Blumen und ein Gedenkstein erinnern an die Opfer des Absturzes im französischen Le Vernet. Foto: EFE FILE/dpa

150 Menschen starben vor rund einem Jahr beim Absturz einer Germanwings-Maschine, die der Co-Pilot absichtlich gegen eine Felswand steuerte. Im Abschlussbericht empfiehlt die Flugunfallbehörde nun Routineprüfungen.

Paris - Es ist keine Überraschung mehr, doch die Gewissheit erschüttert: Als Andreas Lubitz am 24. März 2015 eine Germanwings-Maschine auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf mit 149 weiteren Insassen über den französischen Alpen abstürzen ließ, handelte er mit voller Absicht. Diese Erkenntnis aus der Analyse der Flugschreiber, die Staatsanwalt Brice Robin bereits kurz nach der Katastrophe verkündete, hat die französische Flugunfallbehörde BEA nun bestätigt. Am Sonntag stellte sie ihren Abschlussbericht in Le Bourget bei Paris vor.

Demnach manipulierte der 27-jährige Co-Pilot „bewusst die Einstellungen des Autopiloten, um ein Absinken des Flugzeugs bis zur Kollision mit dem Relief einzuleiten“. Dass er an dem Tag eigentlich krank­geschrieben war, hatte er verheimlicht.

Als Konsequenz aus dem Unglück forderte die BEA-Behörde nun Routineuntersuchungen von Piloten „insbesondere hinsichtlich psychologischer oder psychiatrischer Probleme“. Diese Empfehlung ging auch an die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) sowie die EU-Mitgliedstaaten. Außerdem sprach sich BEA-Chefermittler Arnaud Desjardins für klare internationale Regeln aus, die festlegen, wann die ärztliche Schweigepflicht gebrochen werden muss. Bisher sei dies in jedem Land unterschiedlich geregelt. „Mehrere private Ärzte wussten, dass Andreas Lubitz krank war, doch diese Information gelangte weder zu den Luftfahrtbehörden noch zum Arbeitgeber Germanwings.“

41 verschiedene Ärzte in fünf Jahren

Innerhalb von fünf Jahren hatte Lubitz laut Staatsanwalt Robin 41 verschiedene Ärzte gesehen, davon sieben allein im Monat vor dem Absturz. Doch Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen gab er nicht weiter. Auch in seinem persönlichen Umfeld warnte niemand vor der Gefahr, die von ihm ausging. Germanwings und die Muttergesellschaft Lufthansa haben eigene Fehler stets zurückgewiesen und betont, dass Lubitz’ Flugtauglichkeit bescheinigt worden sei, trotz einer schweren Depression in der Vergangenheit.

Wie aus dem BEA-Bericht hervorgeht, hatte ihm ein Arzt nur zwei Wochen vor dem Unglück wegen einer möglichen Psychose die Einweisung in eine psychiatrische Klinik nahegelegt. Die BEA-Experten empfehlen auch Maßnahmen hinsichtlich „möglicher Vorbehalte der Piloten, ihre Probleme anzugeben und um medizinische Hilfe zu bitten aus Furcht, ihre Lizenz zu verlieren“.

Bereits im Juli hatte die AESA eine ­obligatorische psychologische Unter­suchung von Piloten vor der Einstellung ­gefordert sowie die Einführung der Regel, einen Piloten nicht alleine im Cockpit zu ­lassen, wie es viele Fluglinien inzwischen getan haben. Die BEA-Experten sehen dazu keinen Bedarf und empfehlen auch keine Änderung bei der Türverriegelung. Das Cockpit müsse auch vor Angreifern aus dem Passagierraum geschützt werden, so Desjardins – doch gebe es kein System, das Gefahren von außerhalb und innerhalb gleich­zeitig ausschließe.

Lubitz hatte eine kurze Pause des Flug­kapitäns genutzt, um sich im Cockpit einzusperren und den fatalen Sinkflug des Airbus A320 einzuleiten. Angehörige der Absturzopfer waren bereits am Samstag vorab in Barcelona und Bonn von den französischen Flugunfallermittlern über die abschließenden Ergebnisse der Untersuchung informiert worden. Am 24. März, dem Jahrestag des Unglücks, wird in den französischen Alpen erneut der Opfer gedacht. Unter ihnen befanden sich neben fünf weiteren Crewmitgliedern Menschen aus 21 verschiedenen Ländern, die meisten von ihnen waren ­Spanier und Deutsche.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: