Bürgermeister Bühler vor seinem Rathaus im Wasserschloss Foto: Gottfried Stoppel

Bernhard Bühler ist seit 100 Tagen Bürgermeister von Oppenweiler. Eigentlich wollte der parteilose Schultes im kommenden Jahr nicht bei der Kreistagswahl kandidieren, aber das könnte sich nun doch noch ändern.

Oppenweiler - Fast jeder Schultes dürfte sich so einen tollen Arbeitsplatz wünschen: ein Schreibtisch in einem Schloss, in einem Wasserschloss! Als neuer Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Oppenweiler arbeitet Bernhard Bühler (50) in der schmucken Immobilie mitten in dem rund 4200 Einwohner zählenden Flecken bei Backnang. Manche Bürger sagen, der Verwaltungschef arbeite nicht nur, er residiere in dem Prachtbau. Darauf angesprochen erklärt der Mann, der vor genau 100 Tagen seinen neuen Job angetreten hat: klar sei das Schlössle ein „einmaliger Arbeitsplatz“. Anno dazumal indes, als er ein kleiner Bub war in Oppenweiler, habe ihn das Wasserschloss aus dem Jahr 1782 überhaupt nicht interessiert. „Damals war der Schlosssee für uns viel wichtiger“, denn im Winter seien die Kinder auf der zugefrorenen Eisfläche Schlittschuh gelaufen.

Eine Schlitterpartie dürfte der neue Abschnitt im Leben des in Backnang geborenen Diplom-Verwaltungswirts nicht werden. Er habe rund 25 Jahre lang in Rathäusern gearbeitet, mit dieser Aussage hatte Bühler bereits im Wahlkampf geworben – und dann mit überwältigenden 86 Prozent der Stimmen auch gewonnen. Bis Ende Februar war er Haupt- und Personalamtsleiter der Gemeinde Kernen im Remstal. Viel Verwaltungserfahrung und beste Ortskenntnisse (Bühler hat bis zu seinem 30. Lebensjahr in Oppenweiler gewohnt) seien sehr gute Startbedingungen gewesen. Dennoch habe er Respekt vor dem Amt gehabt, sagt der Bürgermeister im Gespräch mit unserer Zeitung. Bisher laufe aber alles bestens, „ich habe mir den Beginn schwieriger vorgestellt.“ Vermutlich auch deshalb schwieriger, weil der Schultesposten wegen einer Erkrankung des Vorgängers lange vakant gewesen war. Die Gemeinderäte und der Schultesstellvertreter, der CDU-Landtagsabgeordnete Wilfried Klenk, hatten die Geschäfte geführt.

Oppenweiler verfügt über über satte Millionenrücklagen

Der parteilose neue Bürgermeister konnte auch deshalb voll durchstarten. Eine seiner Ankündigungen – mehr Bürgerbeteiligung – hat Bühler rasch umgesetzt. Zu einer Versammlung, bei der es um die Bebauung von zwei alten Hofstellen im Teilort Zell ging, seien rund 80 der etwa 200 Bewohner gekommen. Im Rahmen des Entwicklungsprogramms Ländlicher Raum (ELR) könnte viel Geld in den Flecken fließen. Geplant seien zehn bis 30 neue Wohnungen, sagt Bühler. Die Gemeinde will einen Investor gewinnen, der auch bezahlbaren Wohnraum erstellt.

Ein weiteres wichtiges Projekt sei der Bau eines barrierefreien Ärztehauses in der Hauptstraße, bestenfalls mit einer Physiotherapie-Praxis und einer Apotheke, wie Bühler hofft. Die Gemeinde, die über satte Millionenrücklagen verfügt, wolle sich finanziell engagieren, etwa mit dem Bau einer Praxis, die dann vermietet wird.

Ein seit Jahrzehnten latent aktuelles Thema in Oppenweiler ist der Neubau der B 14 als Ortsumgehungsstraße. Dieses Vorhaben, sagt der Bürgermeister, werde beim Bund bereits als „laufendes Projekt“ geführt – obgleich der Bau freilich längst noch nicht begonnen hat. Das Projekt sei gut vorbereitet, er habe demnächst einen Termin beim Regierungspräsidium Stuttgart.

Die Freien Wähler haben bereits angeklopft

Sein Arbeitstag sei gut gefüllt, auch mit „Tagesthemen“, etwa mit dem Neubau von Straßen. Sehr schwierig sei das, weil es zurzeit kaum möglich sei, überhaupt Angebote von den voll ausgelasteten Baufirmen zu bekommen. Im Unterschied zu seiner Tätigkeit als Hauptamtsleiter in Kernen müsse (und dürfe) er jetzt „laufend was entscheiden“. Vorher habe er sich mehr darum gekümmert, Entscheidungen umzusetzen. Als Bürgermeister sei er gefühlt fast immer im Dienst, er spare sich aber den weiten Anfahrtsweg zur Arbeit. Die Familie wohnt in Backnang, nach Kernen und zurück sei er täglich bis zu eineinhalb Stunden unterwegs gewesen, nun benötige er zur Arbeit nur ein paar Minuten. Ein Umzug nach Oppenweiler ist nicht geplant.

Tritt Bernhard Bühler 2019 womöglich zur Wahl für den Kreistag an? Er wolle nicht Kreisrat werden, hatte er im Bürgermeisterwahlkampf erklärt. Oppenweiler sei mit Wilfried Klenk gut vertreten. Der Landtagsabgeordnete und Landtagsvizepräsident Klenk ist kürzlich aber zum Staatssekretär ernannt worden. Er musste deshalb aus dem Gemeinderat und aus dem Kreistag ausscheiden. Deshalb, sagt Bühler, müsse er nun neu nachdenken. Die Freien Wähler hätten bereits angeklopft und gefragt, ob er nicht antreten wolle.

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