Silke Benner hat viel vor mit der Glemstalschule. Foto: factum/Simon Granville

Silke Benner leitet von kommendem Schuljahr an die Glemstalschule Schwieberdingen-Hemmingen. Von den Querelen in der Vergangenheit will die 44-Jährige eigentlich wenig wissen – dafür hätte sie vor lauter Ideen auch gar keine Zeit.

Schwieberdingen/Hemmingen - Die Neue will das Alte hinter sich lassen und nach vorne schauen. Das macht Silke Benner deutlich, angesprochen auf die Querelen in der Vergangenheit rund um ihre neue Wirkungsstätte, die da Glemstalschule Schwieberdingen-Hemmingen heißt. „Ich habe damit nichts zu tun. Ich will nicht zurückblicken, sondern es soll vorwärts gehen. Alles andere schadet“, sagt die neue Rektorin der Gemeinschaftsschule. Bis zu den Sommerferien leitet sie außerdem die Tobias-Mayer-Schule in Marbach, wo sie vor 19 Jahren als Junglehrerin startete. „Mit mir gibt es einen Neustart“, sagt Silke Benner: Die Glemstalschule mit rund 500 Schülern müsse unbedingt in ein ruhiges Fahrwasser kommen.

Anders als ihre Vorgängerin Sandra Vöhringer nimmt die 44-Jährige aus Stuttgart den Beschluss des Schulträgers, wonach die Glemstalschule keine gymnasiale Oberstufe erhält, als das hin, was er ist: ein Fakt. „Der Landkreis braucht eine Gemeinschaftsschule mit Oberstufe. Die wird im Moment aber nicht in Schwieberdingen sein“, betont Silke Benner. Um den Absolventen nach der zehnten Klasse andere Anschlussmöglichkeiten zu bieten, schloss die Glemstalschule im November eine Kooperation mit den Berufsschulen auf dem Ludwigsburger Römerhügel.

Auch zu den Vorwürfen des früheren Elternbeirats, wonach in der Schule Brand- und Amokschutz fehlen, schweigt Benner. Fast: „Sollte es irgendwelche Sicherheitsmängel geben, sind sie vom Tisch, sobald die Schule saniert ist.“ Seitdem sie die Schule seit September zunächst kommissarisch führte, sei ihr dahingehend nichts angetragen worden.

„Hier wird ein verdammt guter Job gemacht“

Die Glemstalschule wird für rund 23 Millionen Euro modernisiert und erweitert. Und dann „topmodern“ sein, sagt Benner. Sie ist froh, dass sie und das Kollegium sowohl Ideen zur Gestaltung als auch das pädagogische Konzept einbringen konnten. Nun wird das europaweite Vergabeverfahren eingeleitet. „Der Wettbewerb wird ein spannender Prozess“, sagt Benner, zumal Architekten sicher ganz neue Ideen hätten. Im August nächsten Jahres will der Schulträger einem Bieter den Zuschlag für das Bauvorhaben erteilen.

Bis dahin will Silke Benner einiges umgesetzt haben. „Die Glemstalschule, deren Stärke die individuelle Förderung jedes Schülers ist, muss wieder positiv dargestellt werden. Hier wird ein verdammt guter Job gemacht, und die Kinder sind bei uns gut aufgehoben“, sagt Benner. Das sei in der letzten Zeit untergegangen.

Neben ihrem Projekt, die Außenwirkung der Schule wieder ins rechte Licht zu rücken, will Benner mit dem Kollegium die vergangenen sieben Jahre evaluieren. So lange ist die einstige Realschule bereits eine Gemeinschaftsschule. Dabei stoße man eventuell auf verbesserungswürdige Dinge und grabe alte Ideen aus. „Ich glaube, das Level hier ist schon ziemlich hoch“, sagt Benner. Ihr schwebt unter anderem vor, den Gedanken des Schulcampus aufzunehmen und die Glemstalschule für die angrenzende Hermann-Butzer-Schule erlebbar zu machen. „Mein Ziel ist, dass man den Campus als Campus wahrnimmt.“ Verschiedene Angebote seien denkbar, etwa Acht- und Neuntklässler als Sportmentoren der Grundschüler. „An Ideen mangelt es mir nicht“, sagt Benner.

Tablets künftig auch im Unterricht

Dann ist da noch die Digitalisierung. „Das Thema treibt mich schon lange um“, sagt Silke Benner. Die Tobias-Mayer-Schule habe vor rund dreieinhalb Jahren ein fertiges Tablet-Konzept gehabt. Auch die Schwieberdinger Schüler sollen den richtigen Umgang mit den digitalen Medien lernen. Dazu beschafft der Schulträger rund 530 Tablets. Für die Lehrer waren praktischerweise zu Beginn der Corona-Krise 60 Stück genehmigt worden.

Wegen eines Corona-Falls im Hort machte die Glemstalschule einen Tag vor der pandemiebedingten Schließung aller Schulen im Land im März dicht. Rasch sei ein Netzwerk entstanden, um alle Schüler zu erreichen – schließlich konnten die Lehrer die geschnürten Lernpakete nicht mehr persönlich herausgeben. Die Krise, sagt Benner, zeige klar, wie wichtig die Digitalisierung ist – und wie gut das Konzept Gemeinschaftsschule vor Ort funktioniere: Die Schüler wüssten selbstständig zu arbeiten. Künftig will Benner auch im Unterricht Tablets einsetzen.

Die 44-Jährige ist keine, die um den heißen Brei herumredet oder ein Blatt vor den Mund nimmt. Sie sagt, dass sie auf Augenhöhe führe und einen offenen Umgang schätze, auch bei berechtigter Kritik. „Manchmal will ich zu schnell zu viel, das kann man mir sagen“, sagt Benner und lacht. Insgesamt sei sie geduldiger und gelassener geworden, wenngleich „ich kein geduldiger Mensch bin“, so Benner. Die Glemstalschule nun als Rektorin zu führen, sei eine Herausforderung, allein deswegen, weil sie größer ist als die Tobias-Mayer-Schule mit rund 300 Schülern. Da habe sie buchstäblich der sportliche Ehrgeiz gepackt, sagt Silke Benner: Sie spielte früher bis zur dritten Liga Handball, inzwischen gehört sie dem Ludwigsburger Seniorinnen-Team an. Und wenn sie nicht Ball spielt, dann radelt oder wandert sie.

Tablets dank Digitalpakt

Das Programm Wegen der Corona-Krise und der Einschränkungen für den Präsenzunterricht an den Schulen gibt der Bund den Ländern im Rahmen des Digitalpakts zur Förderung der Digitalisierung weitere 500 Millionen Euro – bislang waren es fünf Milliarden Euro. 65 Millionen Euro davon bekommt Baden-Württemberg. Das Land selbst stellt weitere 65 Millionen Euro bereit.

Die Schulen Alle Glemstalschüler erhalten ein Tablet. Für die rund 530 Geräte investiert der Gemeindeverwaltungsverband Schwieberdingen-Hemmingen rund 336.200 Euro. Die Förderung beträgt etwa 90.000 Euro. Korntal-Münchingen will zunächst 400 der insgesamt 600 benötigten Tablets für rund 132.000 Euro anschaffen, um eine Grundversorgung zu gewährleisten. Der Gemeinderat entscheidet am Donnerstag darüber.

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