Hilfe beim Gassigehen: Auch das kann man über nebenan.de suchen. Foto: Achim Zweygarth

Mit der Nachbarschaftsplattform nebanan.de soll das Miteinander im Viertel verbessert und der anonymität entgegen gewirkt werden.

S-Nord - Eine Sackkarre ist ein Gerät, das man nicht sehr oft braucht im Leben. Vielleicht nur ein einziges Mal. „Soll man dann in den Baumarkt fahren und so ein Ding kaufen, das hinterher ohne weiteren Nutzen im Keller steht?“, fragt Bezirksvorsteherin Sabine Mezger. Es ist eine rhetorische Frage, zu einer direkt aus dem Leben gegriffenen Sache: „In meiner Nachbarschaft im Norden hat kürzlich jemand eine Sackkarre zum Ausleihen für ein Wochenende gesucht und über eine Internet- Plattform dann auch gefunden.“ Die Plattform: Das ist „nebenan.de“, und sie ist für Mezger „eine Teillösung“ für ein Problem, das sie schon länger umtreibt: „Wir leben in der Großstadt unter vielen Menschen. Wenn aber jemand im Haus nebenan Hilfe braucht, bekommt man das nicht so leicht mit. Woher soll man zum Beispiel wissen, dass jemand gegenüber eine Sackkarre braucht? Und wie kann derjenige erfahren, dass ihm jemand in der Nachbarschaft eine ausleihen kann?“

In der Sache mit der Sackkarre sieht die Bezirksvorsteherin auch eine Möglichkeit, gegen die Anonymität des Großstadtlebens anzugehen. „Das ganze ist kostenlos, die Daten sind geschützt, man muss nicht reagieren und kann sich jederzeit auch wieder verabschieden“, sagt Mezger zu dem Angebot, das von einem jungen Berliner Start up ins Werk gesetzt wurde. Sie selbst ist in ihrem Stadtbezirk in Gruppen für Katzen und Hunde: „Ich wurde auch schon als Katzen-Mama angefragt“, sagt sie. Ihr gefällt auch die Gruppe „Spieleabende“: „Statt allein am Computer zu spielen, trifft man sich, und wenn es nur für ,Mensch ärgere dich nicht‘ ist“, sagt die leidenschaftliche Rommé-Spielerin.

Angebot soll auch dem Bezirkbeirat vorgestellt werden

Netzwerke anzuregen, darin sieht sie auch eine politische Aufgabe: „Dabei geht es um die Qualität unseres Zusammenlebens, um angenehme Nachbarschaft. Den Zuschnitt kann man ja selbst bestimmen. Von der Hausgemeinschaft bis zum Quartier oder darüber hinaus. Es ist doch gut, wenn jemand am Nordbahnhof erfährt, wenn jemandem am Killesberg etwas fehlt, was er bieten kann!“, betont die ehrenamtliche Bezirksvorsteherin, die das Angebot auch im Bezirksbeirat vorstellen will. Als weitere Beispiele führt sie an, wie auf diesem Wege ein verschwundener Kater wiedergefunden, wie ein „Regal, das sonst auf den Sperrmüll gekommen wäre“, ebenso einen neuen Besitzer bekommen hat wie Kinderkleidung: „Und kürzlich hat jemand, der neu in die Straße gezogen ist, per nebenan.de seinen Nachbarn Hallo gesagt“, so Mezger.

Bewusst ist ihr aber auch, „dass ältere Menschen, die nicht digital vernetzt sind, in dieser Sache hinten runterfallen“, weshalb sie erklärt: „Eine solche Plattform bietet Chancen, sie kann aber nicht alles lösen.“ Gleichwohl ist sie überzeugt, dass schon der Name der Nachbarschaftsplattform „das Bewusstsein und die Aufmerksamkeit für den sozialen Nahbereich schärfen kann“: „Wir müssen ja nicht die ganze Welt retten. Nebenan wohnen auch Menschen, und dafür sollten wir ein Sensorium haben“, sagt Mezger und fügt hinzu: „Es geht nicht um den großen Event, sondern um Dinge, die den Alltag erleichtern und bereichern. Um Dinge, die nützlich sind und den Menschen, denen sie zugute kommen, ein Lächeln aufs Gesicht zaubern.“ Zum Beispiel, wenn sie unverhofft an eine Sackkarre kommen. Oder wenn sie eine verleihen können.

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