Ist der Laden in Freiberg ein Bordell mit Sexpuppen wie das in Paris? Das muss nun die Stadt klären. Foto: AFP, factum/Bach

Die Frist für den Betreiber eines Sexpuppen-Bordells in Freiberg ist abgelaufen. Er erklärt gegenüber der Stadt: Sein Etablissement ist keine Vergnügungsstätte. Nun ist die Frage, ob ihm die Stadt das glaubt.

Freiberg/Neckar - Die Frist für den Betreiber des Sexpuppen-Bordells in Freiberg am Neckar ist abgelaufen. Zwei Wochen hatte er Zeit gehabt, der Stadt zu erklären, was er da eigentlich in einem Gewerbegebiet anbietet. Für den Ordnungsamtsleiter Peter Müller schien die Sache klar zu sein: „Aus unserer Sicht handelt es sich hier um eine Vergnügungsstätte, was an diesem Ort unzulässig wäre.“ Es drohte das Verbot des Etablissements.

Nun hat der Betreiber reagiert: Am vergangenen Donnerstag erreichte die Stadt ein Schreiben eines Anwalts. Darin die Erklärung des Betreibers: Sein Laden sei keine Vergnügungsstätte, es fänden darin, wie angemeldet, lediglich der Vertrieb und die Vermietung von Sexpuppen statt. Im rechtlichen Sinne könnte diese Erklärung die Schließung verhindern, denn solange Kunden nicht vor Ort ihr „Vergnügen“ finden, ist es keine Vergnügungsstätte, sondern ein einfaches Gewerbe.

Es bestehen Zweifel an der Erklärung des Betreibers

Es sind jedoch Zweifel angebracht, ob das tatsächlich der Fall ist. Denn bis vor kurzem warb der Betreiber noch auf einer Sexplattform im Internet mit einer „neuen Generation von Sex“ und Sexpuppen, die „immer extrem willig und absolut unkompliziert“ seien. Mittlerweile ist der Text im Forum nüchterner gehalten: Man könne diskret einen Termin vereinbaren und „unsere Artikel in Ruhe vor Ort begutachten“. Nach jeder „Begutachtung des Kunden“ würden die Sexdolls gereinigt und desinfiziert. Und um auch den letzten Eindruck zu zerstreuen, dass es sich dabei um ein Puppen-Bordell handeln könnte, steht ganz unten noch der Hinweis: „Vertrieb/Vermietung von Erotikartikeln“.

Der Betreiber selbst möchte sich immer noch nicht gegenüber der Presse äußern. Offener zu Journalisten war er nur gegenüber dem Stuttgarter Stadtmagazin „Lift“. Dort hat er erklärt, wie er die Idee zu seinem Etablissement hatte. Das Dortmunder Etablissement „Bordoll“ sei sein Vorbild gewesen. Er selbst habe vorher auch schon ein klassisches Bordell im Stuttgarter Süden betrieben und wisse daher, was Männer wollten. Nachschub an Puppen habe er auch schon bestellt.

Was macht die Stadt, wenn sie nur zu sehen bekommt, was sie sehen soll?

Für den Ordnungsamtschef Müller wird nun entscheidend sein, was er bei seiner Ortsbesichtigung zu sehen bekommt. Seit die Existenz des Etablissements Mitte September öffentlich geworden war, wollte Müller den Laden einmal inspizieren – der Betreiber hatte jedoch nie auf die Anfrage geantwortet. Nun hat Müller auf Vermittlung des Anwalts einen Termin. Er will dabei vor allem auf Räumlichkeiten achten, die Kunden Rückzugsmöglichkeiten geben.

Bleibt die Frage, was Müller macht, wenn er vom Betreiber nur das gezeigt bekommt, was gebietskonform ist. „Da muss ich mir noch überlegen, wie ich damit umgehe“, sagt Müller. Auf jeden Fall wolle er den Betreiber mit der Werbung im Internet konfrontieren, in dem bislang stark der Eindruck vermittelt wurde, Kunden könnten vor Ort Sex mit den Puppen haben. Erfahrungsberichte von Mitgliedern eines Internet-Forum legen dies auch nahe. Sollte Müller zu dem Schluss kommen, dass es eine Vergnügungsstätte ist, würde er den Betrieb untersagen. Müller geht davon aus, dass der Betreiber daraufhin Widerspruch einlegen und den Rechtsweg beschreiten wird. Kurzum: Es wird wohl zu einer Gerichtsverhandlung kommen.

Sexpuppen-Bordelle in der ganzen Welt

Barcelona
Das weltweit erste Sexpuppen-Bordell öffnete im Februar des vergangenen Jahres in Barcelona – so wirbt jedenfalls der Betreiber Lumidolls für sein Etablissement. „Ihre Befriedigung ist unser Ziel“, so das Motto. Ein Stelldichein mit einer der neun Puppen, eine davon männlich, kostet pro Stunde 100 Euro.

Paris
Im vergangenen Februar eröffnete Frankreichs erstes Sexpuppen-Bordell in Paris. Offiziell registriert ist der Laden als Spielecenter, aber Kritiker bezeichnen das Etablissement als Bordell – was in Frankreich ebenso illegal wäre wie Prostitution. Feministen und Kommunisten liefen Sturm gegen die Einrichtung. Die Polizei untersuchte den Ort, Hinweise auf Gesetzesbrüche fand sie nicht.

Moskau
Ende April eröffnete Lumidolls eine Filiale in der russischen Hauptstadt. Bei der geplanten Expansion in die USA hatte es Probleme gegeben, deswegen wollte man sich nun erstmal das Geschäft während der Fußball-WM in Russland nicht entgehen lassen. Putin heiße den Laden gut, sagte der Betreiber gegenüber der britischen Boulevardzeitung „The Dailystar“.

Dortmund
Das erste deutsche Sexpuppen-Bordell steht in Dortmund. Das Bordoll läuft nach Angaben der Stadt aber als normales Bordell, da dort auch Prostituierte arbeiten. „Die Vorschriften des Prostituiertenschutzgesetzes wären nicht anwendbar, soweit dort ausschließlich Puppen angeboten würden“, sagt eine Sprecherin der Stadt.

Turin
Im September eröffnete Lumidolls seine dritte Filiale, und zwar in Turin. Zwei Wochen später machte die Stadt den Laden dicht – angeblich wegen hygienischer Mängel. Die Rechtslage: Bordelle sind in Italien verboten, Prostitution hingegen ist erlaubt.

Houston
Anfang dieses Monats verbot die texanische Stadt eine Einrichtung eines kanadischen Betreibers – auch aufgrund einer Petition, die knapp 13 000 Personen unterschrieben hatten. Weil es ursprünglich keine rechtliche Handhabe gegen das Sexxpuppen-Bordell gab, änderte der Stadtrat ein 20 Jahre altes Gesetz über gewerblichen Sex, das nun auch technische Objekte umfasst. Nun dürfen Kunden in dem Laden Sexpuppen kaufen, aber nicht dort benutzen.

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