An der Nachverdichtung am Ehrlichweg scheiden sich die Geister. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Der Bürgerverein Fasanenhof wirft dem Vorsitzenden des Mietervereins Rolf Gassmann „verbandspolitische Profilierung“ vor. Dieser hatte kritisiert, dass der Bau von 100 Mietwohnungen rund um den Ehrlichweg auf dem Fasanenhof offensichtlich zu scheitern drohe.

Fasanenhof - Für den Bürgerverein ist es eine Diskreditierung. „Mit großer Befremdung nehmen wir zur Kenntnis, dass sich der Mieterverein Stuttgart gegen die Berücksichtigung von Bürgerempfehlungen ausspricht“, schreibt Günther Joachimsthaler. Er ist der Vorsitzende des Bürgervereins Fasanenhof und nimmt Stellung zu einer Pressemitteilung des Mietervereins. Dieser hatte kritisiert, dass der Bau von 100 Mietwohnungen rund um den Ehrlichweg auf dem Fasanenhof offensichtlich zu scheitern drohe.

Zu wenige Wohnungen in Stuttgart

„Angesichts des sich jährlich vergrößernden Wohnungsmangels kann nur mehr Neubau der Not vieler Wohnungssuchender abhelfen“, argumentierte Rolf Gaßmann, der Vorsitzende des Mietervereins, in der Pressemitteilung und ergänzte: „Mit großer Sorge betrachtet der Mieterverein, dass immer wieder dringend notwendige Neubauvorhaben an lokalen Widerständen und manchen populistischen Kommunalpolitikern scheitern.“ Es sei heute leider schon Normalität, dass die Wohnungsbesitzenden sich gegen eine Neubebauung in ihrem Umfeld zur Wehr setzen und in der Regel dafür ökologische Gründe anführen. „Um so wichtiger ist es, dass die Mitglieder des Gemeinderats im Sinne des Gemeinwohls an den beschlossenen Wohnbauflächen festhalten und sie auch gegenüber den betroffenen Bürgern vertreten“, forderte der Mieterverein.

Der Bürgerverein setzt dem entgegen, dass Bürgerbeteiligungen und Bürgerempfehlungen gute demokratische Praxis seien. „Deren Berücksichtigung in politischen Entscheidungsprozessen ist mit Sicherheit nicht gegen das Gemeinwohl gerichtet“, schreibt der Bürgerverein. Er wirft dem Mieterverein vor, dass dieser dazu rate, „die Bürgerempfehlung der Fasanenhofer zu ignorieren“.

Bürgerverein fordert Gesamtkonzept

Der Bürgerverein spricht von einer „von Seiten der Fasanenhofer sehr differenziert“ geführten Bürgerbeteiligung. Während des Prozesses hätten sich Mieter, Genossen und Wohnungseigentümer gegen die Nachverdichtungspläne rund um den Ehrlichweg ausgesprochen. Zugleich habe man aber deutlich gemacht, dass man nicht grundsätzlich gegen städtebauliche Maßnahmen auf dem Fasanenhof sei. Dies sei auch das Ergebnis der Mieterbefragung gewesen. Solche städtebaulichen Maßnahmen sollen aber Teil eines umfassenden Konzepts für eine angemessene Weiterentwicklung des Fasanenhofs sein, heißt es in der Stellungnahme des Bürgervereins. So steht es auch in der Bürgerempfehlung.

Genossenschaften wollen aussteigen

„Wer die Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen auf städtebauliche Maßnahmen reduziert, wird der Sache schlicht nicht gerecht und verfolgt Partikularinteressen“, so der Bürgervereinsvorsitzende. Er ergänzt: „Die Nachverdichtung im Fasanenhof eignet sich nicht für verbandspolitische Profilierungen.“

Wie mehrfach berichtet, planen fünf Baugenossenschaften, die am Ehrlichweg Grundstücke haben, dort eine Nachverdichtung. Die Bürger sind dagegen, das ist das eindeutige Ergebnis der von der Stadt anberaumten Bürgerbeteiligung. Die Verwaltung hat die Pläne daraufhin abgespeckt. Dem Vernehmen nach wollen nun zwei der beteiligten Genossenschaften aus dem Projekt aussteigen, weil es sich wirtschaftlich nicht mehr rentiert.

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