Nach den Kommunalwahlen wird es in den beiden Gemeinderäten bunter und kontroverser zugehen. Foto: Michael Steinert

Mit sieben Sitzen ist der Uhinger UBU-Liste ein Erdrutschsieg gelungen. In Ebersbach gewinnen die Grünen an Boden, und erstmals sitzen auch AFD und BIG am Ratstisch.

Uhingen/Ebersbach - Im unteren Filstal haben sich die Kräfteverhältnisse in den Gemeinderäten deutlich verschoben. Einen regelrechten Erdrutsch hat die Stadt Uhingen erlebt, wo die Liste der Unabhängigen Bürger Uhingen (UBU) aus dem Stand zweitstärkste Kraft wurde und künftig sieben von 28 Plätzen am Ratstisch einnehmen wird. In Ebersbach sitzen mit der AfD und dem Bündnis für Innovation und Gerechtigkeit (BIG) gleich zwei neue Gruppierungen im Gemeinderat.

Die UBU erringt aus dem Stand sieben Mandate

„Wir sind hellauf begeistert und wie im Freudentaumel“, kommentiert Alexandra Staab aus Uhingen das gute Abschneiden der UBU. Zusammen mit sechs Fraktionskollegen will Staab die Geschicke ihrer Heimatstadt am Ratstisch künftig mitgestalten, beispielsweise den Flächenfraß im Ort eindämmen und sich für mehr Bürgerbeteiligung stark machen. „Wir haben den Nerv getroffen“, sagt die Diplomingenieurin, die im Nassachtal die meisten Stimmen gewann. Spitzenreiter auf der UBU-Liste ist der Landwirt Wolfgang Daiber aus dem Ortsteil Holzhausen, der mit 3080 Stimmen nach Rainer Frey (Freie Wähler, 4844 Stimmen) und Susanne Widmaier (SPD, 3603 Stimmen) den dritten Platz auf der Uhinger Hitliste belegt.

Zoff um den Gewerbepark und die Informationspolitik von Matthias Wittlinger

Im Wahlkampf hatte die UBU die Informationspolitik von Bürgermeister Matthias Wittlinger (CDU) als intransparent gegeißelt und die große Zahl von nichtöffentlichen Sitzungen und Protokollen kritisiert. Damit dürften die erklärten Gegner von großräumigen Flächenversiegelungen im geplanten Gewerbepark Fils und im Neubaugebiet Weilenberger Hof III sowie von Windrädern nahe Baiereck eine steifere ökologische Brise bei Debatten in den Ratssaal tragen.

Neue Koalitionen bieten sich an

Da die sieben Mandate die UBU auf einen Schlag zur zweitgrößten Fraktion erheben, bieten sich auch interessante neue Koalitionen an, zum Beispiel mit der SPD. Auch in deren Reihen, die sich um zwei Köpfe auf künftig sechs gelichtet haben, sitzen mehr Kritiker als Befürworter des Gewerbeparks. Ein Patt zwischen UBU und Sozialdemokraten auf der einen Seite sowie Freien Wählern (die vier Sitze verloren haben und noch neun Mandate halten) und der CDU (von sechs auf vier Sitze geschrumpft) auf der anderen Seite ist rechnerisch mit jeweils 13 Stimmen möglich. Die Rolle des Züngleins an der Waage könnte so auf die beiden Gemeinderäte der Gemeinschaftsliste von FDP und Unabhängigen Bürgern zukommen.

Bürgermeister Wittlinger betrachtet die Wahlschlappe für die etablierten Fraktionen weniger als hausgemachtes Ergebnis enttäuschter Protestwähler. Stattdessen spricht der Verwaltungschef von Verschiebungen, wie sie in anderen Kommunen auch aufgetreten seien, wo neue Listen angetreten sind. Er habe den großen Wunsch, auch künftig auf der Sachebene mit den Räten zu sprechen, da könne man sich dann auch mal fetzen.

In Ebersbach können sich die Grünen steigern, AFD und BIG entsenden erstmals Vertreter

Während in Uhingen keine grüne Liste zustande kam, hat sich die Ökopartei in Ebersbach gesteigert. Bis zum Redaktionsschluss lagen folgende Ergebnisse vor: Die Grünen kommen auf 15,9 Prozent (9,8 Prozent im Jahr 2014) und entsenden vier Stadträte, die teils pausiert hatten. Spitzenreiter bleiben die Freien Wähler mit 28,2 Prozent. Die SPD (22,1 Prozent) und die CDU (23,4 Prozent) haben sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert. Der CDU-Mann Oliver Knur darf sich Stimmenkönig nennen. Die AfD erringt zwei Mandate (7,2 Prozent), und die BIG (3,1 Prozent) bringt es auf ein Mandat.

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