Fest gemauert statt aus Holz: Das neue Globe ersetzt die alte Konstruktion, die jetzt in Berlin steht, und soll ganzjährig bespielbar sein. Foto: Stadt

5,2 Millionen Euro sollte das neue Globe in Schwäbisch Hall kosten. Jetzt wird der Neubau auf 7,5 Millionen geschätzt. Der Gemeinderat reagiert verschnupft.

Schwäbisch Hall - Noch bevor die Bauarbeiter angerückt sind, ist klar, dass die Kalkulation für das neue Globe-Theater in Schwäbisch Hall nicht aufgeht. Der Gemeinderat hat den Neubau im vergangenen Jahr mit geschätzten Kosten von 5,2 Millionen Euro beschlossen. Eigentlich sollen im Februar die Bauarbeiten beginne, damit die neue Spielstätte zur Saison 2018 fertig wird. Doch schon vor dem Baustart rechnet die Stadtverwaltung damit, dass für das neue Theater mit 340 Plätzen 7,5 Millionen Euro fällig werden. Das ist eine Steigerung um 43 Prozent – fast die Hälfte. Der Gemeinderat reagierte in seiner jüngsten Sitzung verschnupft.

„Das ist Etikettenschwindel“, kritisierte Joachim Härtig von den Grünen. Er vermutete, die ursprüngliche Kalkulation sei „ein politischer Preis“ der Verwaltung gewesen, um die Zustimmung des Gemeinderates für das in Hall höchst umstrittene Projekt zu bekommen. Der Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim (SPD) bekam in der Sitzung denn auch kein Okay für die Mehrkosten. Die Stadträte wollen erst weitere Informationen darüber, wie das Plus zustande kommt und ob sich nicht doch noch etwas einsparen ließe. Die Entscheidung soll in einer Sondersitzung fallen. Das neue Globe soll die alte Holzkonstruktion ersetzen, die mittlerweile nach Berlin umgezogen ist. Der steinerne Neubau wird im Gegensatz zum alten Globe ganzjährig bespielbar sein.

Steigende Preise und Zusatzwünsche verteuern das Ganze

Pelgrim machte mehrere Ursachen für die Mehrkosten verantwortlich. So führe der Bauboom dazu, dass die Baufirmen höhere Preise verlangten. Die schwierigen Bodenverhältnisse verteuerten das Vorhaben zusätzlich. Schließlich wolle man die technische Ausstattung gegenüber dem ursprünglichen Konzept verbessern. So soll das Haus eine Verdunkelung bekommen, damit auch tagsüber Beleuchtungsproben stattfinden können. Auch ein Hubpodium und ein Flügel sind nun vorgesehen. Allein für die Technik fallen deshalb 700 000 Euro mehr an als ursprünglich geplant.

Sechs Millionen Euro sind schon finanziert: Vier Millionen steuert die Stadt bei, eine Million kommt vom Land, je eine halbe Million übernehmen Sponsoren und der Verein Freilichtspiele Schwäbisch Hall. Die fehlenden anderthalb Millionen Euro hätte dem ursprünglichen Beschlussvorschlag zufolge die Stadtkasse übernehmen sollen. In der Sitzung präsentierte Pelgrim aber noch einen anderen Vorschlag. Er sei zuversichtlich, weitere Sponsoren gewinnen zu können. Diese sollen sich mit einer halben Million an den Mehrkosten beteiligen. Die gleiche Summe soll der Verein selbst aufbringen. Der städtische Zusatzbeitrag reduzierte sich so auf 500 000 Euro.

Schwäbisch Hall rechnet mit Rekordsteuer

Dieser Zusatzbeitrag träfe keinen Armen – darauf wies auch der Oberbürgermeister hin. Schwäbisch Halls Kernhaushalt ist schuldenfrei. Und die Steuereinnahmen bewegten sich im vergangenen Jahr Pelgrim zufolge auf Rekordniveau. Nach 2001 habe die Stadt 2016 den höchsten Steuerstand aller Zeiten erreicht.

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