In Paris läuft der Prozess gegen die „Charlie Hebdo“-Attentäter: Gerichtszeichnung von der Aussage der Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo. Foto: AFP/Benoit Peyrucq

In einer Nacht-und-Nebel-Aktion hat die französische Polizei die Personalchefin von „Charlie Hebdo“ evakuiert: Es gibt neue Drohungen von Islamisten. Nun gibt es breite Solidarität mit den Bedrohten.

Paris - Nach erneuten Drohungen des Terrornetzwerks Al-Kaida gegen die französische Satirezeitung „Charlie Hebdo“ haben rund hundert Medien in Frankreich zur Unterstützung der Zeitung und der Meinungsfreiheit aufgerufen. In einem am Mittwoch von zahlreichen Zeitungen, Radios und Fernsehsendern verbreiteten offenen Brief hieß es: „Die Feinde der Freiheit müssen verstehen, dass wir alle zusammen ihre unerschütterlichen Gegner sind, unabhängig von unseren Meinungsverschiedenheiten oder Überzeugungen.“ 

Zehn Minuten zum Packen

Nach Morddrohungen hatte die Polizei die Personalchefin der französischen Satirezeitung „Charlie Hebdo“ an einen sichereren Ort gebracht. „Ich hatte zehn Minuten, um zu packen und mein Zuhause zu verlassen“, berichtete Marika Bret in der jüngsten Ausgabe des Wochenmagazins „Le Point“. Das sei „sehr heftig“ gewesen. Doch seien die in der vergangenen Woche eingegangenen Drohungen konkret genug gewesen, um sie ernst zu nehmen.

Seit Anfang September läuft der Prozess gegen 14 mutmaßliche Helfer der beiden Attentäter, die im Januar 2015 bei einem Anschlag auf die Redaktionvon „Charlie Hebdo“ zwölf Menschen getötet hatten, darunter einige der bekanntesten Karikaturisten Frankreichs. Anlässlich des Prozessbeginns hatte die Satirezeitung erneut die Mohammed-Karikaturen gedruckt, durch die sie zur Zielscheibe von Islamisten geworden war. Daraufhin drohte Al-Kaida laut Experten mit einem erneuten Anschlag.

Überwältigender Hass

Marika Bret sprach von einem „überwältigenden Hass rund um ‚Charlie Hebdo’„. Dass sie ihr Zuhause nun in aller Hast verlassen musste, zeige, welchem „beispiellosen Druck“ die Mitarbeiter des Magazins ausgesetzt seien. In ihre alte Wohnung werde sie nicht mehr zurückkehren.

Diese Drohungen gingen „weit über Charlie hinaus“ und beträfen „alle Medien und sogar den Präsidenten der Republik“, erklärte der „Charlie Hebdo“-Redaktionsleiter Laurent Sourisseau. Der offene gemeinsame Brief vieler Medien sei eine „kollektive Antwort“ auf die Drohungen und ein Aufruf zur Verteidigung „der Meinungsfreiheit und der Freiheit aller französischen Bürger“, erklärte Sourisseau. Der Brief trägt den Titel: „Lasst uns gemeinsam die Freiheit verteidigen“. 

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