Ronny Habakuk lebt seit dem Jahr 2013 in Steinenbronn. Nun ist er der Bürgermeister der Gemeinde mit rund 6500 Einwohnern. Foto: z/Fotografie Nicole Schielberg

Ronny Habakuk ist neuer Bürgermeister in Steinenbronn. Im Wahlkampf hatte er gesagt, er wolle die Gemeinde nach vorne bringen. Was meint er damit?

Steinenbronn - Ronny Habakuk war bereits nach dem ersten Wahlgang am 11. Oktober der Favorit im Rennen um den Bürgermeister-Posten in Steinenbronn. Am 25. Oktober hat der 41-Jährige dann die absolute Mehrheit geholt. Habakuk freut sich auf das, was nun für ihn anbricht, ein leichter Job ist es aber nicht, denn in Steinenbronn mit seinen rund 6500 Einwohnern ist einiges liegen geblieben. Im Interview erzählt der Neue, was er als erstes vorhat.

Glückwunsch, Herr Habakuk, zu diesem eindeutigen Wahlergebnis. Sie haben im zweiten Wahlgang die absolute Mehrheit erreicht. Das ist ein großer Vertrauensvorschuss. Ist das vielleicht auch eine Bürde?

Ich habe schon Respekt vor diesem Amt, aber ich freue mich auch sehr auf diese Tätigkeit. Als Bürde bezeichne ich es nicht, ich bezeichne es als Berufung, das Bürgermeisteramt muss man leben und leben wollen.

Wie war Ihre zurückliegende Woche?

Meine zurückliegende Woche hat so begonnen, dass ich den Montag erst mal frei hatte und das Ergebnis und die Glückwünsche verdaut habe. Und, ganz klar, ich musste das alles erst persönlich verarbeiten. Dann ging es auch gleich wieder mit dem Alltag los, also zum Dienst zu gehen und meine derzeitigen Tätigkeiten fürs Regierungspräsidium wahrzunehmen.

In Ihrem Wahlprogramm schreiben Sie, Sie wollen Steinenbronn nach vorne bringen. Das heißt, es liegt jetzt hinten?

Nein, Steinenbronn liegt nicht hinten. Steinenbronn hat viel Potenzial, und dieses Potenzial möchte ich gern ausschöpfen, daher die Formulierung, dass ich Steinenbronn nach vorne bringen möchte.

Es ist allerdings viel liegen geblieben in den vergangenen Jahren. So hinkte die Gemeinde beispielsweise mit ihren Jahresabschlüssen hinterher. Über lange Strecken war dem Gemeinderat nicht bekannt, wie viel Geld die Gemeinde hat. Sogar das Landratsamt musste einschreiten. Wie wollen Sie so etwas künftig verhindern?

Ich möchte mir erst einmal einen Überblick verschaffen in der Verwaltung. Aber diese Schwächen möchte ich angehen. Und die Stärken, die wir haben, werden wir weiter ausbauen. Für mich ist das Ziel, dass wir eine solche negative Publicity nach außen nicht mehr haben. Es ist natürlich auch Aufgabe des Verwaltungschefs, dem gerecht zu werden.

Teile des Gemeinderats haben die Unzulänglichkeiten offen Ihrem Amtsvorgänger, Johann Singer, angelastet. Das Verhältnis war streckenweise sehr angespannt. Es wird sicher genau hingeschaut, wie Sie an die Dinge herangehen. Macht Sie das nervös?

Nein, ganz und gar nicht. Ich bin ein offener und kommunikativer Mensch, der die Dinge offen anspricht und den Dialog sucht. Für mich ist klar: Ich möchte mit dem Gemeinderat zusammenarbeiten, es gehört natürlich auch ein gewisser Vertrauensvorschuss beiderseits dazu. Diesen gebe ich auf jeden Fall. Ich hoffe und ich glaube, dass wir in Zukunft die Wege gemeinsam beschreiten werden.

In der Gemeinde Steinenbronn ist die Personalsituation angespannt. Es gab eine große Fluktuation, auch bei leitenden Funktionen. Wie wollen Sie die Kommune handlungsfähig halten?

Ich glaube nicht, dass die Kommune jemals handlungsunfähig war. Ich glaube eher, dass viel Negatives nach außen getragen worden ist. Es ist aber auch kein Geheimnis, dass es Probleme gab. Ich muss mir erst einen Überblick verschaffen, um wirklich fundiert und seriös eine Aussage treffen zu können. Ich will die Mitarbeiter halten, motivieren und fördern. Dafür werde ich meine ganze Erfahrung und Qualifikation einbringen.

Besteht die Gefahr, dass Sie in absehbarer Zeit Ihren Ordnungsamtsleiter Lukas Lang verlieren? Er war ja auch zur Bürgermeister-Wahl angetreten, und er sieht in der Gemeinde keine langfristige berufliche Zukunft mehr, sagte er uns.

Jetzt eine Aussage über einzelne Mitarbeiter zu treffen, wäre nicht seriös. Aber für mich zählt nicht, was jemand vor oder nach der Wahl gemacht hat, für mich zählen fachliche Leistung und Integrität. Ich gehe unvoreingenommen in die Verwaltung hinein, natürlich auch gegenüber Lukas Lang. Ich begegne allen mit offenen Armen und werde alles daran setzen, gute Mitarbeiter bei der Gemeinde zu halten.

In Corona-Zeiten ist es sicher nicht leicht, so ein Amt zu übernehmen. Die Gemeinden stehen vor großen Herausforderungen.

Wie sich der neue Teil-Lockdown auf die Verwaltung auswirken wird, kann ich nicht vorhersehen, aber es wird eine schwierige Zeit. Und ich hoffe, dass wir das alle gut überstehen, weil natürlich auch vieles damit zusammenhängt. Wie zum Beispiel Unternehmen und Gewerbe sowie unsere Kitas und Schulen. Ich hoffe, dass es nicht so tragisch wird wie beim ersten Lockdown. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir das gemeinsam schaffen werden.

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