Blick vom Schliffkopf: Adler, Wölfe und Elche sollen Touristen locken Foto: dpa

Ob der Nationalpark allein Touristen in den Schwarzwald lockt, bezweifeln viele. Deshalb sollen Erlebnisparks mit Wildtieren das Vorhaben ergänzen.

Stuttgart/Freudenstadt - Wer den Neujahrstag zu einem Spaziergang irgendwo an der Schwarzwaldhochstraße zwischen Baden-Baden und Freudenstadt nutzen sollte, um einen klaren Kopf nach einer langen Nacht zu bekommen, darf sich nicht wundern, dass er nichts vom Nationalpark Nordschwarzwald sieht. Zwar startet mit Jahresbeginn das grün-rote Prestigeprojekt, aber Besucher werden erst einmal nichts von dem 10 000 Hektar große Areal bemerken. Erst im Mai, so heißt es aus dem Haus des zuständigen Landwirtschaftsministers Alexander Bonde (Grüne), werde man das Projekt offiziell aus der Taufe heben.

An Ideen scheint es nach Monaten der Auseinandersetzungen zwischen Befürwortern und Gegnern aber nicht mehr zu fehlen. „Wir müssen das Projekt jetzt aktiv mitgestalten und dürfen es nicht mehr bekämpfen“, heißt es allenthalben aus mehreren Kommunen, die sich wie Baiersbronn (Kreis Freudenstadt) und Forbach (Kreis Rastatt) in Bürgerbefragungen unmissverständlich gegen den Nationalpark gestemmt hatten. Also werkeln sie nun über Konzepten und Werbebotschaften, wie man Gäste künftig in die Region locken kann. Gerade Grün-Rot hatte wiederholt betont, der Nationalpark biete eine große Chance für eine Wiederbelebung der Tourismusbranche.

Meinrad Schmiederer, Chef des Fünf-Sterne-Hotels Dollenberg oberhalb von Bad Peterstal-Griesbach, sieht das auch so. Schon vor Monaten hatte er seine Pläne für einen Tierpark innerhalb des Nationalparks vorgelegt. Das Naturschutzprojekt allein werde nicht reichen, um die touristisch schwächelnde Region wiederaufzurichten, lautete sein Argument. Also ließ er Pläne für ein 1500 Hektar großes Reservat ausarbeiten, das von der Alexanderschanze an der B 500 bis zum Glaswaldsee reichen soll. Bären und Wölfe, Adler und Auerwild, ja sogar Elche sollen sich frei in dem Wildtierreservat bewegen. So könnten Touristen einen Eindruck bekommen, welche Tiere im Schwarzwald einst zu Hause waren. Das Gebiet in einer Höhe von bis zu 1000 Metern würde von einem 38 Kilometer langen Zaun um­geben. Die Kosten dieser Einfriedung bezifferte der Hotelier auf etwa 3,8 Millionen Euro. Ein großzügiges Portalgebäude samt Ausstellung, Shop, Cafeteria und Ähnlichem würde weitere 1,9 Millionen Euro kosten. Hinzu kämen Wirtschaftsgebäude, Schaugehege und Parkplätze.

Noch grast kein Elch an der Schwarzwaldhochstraße, noch kreist kein Adler über den Schwarzwaldhöhen, da werden bereits die Weichen für das nächste Projekt gestellt. Oberhalb von Sasbachwalden (Ortenaukreis) soll mit Hilfe der Grundig-Stiftung (Baden-Baden) auf einem 40 Hektar großen Gelände ein weiterer Park entstehen. „Wir wollen mit der Anima-Tierwelt einen Beitrag leisten, Mensch und Natur einander wieder näherzubringen“, sagte eine Sprecherin des Projekts in Baden-Baden auf Anfrage unserer Zeitung. Die Idee stamme aus dem Jahr 2011, man habe im Elsass, in den Vogesen und auch auf der Schwäbischen Alb nach einem passenden Gelände gesucht – und wurde schließlich im Schwarzwald fündig. Für die Initiative stehe eine Anschubfinanzierung von rund 20 Millionen Euro bereit, die Wirtschaftspläne seien beschlossen. Wann die ersten Tiergehege gebaut und mit Leben erfüllt werden, sei aber noch offen.

Das Konzept freilich ist bereits fertig. In den Tiergärten sollen heimische Wildtierarten angesiedelt werden, auf einem Schaubauernhof will man regionale Haus- und Hoftiere unterbringen, dazu soll es reichlich Informatives zur Rückkehr von Wölfen, Luchsen und anderen Tieren in den Schwarzwald geben. Zentrum soll das 1888 erbaute, historische Sandsteingebäude Breitenbrunnen sein. Nach den Plänen von Maria Wruck und Davina Platz, den Leiterinnen von Anima-Tierwelt, soll das Haus als Bildungs- und Therapiezentrum fungieren, einen Seminarsaal samt Lehrküche erhalten, später soll ein Gasthof mit Übernachtungsmöglichkeiten für Schulklassen und Familien dazukommen.

Ob der Tierpark an der Schwarzwaldhochstraße, das Naturprojekt bei Sasbachwalden oder weitere Projekte dieser Art: Der Landesregierung dürften solche Initiativen recht sein. Ministerpräsident Winfried Kretsch­mann (Grüne) hatte wiederholt betont, das Projekt Nationalpark sei nicht nur für die Menschen, sondern vor allem für Tiere und Pflanzen von großer Bedeutung: „Der Nationalpark ist von unschätzbarem Wert für den Erhalt der biologischen Vielfalt. Geben wir der Natur ein kleines Stück zurück.“