Mitte Januar brannten Holzstapel in Leinfelden-Echterdingen. Foto: 7aktuell.de/Simon Adomat

Seit einem Vierteljahr hielt ein Unbekannter die Polizei in der Region auf Trab, indem er teils im Abstand von wenigen Stunden Holzstapel anzündete. Jetzt haben die Ermittler einen Verdächtigen gefasst. Er soll aus dem Fellbacher Raum kommen.

Rems-Murr-Kreis - Ein Vierteljahr lang hielt er die Ermittler auf Trab – nun hat die Polizei den mutmaßlichen Holzstapel-Zündler offenbar gefasst. Ins Visier der Ermittlungsgruppe war ein 38-jähriger Mann aus dem Rems-Murr-Kreis geraten. Auch die Staatsanwaltschaft Stuttgart sieht einen dringenden Tatverdacht gegen den Mann, sie erwirkte einen Haft- und einen Durchsuchungsbefehl gegen ihn.

Der 38-Jährige am Mittwochvormittag von der Kriminalpolizei Waiblingen festgenommen. Er leistete keinen Widerstand bei seiner Verhaftung. Unbestätigten Meldungen zufolge handelt es sich im einen Mann aus dem Fellbacher Raum, der bislang noch nie durch Straftaten aufgefallen war. In der Wohnung des Tatverdächtigen konnten die Beamten auch einige Spuren sicherstellen. Er wurde am Donnerstagmorgen einem Haftrichter vorgeführt, inzwischen sitzt er in Untersuchungshaft. „Zu seinem Motiv wissen wir leider gar nichts“, so ein Sprecher der für den Rems-Murr-Kreis zuständigen Polizei Aalen.

Der 38-Jährige soll mehr als 50 000 Euro Schaden angerichtet haben

Mindestens ein Vierteljahr hatte das Katz-und-Maus-Spiel gedauert: Teils im Abstand von wenigen Stunden waren nicht nur im Rems-Murr-Kreis (Weinstadt, Fellbach, Urbach, Waiblingen, Auenwald, Plüderhausen und Winterbach), sondern auch in den Landkreisen in Esslingen, Böblingen und Ludwigsburg sowie in Stadtteilen Stuttgarts Holzstapel in Flammen aufgegangen. Die ersten Brände wurden Ende Oktober 2018 in Kernen im Remstal gelegt. Zwischen 24. und 31. Oktober gab es in der Gemeinde vier gleichgelagerte Fälle. In den Monaten danach ging die Brandserie weiter. Zuletzt brannte es am Montagabend, 21. Januar, diesmal in Hildrizhausen (Kreis Böblingen).

Nicht ausgeschlossen ist jedoch, dass die kriminelle Leidenschaft des Täters bereits deutlich früher begann: Einzelne Holzstapelbrände in der Region hatte es bereits zuvor gegeben. „Diese Taten waren allerdings nicht Bestandteil der Ermittlungsgruppe“, so ein Polizeisprecher. Es werde aber jetzt geprüft, ob der mutmaßliche Brandstifter schon vor dem bislang angenommen Beginn der Serie zugeschlagen habe.

Personen kamen bei den Bränden nie zu Schaden. Doch bei den 32 bislang bekannten Fällen, die die Ermittler dem 38-Jährigen zurechnen, summiert sich der Schaden auf deutlich mehr als 50 000 Euro.

Darum war die Jagd nach dem Brandstifter so schwierig:

Da die Tatorte meist weitab vom Schuss lagen und das Einzugsgebiet des Täters groß war, fiel es der Polizei äußerst schwer, den Täter auf frischer Tat zu ertappen. Auch zufällige Zeugenbeobachtungen waren bei den nächtlichen Taten zumindest unwahrscheinlich, was die Ermittlungsarbeit zusätzlich erschwerte. Die Polizei hatte deshalb eigens die fünfköpfige Ermittlungsgruppe „Holzstapel“ gegründet. Darin arbeiteten Schutz- und Kriminalpolizei eng zusammen. Da von der Brandserie ein derart großes Gebiet betroffen war, wurde auch die Zusammenarbeit der verschiedenen Polizeipräsidien verstärkt.

Wie die Polizei dem mutmaßlichen Brandstifter schlussendlich auf die Spur gekommen ist, will der Polizeisprecher nicht verraten – „aus ermittlungstaktischen Gründen“. Auf frischer Tat ertappt worden sei der 38-Jährige jedenfalls nicht. Ob die Polizei mit dem 38-Jährigen den Richtigen festgenommen hat, wird sich nun daran zeigen, ob die Holzstapel-Brände aufhören.

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