Horst Krick warnt vor leichtfertigem Umgang mit Tattoos Foto: Jan Reich

Horst Krick hat sich nach einem verlorenen Burger-Wettessen ein Tattoo stechen lassen. Der aus einer Schaustellerfamilie stammende Stuttgarter sagt von sich, er sei für die Bühne gemacht. Als Moderator eines Tattoo-TV-Magazins rät er zu verantwortungsvollem Umgang mit dem permanenten Körperschmuck.

Stuttgart - Herr Krick, Sie tragen das Logo einer Burgerbar in Ludwigsburg auf dem Knöchel. Warum?
Weil ich beim Burger-Wettessen gegen den Inhaber des Ladens verloren habe. Darum. Der Einsatz war ein Stück freie Haut.
Davon gibt es bei Ihnen ja nicht mehr allzu viel, so zugestochen, wie Sie sind. Ist das nicht ein wenig unverantwortlich, so mit dem eigenen Körper und permanentem Körperschmuck umzugehen?
Eben. Darum haben wir das Format „Wer verliert, wird tätowiert“ auch aus unserem Tattoo-Magazin „TattooMed-Truck TV“ gestrichen. Wenn ich öfter verloren hätte, wäre es mit dem Platz womöglich wirklich eng geworden. Dafür laufen auf unserem You-Tube-Kanal und auf tattoomed-truck.de ab August viele andere tolle Sachen.
Was denn, wenn wir auf einen Herrn Krick verzichten müssen, der ständig doofe Wetten verliert?
Was wir in gut einem Jahr mit dem Tattoo-Truck auf Tour durch Europa eben so an Filmmaterial produziert haben. Eine Art Roadtrip mit Videotagebuch, Eventberichten und Interviews, finanziert durch Tätowierungen, die vor Ort gestochen werden, und Sponsoren. Unser Truck ist in dieser Form das erste und einzige mobile Studio in ganz Europa. Wir haben natürlich etliche Tattoo-Conventions besucht, aber auch ganz andere Orte.
Welche?
Im Grunde kommen alle Veranstaltungen infrage, die sich vorstellen können, dass unser Truck bei ihnen anrückt und dann vor Ort tätowiert und informiert wird. Wir waren zum Beispiel auf einer Pharma-Messe in München, die mit Tätowierungen erst mal überhaupt nichts zu tun hat. Das Summen der Tattoo-Nadeln hat aber auch dort neugierig gemacht, und schnell war der Truck von Anzugträgern umzingelt. Oft ist es schon ein Erfolg, dass Typen wie wir eine Omi vom Vorurteil abbringen können, dass tätowierte Menschen schlechte Menschen seien. Bei allem Tattoo-Boom: Solche Ressentiments gibt es leider immer noch.
Aus welchen netten Menschen besteht die Mannschaft des Tattoo-Trucks denn?
Aus unserem Filmer, einem Fahrer, unterschiedlichen Gasttätowierern und meiner Wenigkeit. Ich bin dabei nicht nur Moderator in den Filmaufnahmen, sondern vor Ort auch so was wie ein Studiomanager, der berät und Aufklärungsarbeit betreibt.
Was qualifiziert Sie für den Job?
Im Grunde mein ganzes Leben. Ich bin in einer Schaustellerfamilie groß geworden. Da habe ich bereits mit sechs Jahren die Ansagen für unsere Fahrgeschäfte gemacht, wie „Jetzt geht’s rund, sprach der Papagei, und flog in den Ventilator“. Zum Beispiel auf dem Cannstatter Wasen. Ich hatte nie ein Problem damit, vor Menschen zu reden. Einige kleine Filmrollen und Hauptrollen in Musikvideos machen mir auch Mut, dass ich vor der Kamera nicht ganz schlecht rüberkomme. Außerdem habe ich bei ein paar Burlesque-Shows in Stuttgart mitgewirkt. Aber von Haus aus bin ich eigentlich Illustrator.
Daher also Ihre Vorliebe für Tätowierungen.
Eine Wechselwirkung gibt es da sicherlich. Auch wenn ich meine Arbeit – darunter Plattencover und Kinderbuchillustrationen – nicht mit dem Tätowierhandwerk gleichsetzen würde, vor dem ich großen Respekt habe.
Also ist keine Ihrer Tätowierungen auch aus Ihrer Feder?
Sehen Sie: Als Künstler oder Kreativer entwickelt man sich immer weiter. Und ein Tattoo behält man in aller Regel für immer. Auf die Arbeit von Außenstehenden hat man oft eine andere Sicht als auf die eigene. Wollten Sie als Journalist einen Artikel, den Sie vor fünf Jahren geschrieben haben, unbedingt jeden Tag sehen?
Vermutlich nicht. Nach welchen Kriterien sollte man sich dann tätowieren lassen?
Ich habe mir mein erstes Tattoo erst mit 29 stechen lassen. Man sollte sich einfach gut überlegen, was man will. Es gibt viele grausige Tattoos. Am schlimmsten sind Tattoo-Trends im Allgemeinen, egal welche – es gibt fast nichts, das mehrere Jahrzehnte lang im Trend ist.
Gehen wir tiefer in die Materie.
Schön, dass Sie sich das abgedroschene „unter die Haut“ gespart haben. Man sollte weder an der Zeit, sich das gut zu überlegen, noch am Geld sparen. Ganz wichtig ist die Wahl des Tätowierers – lassen Sie sich das Studio zeigen, in dem Sie sich tätowieren lassen wollen. Dabei ist vor allem Hygiene wichtig. Und wirklich: Fast 50 Prozent, wie gut die Tätowierung am Ende aussieht, hängen von der Pflege danach ab. Wer all das bedenkt, ist auf einem guten Weg, nicht zwingend unglücklich mit seinem Tattoo zu werden.
Woran erkenne ich denn, ob ein Tätowierer gut ist?
Erst mal: Die wenigsten Tätowierer sind in allen Disziplinen gut. Der eine kennt sich besser mit Schriftzügen aus, der andere ist besonders fit bei Porträts. Generell gilt: Man sollte vielleicht denen misstrauen, die ohne mit der Wimper zu zucken Hände oder Hals tätowieren – es sei denn bei Typen, die sowieso schon so zugehackt sind wie ich.
Im Stuttgarter Nachtleben sind Sie bekannt wie ein bunter Hund. Was, glauben Sie, wird, wenn „TattooMed-Truck TV“ im Sommer erstmals im Internet startet?
Haha, ist das so? Na ja, wahrscheinlich werde ich dadurch dann noch bekannter. Aber darum geht es mir nicht. Eher darum, es schnell von You Tube in einen Spartensender zu schaffen.
Der Privatsender Dmax klingt wie prädestiniert für Ihr Format . . .
Über konkrete Partner in Zukunft kann ich jetzt noch keine Aussagen machen. Aber Tattoos zwischen Showcar-Schraubern und den Ludolfs – warum nicht?
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