Sebastian Kern hat in Italien eine Eisschule besucht. Was er dort gelernt hat, kann man an der Löwenstraße testen. Foto: Lg/Max Kovalenko

Sebastian Kern hat an der Universität Hohenheim studiert, in Italien gelebt und verkauft nun zwei Häuser von seiner ehemaligen Wohngemeinschaft entfernt in Stuttgart-Degerloch selbst gemachtes Eis. Für die Zukunft hat der 30-Jährige noch eine besondere Idee.

Degerloch - Dass Sebastian Kern eines Tages nur zwei Häuser von seiner alten Wohngemeinschaft an der Löwenstraße in Degerloch entfernt Eis verkaufen würde, war so nicht geplant. Doch besucht man den 30-Jährigen in seiner neu eröffneten Eiswerkstatt mit Café und Terrasse, kann man sich den offenen, blonden Mann mit kariertem Hemd kaum mehr in einem klassischen Bürojob vorstellen.

Einen solchen Beruf hatte Sebastian Kern aber bis vor Kurzem: Nach seinem Studium der Agrarwissenschaften an der Universität Hohenheim arbeitete er zuletzt zwei Jahre lang als Qualitätsmanager für Obst und Gemüse in Verona (Nordostitalien). Eine Zeit, die er im Nachhinein als „sehr stressig“ bezeichnet.

Früher war dort eine Tapasbar

Im September 2018 kündigte er seinen Job, wollte aber „etwas Schönes aus Italien mitbringen“, wie er sagt. Ein Bekannter erzählte ihm, dass er selbst Eis herstelle; das gefiel dem 30-Jährigen. „Ich habe schon immer unheimlich gerne gekocht und mich viel mit Lebensmitteln beschäftigt. Meine ganze Familie sind Gourmets. Und ich mache immer dort Urlaub, wo es gutes Essen gibt.“ Er besuchte eine Eisschule in Italien und absolvierte mehrere Praktika bei Eismachern.

Als Sebastian Kern an Weihnachten 2018 dann nach Stuttgart zurückkehrte, begann seine Suche nach einer Immobilie, wo er Eis produzieren und verkaufen kann – was sich aufgrund der bürokratischen Hürden als nicht einfach herausstellte. Irgendwann war er an dem Punkt, dass er sich überlegte, eine Fahrradeisdiele zu eröffnen und sein Eis an wechselnden Orten zu verkaufen. Da fiel ihm ein, dass seine ehemalige Nachbarin an der Löwenstraße einst eine Tapasbar betrieben hatte – und dann ging alles ganz schnell: Am 1. März bekam er die Schlüssel, renovierte einen Monat lang, besorgte die nötigen Maschinen und eröffnete Ende März.

Mit dem Fahrrad auf Festen Eis verkaufen

„Zunächst war mein Plan, dass ich hier nur produziere – aber dafür ist die Terrasse viel zu schön“, sagt er. Deshalb stellt der Degerlocher nun unter der Woche Eis her, an Wochenenden und Feiertagen verkauft er. Außerdem bietet er selbst gebackene Kuchen an und plant künftig auch mit Marmeladen, Sirupen sowie Eingelegtem zu experimentieren. Bereits jetzt habe er einige Stammkunden, sagt Kern. Das seien einerseits junge Familien, aber auch einige Radfahrer, da die Eiswerkstatt direkt an einer der Hauptradrouten liegt. Darüber ist Sebastian Kern froh, denn auch wenn sein Café nur gut 100 Meter von der Epplestraße entfernt liegt, ist die Laufkundschaft dort gering. Parallel verfolgt er jedoch auch die Idee mit der Fahrradeisdiele weiter: Er hat sich für etliche Stuttgarter Sommerfeste angemeldet.

Die Rezepte für das Eis überlegt er sich immer selbst. Einige Klassiker wie Schokolade oder die italienische Vanille-Variante Crema gibt es immer, dazu kommen jede Woche saisonale Sorten, derzeit etwa Rhabarber- und Erdbeereis. Er legt Wert darauf, dass er im Gegensatz zu vielen anderen Eismachern keine Fertigmischungen nutzt, sondern alles selbst macht: vom Obstschnippeln bis zum Anrühren. „Ich arbeite auch ohne Geschmacksverstärker. Im Erdbeereis sind deshalb mindestens 60 Prozent Erdbeeren enthalten.“ Außerdem probiert er regional einzukaufen: Milch vom Degerlocher Hof Hiller, Erdbeeren von Bauern aus der Nähe, der Rest kommt vom Bio-Großhändler.

Es heißt Portion, nicht Kugel

Eine Portion Eis (nicht Kugel, da es vom Spachtel kommt) kostet bei ihm 1,50 Euro. Und es gibt eine Besonderheit: Auch „to go“ ist möglich, Sebastian Kern hat spezielle Behälter, in denen man Eis mitnehmen kann. Diesen Brauch hat er in Italien kennengelernt. „Wer zu Hause Eis essen will, muss es nicht in der Großpackung im Supermarkt kaufen“, wirbt er.

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