Daniel Letterman, Yves Findling plus Tochter, Horst Krick sowie Kary, Berliner Gründer der BC Studios (von links); an der Wand: die Rapper Dr. Dre, Nas und Tupac. Foto: Petra Mostbacher-Dix

An der Hölderlinstraße hat die „Bloody Colors Gallery“ eröffnet. Zum Auftakt sind in der Kombination von Tattoo-Studio und Galerie Werke von Yves Findling zu sehen.

S-West - Ihre Blicke gehen ins Auge. Schwarz-Weiß auf Rot, mit klarer Kante beobachten Dr. Dre, Nas und Tupac Shakur den Betrachter. „Inspiriert hat mich die Ästhetik alter DDR-Briefmarken“, sagt der Künstler Yves Findling, der die Rapperlegenden als Tuschezeichnung und Siebdruck aufs Papier gebannt hat – jeweils benannt nach ihrer Home Base, dem Ausgangs- oder Wirkungsort ihrer Musik: „Compton“, Geburtsort des Gangsta Rap, steht da auf dem Schildchen unter Dr. Dre, das New Yorker Quartier „Queensbridge“ bei Nas sowie „South Central L.A.“ beim 1996 ermordeten Tupac.

Zwischen Berlin und Stuttgart

Zu sehen sind die Werke des Grafikdesigners und Illustrators Findling in der Bloody Colors Gallery, die am Wochenende in der Hölderlinstraße 53 eröffnet wurde. Sie ist Teil des Bloody Colors Tattoostudio: Die Stuttgarter Dependance des „Berliner Mutterschiffs“ der Tätowierer eröffnete im Mai. Gegründet hat die BC Studios in der Bundeshauptstadt im Jahr 2013 Tätowierer Kary, seines Zeichens Könner von Cover-ups und malerisch-realistischen Motiven. Mit im Boot ist der Mediengestalter Daniel „Lettermann“, der sich, wie der Name schon sagt, auf das „Lettering“, also das Tätowieren von Schrift spezialisiert hat. Beide arbeiten nun nicht nur in Berlin, sondern auch in Stuttgart. „Ich habe die Stadt und die Menschen lieben gelernt – und hier haben wir dafür den idealen Mann, der sich in der Szene auskennt. Er hatte auch die Idee für die Bloody Colors Gallery“, sagt Kary.

Er meint Horst Krick, das Stuttgarter Urgewächs managt Shop und Galerie. Bei den rund 130 Quadratmetern Fläche – ein Teil war zuvor bereits ein Tattoo Studio – habe es sich geradezu angeboten, einen Bereich für Ausstellungen zu nutzen, betont Krick. „Wir tun das mit Herzblut und aus absoluter Liebe zur Kunst, wir kommen ja alle aus dem visuell-malerischen-zeichnerischen Bereich. Die Künstler müssen keinerlei Prozente abgeben, wir stellen ihnen die Räume zu Verfügung.“ Alle zwei Monate sollen die Ausstellungen wechseln, die Ausstellenden werden im Team ausgesucht. „Wir haben eine lange Liste, jeder hat jemanden vorgeschlagen, abgestimmt wird gemeinsam“, beschreibt Daniel das Prozedere und ergänzt, dass ihm vor allem Urban Art am Herzen liege. Aber er ist, wie die anderen der Crew auch, offen für alle Stile, Gattungen und Genres. „Das Spektrum kann von Figuration bis Abstraktion, von Malerei, Fotografie bis zu Objekten reichen“, so Krick. „Wichtig ist, dass die Qualität der Arbeiten stimmt.“

Eine Hommage an den Hip-Hop

Schnell einig seien sie sich gewesen, dass Yves Findling die Debütausstellung der Bloody Colors Gallery bestreiten soll. „Mit seinen Siebdrucken, Fine Art Prints und bemalten Skateboards, die von der Hip-Hop-Subkultur inspiriert sind, passt er von der Thematik und Ästhetik bestens in unser Programm und unsere Räume.“

So zeichnet Findling, der in Pforzheim Visuelle Kommunikation studierte, sich an der University of Georgia in Athens mit Advanced Typography, Advanced Illustration und Animation beschäftigte und in Bournemouth, England, seinen Master machte, in der Schau die Geschichte der „Helden“ des amerikanischen Hip nach – figurativ, gewürzt mit Popart, heroischem Realismus und einer Prise Neuer Sachlichkeit. So kommt der Print mit dem Stuttgarter Fernsehturm klar und kühl daher, die Plattenspieler und der „0711 Club Mixer“ gemahnen geradlinig, fast technoid an die Stuttgarter Partykultur. Und während vier Skateboards mit Konterfeis von Eminem oder Snoop Dogg das Erbe von Dr. Dre honorieren, erzählen fünf Siebdrucke in lila-grüne Tönung mittels den Motiven wie Sprite und Codein vom „purple drank“, der Partydroge „Lean“. „Die Serien sind eine Hommage an den Hip-Hop, aber keine Verherrlichung von Drogen“, so Findling. „Es geht mir um den zweiten Blick, das Bewusstmachen von Dingen und das Zusammenbringen von Gestern und Heute.“ Die Details zählen: So ist es kein Zufall, dass auf dem Plattenspieler eine Scheibe deutscher Rapper zu entdecken ist: Da spielt Jan Delay mit seiner Hip-Hop-Band „Beginner“ auf.

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