Daimler-Betriebsratschef Michael Brecht ist zu Gesprächen mit dem Unternehmen bereit. Foto: dpa/Bernd Weissbrod

Der Konzern hatte am Samstag angekündigt, dass er noch weit mehr Stellen abbauen muss als bislang bekannt. Mehr als 15 000 Jobs sind demnach gefährdet. Trotz einer Beschäftigungssicherung sind auch Kündigungen nicht ausgeschlossen.

Stuttgart - Michael Brecht, der Gesamtbetriebsratsvorsitzende des Stuttgarter Autobauers Daimler, ist bereit, mit dem Unternehmen über eine temporäre Arbeitszeitverkürzung zu sprechen, um die aktuelle Krise zu bewältigten: „Die Verkürzung der Arbeitszeit ist ein passendes Instrument für die jetzige Situation“, sagte Brecht.

„Bereits in der Krise 2008/2009 haben wir die Arbeitszeit an allen Standorten um 8,75 Prozent reduziert.“ Aufgrund des Einbruchs bei der Nachfrage erwartet er über viele Jahre hinweg eine Unterauslastung der Daimler-Werke. „Letztes Jahr haben wir 2,4 Millionen Autos gebaut. Bis Juni 2020 haben wir gerade mal 890 000 Autos gefertigt. Und wir werden bis Ende des Jahres kaum die Lücke von 1,5 Millionen Fahrzeugen schließen.“

Brecht: Mitarbeiter nicht an Doppelstrukturen Schuld

Der Daimler-Personalchef Wilfried Porth hatte im Interview mit unserer Zeitung kritisiert, dass die Arbeitnehmervertretung in der Krise so wenig Entgegenkommen signalisiere, dass betriebsbedingte Kündigungen nicht mehr ausgeschlossen werden könnten.

Dies wollte Brecht nicht auf sich sitzen lassen: „Das Unternehmen kann doch nicht ernsthaft davon ausgehen, dass wir als Arbeitnehmervertreter uns über Nacht Hals über Kopf auf diese Debatte einlassen und nur das tun, was das Management jetzt von uns verlangt. Wir sind doch nicht diejenigen, die in den vergangenen Jahren die Strukturen aufgebaut haben, die es heute gibt und die uns heute zu schaffen machen“, so Brecht. „Keiner der Männer und Frauen, die hier arbeiten, hat sich selbst eingestellt. Niemand hat seinen Aufgabenbereich und die Arbeitsabläufe selbstständig definiert.“ Wenn es Überkapazitäten und Doppelstrukturen gibt, sei das nicht ihre Schuld.

Der Konzern hatte am Samstag angekündigt, dass er noch weit mehr Stellen abbauen muss als bislang bekannt. Mehr als 15 000 Jobs sind demnach gefährdet. Trotz einer Beschäftigungssicherung sind auch Kündigungen nicht ausgeschlossen. (StN)

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