Was macht eine Maskenmeister bei der Fasnet? Melanie Neumann vom Fellbacher FCC erzählt, was einen Fellbacher Weingeist ausmacht. Auch andere Narren im Kreis haben kreative Kostüme, bei denen es manches zu beachten gibt.
Sie ist ein Hingucker: Die Maske mit der dicken roten Nase, dazu der schelmische Blick – das Ganze in Form und Farbe eines Weinblatts. Sie ist das Erkennungszeichen der Fellbacher Weingeister. Der Bildhauer Peter Sonder aus Stuttgarter-Münster hat die Maske vor Jahren für den Fellbacher Carneval Club (FCC) entworfen und aus Lindenholz gefertigt. Die eine Gesichtshälfte stehe mit dem weit aufgerissenen Auge für die berauschende Seite des Weines. „Das andere Auge, verschmitzt zusammengekniffen, soll das Hintersinnige symbolisieren“, erklärte der Bildhauer damals. Nach seinem Tod hat der FCC die Rechte an der Maske erworben. Es sei gar nicht einfach gewesen, eine neue Holzbildhauerei zu finden, erzählt Melanie Neumann. Holzbildhauerei ist ein aussterbender Beruf. Neumann ist Maskenmeisterin beim FCC und kümmert sich darum, dass das Outfit für die Narren eine runde Sache ist. Mit der Holzbildhauerei Lang in Elzach im Schwarzwald habe man dann einen neuen Partner gefunden. „Ich habe die Werkstatt besucht“, erzählt Melanie Neumann. Dort werden neue Weingeister-Masken von Hand geschnitzt. In diesem Jahr wurden dort zwei neue Masken gefertigt, insgesamt sind rund 80 Weingeister-Masken im Besitz des Carneval Clubs.
Empfindliche Stellen bei der Weingeister-Maske sind Kinn und Ohren
Immer mal wieder könne an empfindlichen Stellen wie Kinn oder Ohren etwas abbrechen oder der Lack an der Nase abplatzen, für solche kleinere Reparaturen stehe Klaus Schmidt vom FCC bereit. Insgesamt soll ein Weingeist ein stimmiges Gesamtbild abgeben, sagt die Maskenmeisterin. Dazu gibt es sogar eine „Masken und Kleiderordnung“. So gehören zu einem Weingeist auch das Häs – also das Gewand – aus Weingeisterblättern, sowie Handschuhe und Schuhe in den passenden Farben, Strick, Rätsche und Weingeisterkorken. Damit alles seine Ordnung hat, ist jede Maske mit einer Nummer versehen. Maske, Korken und das sogenannte Laufbändel tragen die gleiche Nummer. Nur mit dem Bändel dürfe man beim Umzug bei befreundeten Gruppen mitlaufen, berichtet Melanie Neumann.
Der Nachtumzug in Murrhardt schlängelt sich am 10. Februar durch die Stadt
Apropos Umzug: Am Samstag, 10. Februar, schlängelt sich der Murreder Nachtumzug von 19.11 Uhr an wieder durch die Murrhardter Innenstadt. Dann sind auch die Masken der Narrenzunft Murreder Henderwäldler zu bewundern. Insgesamt gibt es drei Gruppen- und drei Einzelfiguren. Etwas Besonderes seien die „Narreneltern“, die in Tracht die Narrenzunft repräsentieren, sagt Diana Spreu vom Vorstand der Narrenzunft Murreder Henderwäldler.
Sie ist seit 18 Jahren in dem Verein dabei. Eine der wohl bekanntesten Einzelfiguren sei der Nachtkrabb. Der Vogel kam Menschen mit seinem langen roten Schnabel, dem nackten roten Kopf und schwarzem Gefieder oft unheimlich vor. Nachtkrabb ist der Name einer Kinderschreckfigur. Aus der alten Sagengestalt entwickelten die Henderwäldler die Narrenfigur.
Die Nachtkrabb-Figur fällt auf mit ihrer Holzmaske und dem langen Schnabel.
Die Geschichte vom Nachtkrabb wird in Murrhardt übrigens auch im lokalen Carl-Schweizer-Museum erzählt – im realen Leben heißt der Vogel Schopfibis. Er wurde hierzulande schon vor langem ausgerottet, zurzeit versucht man den Zugvogel mittels des Projekts Waldrapp wieder in Deutschland anzusiedeln.
Die Nachtkrabb-Figur der Narrenzunft fällt auf mit ihrer Holzmaske und dem langen Schnabel. Die Jacke ist mit schwarzen Blätzle besetzt, ebenso die unter den Armen angenähten flügelartigen Stoffbahnen. Drei verschiedene Personen schlüpfen abwechselnd in das Kostüm des Nachtkrabb erzählt Diana Spreu – diese müssten vor allem von der Größe her in das Kostüm passen. Diese Maske wie auch die des Hotz seien in einer Maskenschnitzerei in Österreich gefertigt worden. Wenn es daran etwas zu richten gibt, fahren Mitglieder der Narrenzunft die Masken persönlich dorthin. „Sie sind zu empfindlich“, sagt Diana Spreu.
Der Hotz soll ein Mischwesen aus Mensch Tier darstellen
Der Hotz nimmt Bezug auf die Hotzenklinge bei Murrhardt und stellt einen Waldgeist dar. Die Maske aus Zirbenholz soll ein Mischwesen aus Mensch Tier darstellen. Der Bart besteht aus Wildschweinborsten, seitlich hängen zwei Fuchsschwänze herab, und auf dem Kopf thront ein großes Geweih eines Rehbocks.
Und wie läuft es ab, wenn jemand neu zu den Weingeistern des FCC dazukommen möchte? Dafür gibt ein Probejahr, bei dem der Neueinsteiger oder die Neueinsteigerin von einem Paten begleitet wird. Nach der Anmeldung bekommt er ein Leih-Häs, man gehe mit ihm die Häs-Ordnung durch und er oder sie könne sich dann ein Jahr lang anschauen, ob die Weingeister etwas für ihn seien. „Fastnacht muss man lieben“, sagt Melanie Neumann. „Wir sehen uns also im März wieder“, erzählt Melanie Neumann über Freunde, die längst Bescheid wissen, dass sie in der Faschingszeit völlig ausgebucht ist. „Es ist eine kurze, aber sehr intensive Zeit“, sagt die 31-Jährige, die von Kindesbeinen an beim FCC dabei ist. Auch ihre Eltern Iris und Rainer Neumann sowie ihre Schwester Kim Lisa sind beim FCC. „Mir gefällt der Zusammenhalt auch über die Vereine hinweg“, sagt Melanie Neumann.
Die Maske der Waiblinger Salathengste wiegt rund ein Kilo
Auch die Maske der Waiblinger Salathengste besteht aus Lindenholz. „Wegen der Stabilität und wegen des Gewichts“, sagt die Zunftmeisterin Heike Haas. Dennoch wiege eine Maske rund ein Kilo. Was aber viel entscheidender beim Tragen der Maske sei, sei das eingeschränkte Gesichtsfeld. „Deshalb sollten auch möglichst keine Kinder vor uns beim Umzug herumspringen“, sagt sie. Ebenso bittet sie, nicht an der Maske zu ziehen. „Auch wenn das Salatblatt, das bei unsere Maske aus dem Mund hängt, dazu verleitet.“
Die Sage zu dem Salathengsten hätten die Vereinsgründer ausgedacht. Es habe Jahre gegeben, so heißt die Geschichte, da sei von Schorndorf im Remstal bis nach Waiblingen mehr Salat angebaut worden, als man essen konnte. Der Überschuss sei daher an Pferde verfüttert worden. So sei der Neckname „Salathengst“ für Leute aus dieser Region verbreitet. Der ursprüngliche Maskenschnitzer Volk aus dem Schwarzwald sei verstorben. Mit Frank Kühfuß habe man einen jungen Maskenschnitzer aus Frickenhausen im Landkreis Esslingen gefunden. Die erste Maske sei dort bereits für Zunftmeisterin Heike Haas gefertigt worden. Insgesamt zähle die Maskengruppe der Salathengste 31 Mitglieder, es gibt insgesamt 14 Masken. Wer sich für die Salathengste interessiere, könne gerne reinschnuppern – an einem Wochenende oder einem Anwärterjahr. „Es ist eine schöne Tradition“, sagt Haas, „und man steckt viel Liebe und Engagement hinein.“
Weitere Informationen zum Thema unter: www.waldrapp.eu; www.der-maskenschnitzer.de
Närrische Termine
Hier wird im Rems-Murr-Kreis Fasnet gefeiert – eine Auswahl an Terminen
3. Februar: Narrensprung mit Rathaussturm in Althütte, Beginn: 14.31 Uhr
10. Februar: Waiblinger Narrentage mit Umzug, Beginn: 14.30 UhrEbenso am 10. Februar schlängelt sich der Murreder Nachtumzug ab 19.11 Uhr bereits zum vierzehnten Mal durch die Murrhardter Innenstadt.