Beim Fleischbetrieb Tönnies gibt es mittlerweile über 1500 Corona-Infizierte. Foto: dpa/David Inderlied

Nach dem Corona-Ausbruch im Landkreis Gütersloh haben Bayern und Mecklenburg-Vorpommern reagiert. Im beiden Bundesländern gibt es nun ein Beherbergungsverbot für Urlauber aus dieser Region.

München - Hotels, Pensionen und andere Beherbergungsbetriebe in Bayern dürfen vorerst keine Gäste mehr aus dem nordrhein-westfälischen Landkreis Gütersloh und aus anderen Kreisen mit hohen Corona-Infektionszahlen aufnehmen. „Es geht um die klassische Urlaubsreise“, sagte der bayerische Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) am Dienstag in München im Anschluss an eine Kabinettssitzung, bei der diese Maßnahme beschlossen wurde.

Vor dem Urlaubsreiseverkehr aus dem kurz vor Beginn der Sommerferien stehenden Nordrhein-Westfalen solle diese Schutzmaßnahme nun greifen. Herrmann sagte, aus den Erfahrungen nach den Faschingsferien sei die klare Erkenntnis gewonnen worden, dass von Regionen mit so einer hohen Zahl an Infizierten wie im Landkreis Gütersloh eine Gefahr drohe. Dies dürfe sich nicht wiederholen.

Auch anderer Landkreis betroffen

„Wehret den Anfängen“, sagte der Staatskanzleichef. Das Beherbergungsverbot gilt auch über den Landkreis Gütersloh hinaus grundsätzlich für alle Landkreise mit mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den zurückliegenden sieben Tagen. Darunter fällt aktuell der Landkreis Warendorf, der an den Kreis Gütersloh grenzt.

Zuvor waren am Montag auf der Insel Usedom Urlauber aus dem Kreis Gütersloh aufgefordert worden, das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern wieder zu verlassen. Dort gilt bereits per Verordnung die nun auch in Bayern beschlossene Regel, dass Urlauber aus einem Corona-Hotspot nicht einreisen und auch nicht beherbergt werden dürfen. Damit gilt auch für Mecklenburg-Vorpommern, dass Urlauber aus den Kreisen Gütersloh und Warendorf derzeit nicht dorthin reisen dürfen.

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Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) warnte allerdings davor, die Menschen aus dem Kreis Gütersloh nun „unter Generalverdacht“ zu stellen. Mit Blick auf „touristische Absagen“ für Reisende aus dem ostwestfälischen Kreis sagte Laschet in Düsseldorf: „Dazu gibt es überhaupt keinen Anlass.“ Die Menschen aus dem Kreis dürften nicht stigmatisiert werden.

Laschet verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass es neben den mittlerweile mehr als 1550 Corona-Infektionen beim Fleischbetrieb Tönnies in Rheda-Wiedenbrück im gesamten Kreis Gütersloh derzeit nur 24 Corona-Fälle gebe.

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Laschet sagte zudem, ein zuvor für den Kreis Gütersloh angekündigter Lockdown umfasse „keine Reiseeinschränkung“. Man könne nur dringend an die Menschen appellieren, „jetzt im Kreis zu bleiben“ und die verfügten Kontakteinschränkungen zu befolgen.

Die Grünen-Fraktionschefin im Düsseldorfer Landtag, Monika Düker, warf der schwarz-gelbe Landesregierung daraufhin vor, sie lasse „die Menschen mit verwirrenden Aussagen allein“. „Kurz vor den Sommerferien ist den Menschen in der Region erneut völlig unklar, wie sie ihre Erholungszeit gestalten können, wie sie sich verhalten müssen, welche Einschränkungen ihnen drohen und was sie machen, wenn sie in ihren gebuchten Urlaubsunterkünften abgewiesen werden.“

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