Foto:  

Der Politologe Alexander Hensel hat am Göttinger Institut für Demokratieforschung den Wahlkampf der AfD untersucht. Er glaubt, der Erfolg der Rechtspopulisten könne durch den im Landkreis stark verwurzelten Pietismus begünstigt worden sein.

Rems-Murr-Kreis - Am Göttinger Institut für Demokratieforschung hat der Politikwissenschaftler Alexander Hensel (33), den AfD-Wahlkampf untersucht. Er hat Anhaltspunkte dafür gefunden, warum die Rechtspopulisten gerade im Rems-Murr-Kreis so viele Stimmen bekommen haben.
Wie lässt sich der Erfolg der AfD in Baden-Württemberg erklären?
Der Ausgang der jüngsten Landtagswahlen im Südwesten ist erstaunlich. Neben dem historischen Wahlerfolg der Grünen gilt dies vor allem für die AfD, die in Baden-Württemberg mit 15,1 Prozent das zweithöchste Landtagswahlergebnis in ihrer Parteigeschichte eingefahren hat. Ihre Wähler kamen dabei vor allem aus dem Lager der enttäuschten Nichtwähler. Viele Stimmen hat die AfD aber auch von CDU, SPD und Kleinstparteien eingesammelt.
Dies erinnert an die Wahlerfolge der Republikaner in den 1990er Jahren. Gibt es hier Gemeinsamkeiten mit der AfD?
Wie die Republikaner damals hat die AfD als rechtspopulistische Alternative von der Unzufriedenheit vieler Bürger mit der Asylpolitik der Bundesregierung profitiert. Auch ähneln sich die regionalen Wählerhochburgen. Die der Republikaner lagen damals vor allem im Nordschwarzwald und im nordwürttembergischen Kernland rund um Stuttgart, also vielfach in Gegenden, die hart vom wirtschaftlichen Strukturwandel betroffen waren. Hier zeichnen sich auch heute überdurchschnittlich hohe AfD-Ergebnisse ab, etwa in Calw, im Enzkreis und vor allem in Pforzheim, wo die AfD eines der beiden Direktmandate holen konnte.
Welche Erklärung gibt es für den großen AfD-Erfolg im Wahlkreis Backnang?
Hier haben die SPD und CDU hohe Verluste hinnehmen müssen. In Spiegelberg hat letztere gegenüber 2011 ganze 16,2 Prozent verloren. Auch die Linke und Kleinstparteien wie NPD oder die Republikaner haben im Wahlkreis überdurchschnittlich verloren. Diese Wähler werden in großen Teilen zur AfD gewechselt sein. Zudem könnte auch die Regionalkultur eine Rolle gespielt haben, die Region Backnang ist eine Hochburg des protestantischen Pietismus, der dort historisch tief verwurzelt ist. Die durch eine rigorose Bibel-Auslegung begründeten rigiden Moralvorstellung überschneiden sich durchaus mit gesellschaftspolitischen Forderungen der AfD.
Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: