Alexander Gauland (l., AfD), diskutiert bei Anne Will mit Justizminister Heiko Maas. Foto: NDR/Wolfgang Borrs

Alexander Gaulands Gewetter gegen Nationalspieler Boateng hat ihm eine Einladung zur ARD-Talksendung „Anne Will“ eingebracht. Dort offenbart der AfD-Vize massive Probleme mit der Erinnerung und provoziert den Spott der Internetnutzer.

Stuttgart - Turek, Kwiatkowski, Posipal – so lauten also die urdeutsche Namen der Männer, die 1954 für Deutschland bei der Fußball-Weltmeisterschaft antraten. Das ist zumindest die Ansicht von Alexander Gauland, der allenfalls die WM-Elf von 1974 noch als letzte klassisch deutsche Truppe in Erinnerung hat. Mit Müller und Maier auf dem Feld, aber auch mit Nigbur und Grabowski.

Der AfD-Vize Gauland scheint so seine Probleme mit der Erinnerung zu haben. Das zumindest ist der Eindruck, den sein Auftritt in der ARD-Sendung „Anne Will“ hinterlässt. Für den einen oder anderen Twitternutzer stellte sich sogar die Frage, ob der Politiker überhaupt wusste, dass Deutschland eine Nationalmannschaft hat.

Dabei hatte der Abend für Gauland recht vielversprechend angefangen. Wieder einmal war es ihm geglückt, mit einem provokanten Zitat die politische Diskussion der Republik über Tage zu bestimmen. Mit einer einzigen Aussage hatte Gauland einen Sturm der Entrüstung ausgelöst, als er sagte: „Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.“ Daran angelehnt hieß Wills Sendung „Guter Nachbar, schlechter Nachbar – wie rassistisch ist Deutschland?“, aber im Grunde ging es um die zentrale Frage, wie rassistisch die AfD im allgemeinen und Alexander Gauland im Speziellen ist.

Genoss der AfD-Politiker anfangs sichtlich die Aufmerksamkeit und zeigte sich angriffslustig, musste er sich im Laufe der Sendung immer mehr auf eine Verteidigungsposition zurückziehen. Als er mit dem Boateng-Zitat konfrontiert wurde, warf er dem FAZ-Journalisten Eckart Lohsenvor, er habe ihn „reingelegt“, was dieser strikt von sich wies. Der Name Boateng sei ihm in den Mund gelegt worden, sagte Gauland. „Ich kannte den Fußballer gar nicht weiter. Ich wusste auch gar nicht, dass er farbig ist.“ Dass Boateng Christ und Deutscher ist, sei ihm ebenfalls nicht bekannt gewesen.

Allerdings mochten nicht alle dieser Interpretation der Sachlage folgen. Auf Twitter erntete Gauland dafür reichlich Spott.

Im weiteren Verlauf der Sendung bot Gauland noch weitere, sehr bedenkliche Wissens- oder Wahrhaftigkeitslücken, so dass viele Internet-Nutzer via Twitter ihr Mitleid für den Mann bekundeten und ihm allenfalls das Führen einer Dackelzucht zutrauen würden.

Etwas später rutschte Gauland immer weiter in eine Sprache à la Blut und Boden. Da ging es um den ungebremsten Zustrom „raum- und kulturfremder Menschen“ und Gauland zeigte sich demonstrativ empfänglich für einen Slogan der rechtsextremen NPD. Der AfD-Vize berief sich bei einer Rede im brandenburgischen Elsterwerda mehrmals zustimmend auf den Satz: „Heute sind wir tolerant und morgen fremd im eigenen Land.“ Diese Parole ist laut bayerischem Verfassungsschutz gleichlautend in der Vergangenheit von der NPD benutzt worden und gehört zu „typischen Redemustern der rechtsextremistischen Szene“.

Bundesjustizministerin Heiko Maas konterte bei „Anne Will“, der Satz stamme von einer Band, deren CD den Titel „Hitler lebt“ trage. „Natürlich ist das rechtsextremes Gedankengut.“ Gauland hielt dagegen, ihm sei ein Plakat mit dem Satz vor die Nase gehalten worden: „Ich kannte den Satz nicht, fand ihn aber sehr einleuchtend und sehr klug. Und habe ihn deswegen gebraucht.“ Die Band kenne er nicht. Spätestens jetzt war für den SPD-Politiker Maas klar: „Das ist die Masche der AfD: Stimmung zu machen mit solchen Aussagen und dann zu sagen, das war nicht so gemeint, oder der Kollege von der Presse hat es falsch aufgeschrieben. Nahezu peinlich, dass sie glauben, das werde ihnen abgenommen“.

Die Einschätzung von Maas über die „erkenntnisreiche Sendung“ war denn auch auf dessen Twitter-Account nachzulesen. Es habe sich gezeigt, dass die AfD schlicht die Tatsachen verdrehe und verfälsche.

Dieser Einschätzung konnten sehr viele der Internet-Nutzer im Laufe der Sendung zustimmen. Auch die Frage, ob die Einladung an Alexander Gauland richtig war, wurde dabei eindeutig beantwortet. Solche Auftritte würden zeigen, welchen „Unsinn“ die Vertreter der AfD von sich gäben.

Dieser Meinung waren allerdings nicht alle Twitter-Nutzer. Man müsse sich nicht über jeden Satz erregen, der von der AfD geäußert werde, lautete die Kritik. Nicht wenige ärgert auch die Aufmerksamkeit, die die rechtspopulistische Partei auf diese Weise bekomme.

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