Der Nachwuchs auf dem Silo der Heilbronner Firma beweka konnte bereits beringt werden. Foto: Stadt Heilbronn

Die Licht- und Wassershow gehört zu den Attraktionen der Bundesgartenschau in Heilbronn. Doch stört sie die Brut streng geschützter Wanderfalken? Das hatten Vogelschützer befürchtet. Die Antwort gibt jetzt ein Blick ins Nest.

Heilbronn - Lichtshow und Lasereffekte haben dem Babyboom bei den Wanderfalken auf den Silotürmen des Futtermittelherstellers beweka dicht am Heilbronner Bundesgartenschaugelände (Buga) offenbar doch nichts anhaben können. Wie die Stadtverwaltung stolz mitteilt, seien im dort installierten Nistkasten drei Küken geschlüpft. Es handele sich um wohlgenährte Nestlinge. Bei einer Begehung habe Jörg Edelmann von der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz die beiden größeren Jungvögel bereits beringen können.

Behörde in der Kritik

„Wir freuen uns sehr“, sagte Wolf-Dieter Riexinger von der Unteren Naturschutzbehörde im Heilbronner Rathaus. Tatsächlich war sein Amt wegen der Wanderfalken heftig in die Kritik geraten. Dabei ging es um die Licht- und Wassershow, die auf dem Gelände der Buga abends in Szene gesetzt wird. Riexingers Behörde hatte kein Problem darin gesehen, auch die im Hintergrund gelegenen Silotürme, auf denen seit zwölf Jahren ein Nistkasten angebracht ist, in die Show einzubeziehen. Sogar die Installierung von 21 LED-Strahlern wurde erlaubt.

Bei Vogelschützern stieß dies auf völliges Unverständnis. Die Genehmigung sei nicht mit dem Bundesnaturschutzgesetz zu vereinbaren, das eine Störung von Wanderfalkenhorsten während der Brutzeit untersagt. Auch jetzt noch hält Jürgen Becht vom Arbeitskreis Wanderfalkenschutz an seiner Kritik fest. Die Buga und die Stadt hätten „billigend in Kauf genommen“, dass die Aufzucht scheitere. „Wir freuen uns, dass es gut ausgegangen ist“, sagte Becht. Aber wahrscheinlich habe man „einfach nur Glück gehabt“.

Brüten unter der Autobahnbrücke

Ein wenig eigenartig ist es aber schon. Denn obwohl der Nistkasten bereits seit zwölf Jahren auf dem beweka-Silo hängt und auch immer wieder Wanderfalken im Umfeld gesehen wurden, hatte es dort bisher nie Nachwuchs gegeben. Erst in diesem Jahr hat es geklappt. Fühlen sich die streng geschützten Vögel am Ende besonders wohl, wenn es flackert und eine bunte und mit Musik und Text untermalte Lichtshow auf sie gerichtet ist? Falkenexperten verweisen darauf, dass auch unterhalb einer Autobahnbrücke der A 81 zwischen Heilbronn und Würzburg seit Jahren ein Wanderfalkenpaar erfolgreich brüte. Dass zwei Meter über dem Horst 40-Tonner entlangdonnern, scheint sie nicht zu stören. In Heilbronn ist eine endgültige Beurteilung aber noch nicht möglich. Mit dem Ausfliegen der jungen Falken werde erst in vier Wochen gerechnet.

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