Die nächtliche Lasershow der Buga störe ein brütendes Wanderfalkenpaar nicht, sagt die Aufsichtsbehörde in Heilbronn. Foto: Buga

Entenküken, Nilgans, Wanderfalke: Die Bundesgartenschau in Heilbronn liegt mit Vogelfreunden im Clinch. Und das nicht erst seit gestern.

Heilbronn - Mit Blumen kennen sich die Macher der Bundesgartenschau in Heilbronn aus. Doch haben sie auch ausreichend Verständnis für die Bedürfnisse von Wildvögeln? Daran gibt es unter Vogelschützern mittlerweile immer stärkere Zweifel – und zwar nicht erst, seit im künstlich angelegten Floßhafen auf dem Buga-Gelände winzige Stockentenküken ertrunken sind, weil man den Einbau geeigneter Ausstiegshilfen vergessen hatte. Dies sei nicht der erste Vorfall gewesen, bei dem der Buga-Chef Hanspeter Faas ein eher taktisches Verhältnis zum Naturschutz an den Tag gelegt habe, sagt der Hobbyornithologe Christoph Armbruster. Der 66-jährige pensionierte Richter war lange Vizechef des Heilbronner Naturschutzbundes (Nabu).

Es begann im vergangenen Sommer. Damals hatten Nilgänse das noch nicht fertige Gartenschaugelände als geeigneten Lebensraum für sich entdeckt. Doch die Tiere machten Dreck. Die Buga-Gesellschaft entschied, das Problem auf radikale Weise zu lösen. Man besorgte sich eine Abschussgenehmigung und beauftragte zwei Jäger. Dass dann doch keine Schüsse fielen, hatte zwei Gründe. Am Einsatztag waren keine Nilgänse da. Und kurz darauf wurde der Auftrag zurückgezogen. Der Nabu und andere Vogelfreunde hatten massiv interveniert, zudem hatte die örtliche „Heilbronner Stimme“ berichtet. Die Buga, die sich in ihrer Selbstdarstellung zu einer Art Naturschutzveranstaltung stilisiert habe, habe offenbar „einen Imageschaden befürchtet“, glaubt Armbruster. „Der Fall hat gezeigt, dass wir lernfähig sind“, erklärt hingegen die Buga-Sprecherin Suse Bucher-Pinell.

Spot auf die Brut

Aber möglicherweise war man nicht lernfähig genug: denn es gibt neuen Ärger und der ist im Gegensatz zu dem Verlust von Stockentenküken und Nilgänsen auch in puncto Artenschutz relevant. Diesmal kam der Buga ein Wanderfalkenpaar in die Quere, das in einem Nistkasten auf einem der beiden Silotürme der Firma Beweka nistet. Der hochaufragende Zweckbau steht zwar knapp außerhalb des Buga-Geländes, doch er spielt eine Rolle in einer der großen Attraktionen der Buga. Bei der nächtlichen Wasserlasershow wird die Silofassade spektakulär von unten angeleuchtet. Zudem wurden auf dem Silo 21 LED-Strahler angebracht.

Das obere Drittel der Silofassade werde nicht angestrahlt, auch die LED leuchteten nach unten. Der Nistkasten unterliege also keiner direkten Lichteinwirkung, urteilte die untere Naturschutzbehörde im Heilbronner Rathaus und genehmigte die Einbeziehung der Türme in die Show. Die Tiere seien ein Stück weit auch wechselnde und selbst unvorhergesehene Ereignisse gewohnt. „Dies wird auch dadurch unterstrichen, dass die aktuelle Brut auf den Silotürmen trotz der verschiedensten Störereignisse während des Brutgeschäfts nicht aufgegeben wurde“, heißt es in einer Stellungnahme des Umweltamtes. So seien mehrfach Handwerker unter anderem zur Installation der LED auf den Silos gewesen. Bei den Experten der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz, die zu einem Vororttermin hinzugebeten worden waren, sorgte diese Argumentation für Unverständnis. Die Aufzählung der Störungen lasse schon erstaunen, erklärt der AG-Sprecher Jürgen Becht. „Soll an dem Brutplatz ein Feldversuch über die Toleranzschwelle brütender Wanderfalken stattfinden?“, fragt er. Bis die Vogelbabys flügge seien, müssten die Türme bei der Show außen vor bleiben.

Wann schlüpfen die Falkenbabys?

Mittlerweile ist auch das Stuttgarter Umweltministerium mit dem Fall befasst. „Wenn dort Vögel brüten, ist es nicht in Ordnung, dass da Handwerker herumlaufen“, sagt der Sprecher des Ministeriums, Ralf Heineken. Der Wanderfalke, der zur Jahrtausendwende schon fast ausgestorben war und sich seither langsam erhole, sei eine geschützte Art. „Das wissen auch die Heilbronner Kollegen.“ Deren Einschätzung müsse man aber wohl akzeptieren. „Das sind ja alles Fachleute.“

Daran zweifelt auch Christoph Armbruster nicht. Als ehemaliger ehrenamtlicher Naturschutzwart kennt und schätzt er die Behördenmitarbeiter. „Aber vielleicht gab es politischen Druck“, mutmaßt er. Christian Britzke, der Sprecher der Stadt, weist dies weit von sich. Bleibt die spannende Frage, was aus der Brut wird. Anfang April waren drei Eier im Nest. Geschlüpft ist aber noch nichts. „Wir werden in ein bis zwei Wochen schauen, ob Tiere da sind“, sagt Britzke.

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