Der Widerstand gegen die im Fasanenhof geplanten neuen Wohnquartiere ist groß. Dabei geht es vor allem um ein Frischluftentstehungsgebiet.
Das Interesse am Besuch des Stuttgarter Oberbürgermeisters Frank Nopper im Fasanenhof ist groß gewesen. Um die 50 Bürgerinnen und Bürger sind am Montagmorgen auf den Europaplatz gekommen. Kein Wunder, denn im Stadtteil stehen mehrere große Projekte an – und dagegen regt sich seit Jahren Widerstand. Kulminationspunkt ist aktuell das geplante neue Quartier in der Nähe des Sportvereins in den Eichwiesen. Das dortige Gelände gehört größtenteils der Dibag AG, vorgesehen sind 200 bis 250 Wohnungen, ein Pflegeheim und zwei Kitas.
Eine Bürgerinitiative hat 516 Unterschriften gegen dieses Projekt gesammelt und am Montag die Gelegenheit genutzt, um diese persönlich dem OB zu übergeben. „Wir sind viele“, betonte Angelika Lehrer bei dem Termin. Zusammen mit Matthias Gaebler hatte sie die Aktion im Januar gestartet. Der Protest verteile sich über den gesamten Fasanenhof. Viele Altersgruppen, Nationalitäten und Bevölkerungsschichten würden ihre Wohn- und Lebensqualität durch die Bebauungspläne bedroht sehen.
Die Initiative will ernst genommen werden
„Menschen, die alleine nie aktiv geworden wären, aus Angst in der Politik nicht gehört zu werden, haben sich aus der Deckung gewagt und sich getraut, unsere privat organisierte Protestaktion offen zu unterstützen“, sagte Angelika Lehrer und fügte hinzu: „Wir wünschen uns daher, dass dieser Mut zu bürgerschaftlichem Engagement entsprechend gewürdigt wird und all unsere Argumente gegen die Nachverdichtungen, die sich im Übrigen auch mit Bedenken des Umweltamtes überschneiden, in den weiteren Diskussionen ernsthafter als bisher mitbetrachtet werden.“ Dabei geht es vor allem darum, dass die Eichwiesen ein Frischluftentstehungsgebiet sind. Zudem kritisiert die Bürgerinitiative, dass ein neues Quartier mehr Verkehr und mehr Lärm mit sich bringe. Darüber hinaus sei die Infrastruktur, zum Beispiel mit Blick auf die Ärzteversorgung schon jetzt mangelhaft.
Frank Nopper betonte: „Wir nehmen diese Bedenken ernst.“ Allerdings sei es die Aufgabe von Stadtverwaltung und Gemeinderat, einen „fairen Ausgleich“ zu finden zwischen den im Fasanenhof wohnenden Bürgerinnen und Bürgern und denjenigen, die dringend eine Wohnung suchen. „Wir haben einen Wohnungsmangel“, sagte der OB, dem müsse die Stadt begegnen.
„Wir sind nicht gegen Nachverdichtung“, stellte Matthias Gaebler klar. Doch im Fasanenhof seien bereits mit dem Europaplatz um die 300 neue Wohnungen entstanden. Damit sei die Einwohnerzahl um zehn Prozent gestiegen. „Wenn in den anderen Stuttgarter Stadtteilen im gleichen Maße nachverdichtet werden würde, hätten wir bereits einen Überschuss an Wohnen“, konstatierte Gaebler. Dem hatte der OB nichts entgegenzusetzen, außer: „In den Stadtteilen sind die Ausgangsbedingungen für den Bau neuer Wohnungen unterschiedlich.“
Im Fasanenhof stehen weitere Projekte an
Der Widerstand der Bürgerinitiative richtete sich ursprünglich auch gegen die rund um den Ehrlichweg geplante Nachverdichtung. Große Teile des Vorhabens scheitern nun aber vorerst daran, dass aus verschiedenen Gründen kein städtebaulicher Vertrag zwischen der Stadt Stuttgart und den Baugenossenschaften zustande kam. Nun möchte die Stadt das Verfahren für ihren Teil des Grundstücks vorantreiben. Die städtische Fläche umfasst das heutige Flüchtlingsheim, das DRK-Heim und den Janusz-Korzcak-Weg. Geplant sind eine große Kita, neue Räume für das DRK und eine Aufwertung des Straßenraums. Außerdem schlägt die Verwaltung auf dem Gelände der heutigen Flüchtlingsunterkunft mittelfristig sozialen Wohnungsbau vor. Der Bezirksbeirat stimmte der Teilung des Bebauungsplanverfahrens jüngst zu. Und auch die Bürgerinitiative Fasanenhof kann mit diesem Teil des Projekts gut leben.
Das Gleiche gilt für das Vorhaben der katholischen Kirchengemeinde St. Ulrich. Sie will den Großteil ihres Grundstücks am Delpweg an das Siedlungswerk verkaufen, das dort den Bau von 70 neuen Miet- und Eigentumswohnungen plant.