Egal, ob Harmonie entsteht, oder eher Missklang: Für die Flüchtlingskinder ist die Elektroorgel des Helfers Frank Brundelius eine Attraktion. Foto: /Götz Schultheiss

Die Kontakte von Flüchtlingen zu ihren Nachbarn am Ehrlichweg haben sich verbessert. Das bestätigen ehrenamtliche Helfer. Der Mord im Fasanenhof vom 31. Juli wirft aufs Nachbarschaftsfest keinen Schatten.

Fasanenhof - Fröhlicher Kinderlärm am Freitagabend im Flüchtlingsheim am Ehrlichweg signalisiert: Hier wird munter gespielt. bei herrlichem Spätsommersonnenschein sitzen beim zweiten Nachbarschaftsfest Flüchtlinge und Besucher in froher Runde beisammen. Man sitzt in kleinen Gruppen verstreut auf Sitzgruppen aus Sitzbänken und Tischen. Sie sind jüngst von zehn Mitarbeitern der im Großraum Stuttgart gelegenen Firma Omron ehrenamtlich aus Paletten gebastelt worden, eine Spende der Firma, damit die Bewohner den Sommer im Freien besser genießen können. „Das ist ein tolles Beispiel dafür, was das Ehrenamt alles leisten kann“, sagt Peter Teschke, der Sprecher des Freundeskreises Integration, bei dem zurzeit etwa 20 Ehrenamtliche mitarbeiten, um die Heimbewohner beim Deutschlernen, bei Schulaufgaben oder bei der Ausbildung zu unterstützen.

Vorurteile baut man durch Begegnung ab

Die Atmosphäre im Wohnheim, in dem zurzeit 188 Menschen, davon 113 Erwachsene und 75 Kinder leben, sei „weitgehend gut“, auch das Verhältnis Heimbewohner aus 18 Nationen zur Nachbarschaft sei entspannt: „Wir können uns nicht beklagen, auch nach dem Mord ist es hier ruhig geblieben. Wir sind ein ruhiger Stadtteil, in dem alle integriert werden“, sagt Peter Teschke. Nach der Bluttat am 31. Juli, bei der ein 36-Jähriger mit einem Samuraischwert massakriert wurde, habe er sich erkundigt, ob der Täter einmal in einem Stuttgarter Flüchtlingsheim gewohnt habe. „Dies war Gott sei Dank nicht der Fall“, sagt er, und man hört heraus, dass ihm deshalb immer noch ein Stein vom Herzen fällt. „Wir tun alles, damit im Fasanenhof kein Fremdenhass aufkommt, sagt Teschke.

Dabei sei den Ehrenamtlichen im Freundeskreis bewusst, dass man Vorurteile am besten abbauen könne, wenn Flüchtlinge und ihre Nachbarn miteinander ins Gespräch kämen. „Wir haben seit April immer ein Sonntagscafé mit den Nachbarn. Wir treffen uns nicht in der Flüchtlingsunterkunft, sondern im nahe gelegenen Wohncafé“, sagt Peter Teschke. Das Café werde inzwischen „recht gut“ angenommen, allerdings ziehe es bei Sonnenschein die Menschen eher ins Freie. „Im Winter kommen dann wieder mehr Besucher.“ Immerhin, sagt er, sei es dem Freundeskreis gelungen, durch das Sonntagscafé neue Helfer zu bekommen. Helfer, sagt Teschke, könne der Freundeskreis ebenso wie Geldspenden gebrauchen.

Mit Wlan wird der Kontakt in die frühere Heimat leichter

Auch Yvonne Ebner von der Stadtteilarbeit der Caritas, die ehrenamtliches Engagement im Heim koordiniert, hat einen guten Eindruck von der Situation im Heim: „Die Kontakte, die durch die Ehrenamtlichen entstanden sind, verbessert. Dennoch gibt es noch Verbesserungsbedarf. Theresia Saier, die sich für die städtische Aktion Sport im Freien engagiert, die direkt auf einer wiese neben dem Heim stattfindet, ist gekommen, um die Flüchtlinge zum Mitmachen zu bewegen. Der Trainer, ein Brasilianer, der auch die brasilianische Kampfkunst Caporeia unterrichte, biete Funktionstraining an. „Die Kinder vom Heim kommen ab und zu mit ihren Fahrrädern, machen eine Weile mit und gehen dann wieder.“ Die Bluttat vom 31. Juli, sagt sie, „hat die Atmosphäre nicht verdüstert“.

Während die Erwachsenen mit ihren Gästen ins Gespräch vertieft sind, helfen Flüchtlingskindern aus Syrien den Mitarbeitern des Freundeskreises beim Waffelbacken und eine größere Kindergruppe umringt Frank Brudelius. Der ehrenamtliche Helfer hat den Gegenstand des Begehrens mitgebracht, der schon im vergangenen Jahr die Attraktion für Kinder war: seine Elektroorgel. Mit Mühe und Geduld gelingt es im Ordnung ins Gewühl zu bringen. „Die Kinder sollen auch Musikinstrumente kennenlernen“, sagt er.

Auch für die Erwachsenen hat er Freundeskreis eine Attraktion parat. „Wir haben jetzt Wlan installiert und wollen es demnächst mit einer Wlan-Party einweihen“, sagt Peter Teschke. Damit bekommen die Heimbewohner die Möglichkeit, kostenlos mit Freunden und Angehörigen in der Heimat zu kommunizieren. „Die Erfahrungen aus anderen Wohnheimen zeigt aber, dass wir den Zugang reglementieren müssen, damit die Nachtruhe eingehalten wird“, sagt er.

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