Die Verwaltungsspitze reagiert auf die Unterschriftensammlung einer Bürgerinitiative gegen die Nachverdichtung im Fasanenhof. Diese ist mit der Antwort ganz und gar nicht zufrieden.
Das Ringen um die verschiedenen Nachverdichtungsprojekte im Fasanenhof nimmt kein Ende. Eine Bürgerinitiative hatte Ende August den Besuch des Oberbürgermeisters Frank Nopper (CDU) im Stadtteil genutzt, um 516 Unterschriften zu übergeben. Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner wollen verhindern, dass im Gebiet Eichwiesen nahe dem SV Fasanenhof ein neues Quartier entsteht und sehen auch die geplante Neubebauung auf dem Grundstück der katholischen Kirche St. Ulrich am Delpweg kritisch. Nun liegt die Antwort der Verwaltungsspitze vor.
„Ihr Engagement für den Stadtteil mit Blick auf die Belange der Menschen vor Ort, wie Parkierungsfragen, klimatische Aspekte, Sorge um Flora und Fauna, ist lobenswert“, heißt es in dem von Bürgermeister Peter Pätzold (Grüne) unterzeichneten Schreiben. Die Stadt nehme die Bedenken ernst, darum sei schon vor Jahren eine städtebauliche Gesamtbetrachtung zur Weiterentwicklung des Stadtteil Fasanenhofs in Angriff genommen worden. Zudem gebe es seit dem Jahr 2021 ein Begleitgremium, in dem neben der Bezirksvorsteherin beziehungsweise deren Stellvertreterin auch zwei Bürgervertreter, darunter ein Mitglied des Bürgervereins Fasanenhof, vertreten seien.
Stuttgart verfolgt den Grundsatz Innen- vor Außenentwicklung
Pätzold weist daraufhin, dass die Vorhaben im Fasanenhof dem Stuttgarter Grundsatz „Innen- vor Außenentwicklung“ entsprechen würden. Fragestellungen hinsichtlich Verkehrsaufkommen, baulicher Dichte und Frischluftproduktion würden schon im Vorfeld des Verfahrens näher betrachtet werden. Der Bürgermeister verweist auf den dringend benötigten Wohnraum, auch Bewohner des Fasanenhofs würden entsprechende Wünsche an die Stadtverwaltung herantragen, zum Beispiel, wenn sie eine Familie gründen wollen. Darüber hinaus seien mit der Neuentwicklung der Quartiere viele weitere Aspekte verbunden, die dem Fasanenhof insgesamt zugute kommen würden, wie zum Beispiel Spielplätze, Kitas sowie Pflege- und Betreuungsplätze.
Bürgerinitiative reagiert auf das Schreiben des Bürgermeisters
Angelika Lehrer, die zusammen mit Matthias Gaebler die Unterschriftensammlung initiiert hatte, ist mit dieser Antwort ganz und gar nicht einverstanden. „Ihr Antwortschreiben weckt Zweifel in mir, ob Sie die Gegebenheiten auf dem Fasanenhof wirklich kennen“, hat sie an Bürgermeister Pätzold geschrieben. Die Bebauungspläne seien nicht dazu geeignet, die Infrastruktur für die Menschen im Stadtteil zu verbessern. Vielmehr würden wieder zig Parkplätze wegfallen und damit zu neuen Konkurrenzsituationen führen.
„Auch inwiefern die Bebauung und Versiegelung fast aller unserer Grünflächen zu mehr Spiel- und Bewegungsflächen führen sollen, ist mir ein Rätsel“, schreibt Angelika Lehrer. Zudem habe sie den Eindruck, dass „unsere Klima- und Lärmbedenken von der Stadtverwaltung nur am Rande wahrgenommen werden, obwohl auch wir Stuttgarter sind und der Gemeinderat von einer grünen Mehrheit geführt wird“.
Zudem erinnert Angelika Lehrer daran, dass „bei allem Wohnraumbedarf der Fasanenhof sein Nachverdichtungssoll bereits mehr als erfüllt hat“. Allein mit dem Bau des neuen Europaplatzes sei die Bevölkerung um zehn Prozent gewachsen. „Würde man überall in Stuttgart so vorgehen, könnte jeglicher Bedarf gedeckt werden“, so ihr Fazit.