Bordelle mit Sexpuppen – hier in Paris – erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Foto: AFP

Der Betreiber gibt im Streit mit der Stadt nach und zieht sich zurück. Damit vermeiden beide Seiten einen langwierigen Rechtsstreit. Unklar bleibt, welche Pläne der Betreiber für danach hat.

Freiberg/Neckar - Die Nachricht kam ebenso schnell wie überraschend: der Betreiber des Sexpuppen-Bordells „Charisma“ in Freiberg gibt im Streit mit der Stadt nach und schließt seinen Laden Ende Oktober. Das vermeldet die Stadt in einer Pressemitteilung, die am Dienstagmorgen verschickt wurde. Die Firma „Charisma“ beende ihr Gewerbe und verlasse die Einrichtung im Gewerbegebiet Ludwigsburger Straße Ost zum 31. Oktober, heißt es darin. Bei einem gemeinsam vereinbarten Vor-Ort-Gespräch am Montag habe der Betreiber den Vertretern der Stadt seine Absicht kundgetan. Diese Aussage sei dann noch einmal von dessen Rechtsanwalt schriftlich bestätigt worden.

Der Rückzug ist insofern überraschend, als der Betreiber Ende der vergangenen Woche noch die juristische Auseinandersetzung suchte: Über einen Anwalt ließ er dem Freiberger Ordnungsamt mitteilen, dass er deren Auffassung nicht teile, dass sein Etablissement eine Vergnügungsstätte sei. Es würden lediglich Sexpuppen vermietet und verkauft. Der Ordnungsamtsleiter Peter Müller ging jedoch davon aus, dass Kunden auch vor Ort Sex mit den Puppen haben können – so wurde es bis vor Kurzem auch in einem Sexforum im Internet beworben. Das hätte bedeutet, dass es sich bei der Einrichtung um eine Vergnügungsstätte gehandelt hätte, die in diesem Gewerbegebiet unzulässig ist.

Der Stadt bleibt ein Rechtsstreit erspart

Der Stadt bleibt nun ein längerer Rechtsstreit erspart. Müller war von der schnellen Entscheidung des Betreibers überrascht. Beim Vor-Ort-Termin am Montag seien der Betreiber und der Rechtsanwalt aber „sehr schnell konstruktiv geworden“, sagt er. Müller hat den Eindruck, dass die beiden sich dieses Vorgehen schon im Vorfeld überlegt hatten. Unabhängig davon wäre er aber wohl bei seiner Meinung geblieben, dass es sich bei „Charisma“ um eine Vergnügungsstätte handelt. Insofern hätte dem Betreiber in den kommenden Tagen eine Nutzungsuntersagung durch die Stadt gedroht.

Warum der Betreiber sich nun so kurzfristig zum Rückzug entschlossen hat, begründete er gegenüber der Stadt nicht. Für eine Stellungnahme war er am Dienstag nicht zu erreichen. Unklar bleibt auch, ob der Betreiber nun woanders sein Glück versuchen wird. Dass er vorhabe, seine Sexpuppen weiterhin in Freiberg anzubieten, habe er jedenfalls nicht angekündigt, sagt Müller.

Der Bürgermeister ist froh, dass „wieder Ruhe ist“

Auch Freibergs Bürgermeister Dirk Schaible ist nun „froh, dass wieder Ruhe ist“. Er möchte die Einrichtung nicht auf der moralischen Ebene kommentieren, sondern „nüchtern von der rechtlichen Seite“. Diese Art der Nutzung sei dort ebenso nicht erlaubt gewesen wie beispielsweise eine Spielhalle oder eine Diskothek. Mit dem absehbaren Ende von „Charisma“ sei nun auch das dort ansässige Gewerbe wieder geschützt vor einem „Trading-Down-Effekt“, also einem Imageverfall sowie einer Verwahrlosung des Gebiets.

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