Einer der Schnellbusse in der Pole-Position: Durch eine besondere Verkehrsführung und Verkehrssteuerung sollen sie gut durchs Gewühl kommen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Auf der neuen Linie X1 zwischen Bad Cannstatt und Stuttgarter Zentrum pendeln an Werktagen jetzt insgesamt zehn Hybrid-Busse. Sie werden begleitet von vielen Zweifeln. Die Verkehrsbetriebe SSB und die Stadtverwaltung bemühen sich, manches zurecht zu rücken.

Stuttgart - Auf der neuen Expressbuslinie X 1 ist am Montag der reguläre Betrieb aufgenommen worden. Der Zuspruch war zunächst verhalten. Am Morgen gab es noch reichlich freie Plätze in den insgesamt zehn Hybridschnellbussen, obwohl in Stuttgart just an dem Tag zum ersten Mal in der neuen Feinstaubsaison der Alarmfall ausgelöst war, die Autofahrer also freiwillig auf Busse und Bahnen umsteigen sollten. Fahrgastzahlen wurden nicht erhoben. Warum auch? „Es dauert seine Zeit, bis so ein neues Angebot richtig angenommen wird“, sagte Sven Matis, Sprecher der Stadtverwaltung.

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Manche potenzielle Fahrgäste wissen vielleicht noch gar nichts von dem Angebot. Andere Beobachter senken längst den Daumen. Die FDP-Landtagsabgeordnete Gabriele Reich-Gutjahr hatte schon vor Tagen verlautbart, mit der Schnellbuslinie verkaufe man den Menschen eine Illusion. Denn zwischen den Haltestellen Wilhelmsplatz Cannstatt und Rathaus sei der Bus laut Fahrplan nur eine Minute und damit „unbedeutend“ schneller als die Stadtbahnen. Die könnten auch mehr Fahrgäste aufnehmen als die Busse. Für das wahrscheinlich erfolglose Experiment, das Investitionen von 2,5 Millionen Euro in den Busrundkurs erforderte, habe die Stadt ein zusätzliches Nadelöhr geschaffen, das Staus provoziere. Der Individualverkehr müsse „beträchtliche Strecken opfern“. Der Beitrag zur Luftreinhaltung, den sich Stadt und Land erwarten, werde nicht eintreten.

Es geht nicht nur um kurze Fahrtzeiten

SSB und Stadtverwaltung halten dagegen, bis auf ein paar Meter Länge im Bereich einer Abbiegespur seien auf der Cannstatter Straße keine Autofahrspuren weggenommen, sondern nur verschoben worden. Damit könnten die Autofahrer sicher klarkommen, da sie maximal Tempo 50 fahren dürften. Die Fahrtzeit der Busse, die in kürzerem Takt fahren als die Stadtbahnen, sei nicht allein im Fokus gewesen, als die Expressbuslinie konzipiert wurde. Man habe nun eine Art Ringlinie für die City und könne auf der Tallängsachse die oft gut gefüllten Stadtbahnen entlasten – oder bei Störungen das S-Bahn-Netz.

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SSB-Technikvorstand Wolfgang Arnold sagte, schon von Dezember an könne es durch Ergänzungen im Stadtbahnnetz zusätzliche Umsteiger am Wilhelmsplatz und Fahrgäste zwischen Cannstatt und Zen­trum geben. Zudem habe man mit dem Projekt X­ 1 einmal den ganzen Instrumentenkoffer genutzt, um die Busse auf ihrem Weg zu beschleunigen. Es gebe auch noch einen anderen wesentlichen Aspekt: Man zeige hier auf, wie man den Busverkehr mit innovativen Gelenkbussen in Etappen immer umweltfreundlicher machen könne.

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