstandsempfehlung nicht.

Den Fehdehandschuh hatte der Kommunikationswissenschaftler Perc dem SPD-Landessprecher Reißig vor Wochen hingeworfen. Die Sozialdemokraten sind gelähmt von einer desaströsen Landtagswahl. In Stuttgart wurde mit 20,4 Prozent ein historisches Tief markiert, Perc selbst blieb im Innenstadt-Wahlkreis mit 17,5 Prozent noch darunter. Bei den Genossen gärt es.

Aus seiner Abneigung gegen S 21 macht Perc keinen Hehl

Beide Kandidaten agierten am Montag im Cannstatter Kursaal nervös. Der in Istanbul geborene Ergun Can warf seine SPD-adäquate Biografie in die Waagschale. Er hat nach dem zweiten Bildungsweg Abitur gemacht und studiert, 1992 die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen. Der Multifunktionär ist SPD-Ortsvereinsvorsitzender in Degerloch. Can beschrieb das sozialdemokratische Tableau, enthielt sich jeder Kritik am bisherigen Führungsgremium - und schöpfte seine Redezeit kaum aus.

Dejan Perc, dessen Vorstellungen den 2084 SPD-Mitgliedern in Stuttgart seit Wochen in elektronischer Form vorliegen, agierte gezielter und selbstbewusster. Sieben von acht Genossen hatten sich in der Debatte zu Reißigs Rechenschaftsbericht mehr oder weniger deutlich für den stellvertretenden Landesvorsitzenden der Jungsozialisten ausgesprochen. Aus seiner Abneigung gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 hatte Perc keinen Hehl gemacht. Am Abend fiel es ihm leicht, sich hier zurückzuhalten, schließlich will die neue Landesregierung das Volk über die Landesbeteiligung am Bahnhofsprojekt abstimmen lassen - genau dies hatten die Jusos vom SPD-Spitzenkandidaten Nils Schmid gefordert. Er "respektiere die Beschlusslage", sagte Perc. Dass er gegenüber der Gemeinderatsfraktion fordernd auftreten will, machte der 35-jährige Internet-Redakteur deutlich. Er will, dass bei der Neubebauung am Karlsplatz (Projekt Da Vinci) auch Sozialwohnungen entstehen.

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