Die Baubranche boomt nicht nur, sie beklagt sogar Überlastung. Foto: LBS/Taubert

Die Bewohner des Landkreises erwirtschaften 43 Prozent mehr als die Beschäftigten im Landesschnitt. Unternehmer sehen ihre Zukunft rosig.

Böblingen - Der Landkreis Böblingen trägt deutlich überproportional zur Wirtschaftskraft Baden-Württembergs bei. Dies geht aus Berechnungen des Statistischen Landesamts hervor. Das Zahlenwerk belegt außerdem ein ungewöhnlich kräftiges Wachstum zwischen 2005 und 2015. Innerhalb dieser zehn Jahre hat sich die Wertschöpfung im Kreis nahezu verdoppelt. 2015 ist das letzte Jahr, das erfasst wurde. Die Statistik bemisst die Wirtschaftskraft der Stadt- und Landkreise anhand des Bruttoinlandsprodukts.

In absoluten Zahlen steht in der Region wie auch landesweit die Stadt Stuttgart an der Spitze. Ihre Bewohner erwirtschafteten 2015 mehr als 51 Milliarden Euro. Allerdings sind gut 510 000 der knapp 625 000 Stuttgarter erwerbstätig. Dies entspricht 82 Prozent der Bevölkerung. Im Kreis Böblingen erreicht dieser Wert lediglich eine Quote von 64 Prozent. Aussagekräftiger ist das Bruttoinlandsprodukt im Verhältnis zur Zahl der Erwerbstätigen. Exakt 108 853 Euro erwirtschaftete im statistischen Mittel jeder Beschäftigte im Kreis.

Alle Landkreis in der Region liegen deutlich hinter Böblingen

Die Stuttgarter kamen im Schnitt auf etwas weniger als 100 000 Euro. Alle Landkreise in der Region liegen deutlich unter diesem Wert. Hinter Böblingen folgt der Kreis Ludwigsburg mit 88 000 Euro Bruttoinlandsprodukt pro Kopf. Am Ende der Tabelle steht der Kreis Göppingen mit 67 000 Euro. Noch deutlicher als innerhalb der Region fällt der Vergleich mit den landesweiten Zahlen aus. Mathematisch erwirtschaftete jeder Baden-Württemberger knapp 76 000 Euro. Damit liegt der Landkreis Böblingen 43 Prozent über dem landesweiten Schnitt und trägt insgesamt 5,4 Prozent zur gesamten Wertschöpfung in Baden-Württemberg bei.

Bemerkenswert ist überdies die Entwicklung im Landkreis im Verlauf der Jahre. Die Statistik beginnt 1991. Seinerzeit erwirtschafteten die Kreisbewohner insgesamt knapp zwölf Millionen Euro und lagen damit in etwa im Schnitt der Region. Danach entwickelte sich die Wirtschaft im Kreis zunächst rückwärts. Den stärksten Einbruch vermerkten die Statistiker in den Jahren zwischen 2000 und 2005. In dieser Zeit schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt im Kreis um 10,5 Prozent. Damit sank die Wertschöpfung exakt auf den Durchschnitt in Baden-Württemberg.

Krisenjahren folgte ein umso kräftigeres Wachstum

Zwar sind auch in den Tabellen für die anderen Kreise der Region Stuttgart hin und wieder Minuszahlen vermerkt, aber stets unter der Zwei-Prozent-Marke. Hingegen wuchs die landesweite Wirtschaftskraft seit 1991 ohne Unterbrechung. Im Kreis Böblingen setzte nach den Krisenjahren ein umso kräftigeres Wachstum ein, vor allem in der jüngeren Vergangenheit. Allein von 2014 auf 2015 schnellte das Bruttoinlandsprodukt um 13,2 Prozent empor. Dies ist das mit Abstand kräftigste Plus im gesamten Zahlenwerk. Landesweit wuchs die Wirtschaftskraft im gleichen Zeitraum lediglich um 5,2 Prozent.

Gemessen an einer Umfrage der hiesigen Industrie- und Handelskammer wird die Entwicklung in der näheren Zukunft andauern. Mehr als 53 Prozent der Befragten erklärten ihre geschäftliche Lage für gut. Fast 30 Prozent erwarten dennoch eine weitere Verbesserung. Bremsen könnte das Wachstum nach Einschätzung der Kammer der Mangel an Fachkräften und an Wohnraum. Über alle Branchen hinweg will die Mehrzahl der Unternehmen zusätzliches Personal einstellen. Weil im Kreis faktisch Vollbeschäftigung herrscht, werden Mitarbeiter aus anderen Regionen geworben werden müssen. Dass jeder neu Hinzugezogene Wohnraum braucht, erfreut die Baubranche. In ihr meldete kein einziges Unternehmen eine schlechte Geschäftslage, im Gegenteil: Die Mehrzahl der Firmen beklagt Überlastung.

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