Die Kinder bauen für ihr Stück auch die Requisiten selbst. Foto: Pauline Strempel

Zum ersten Mal findet in der Filderstädter Musikschule Filum ein Musical-Sommercamp mit 90 Kindern statt. Das Stück hat eine Regisseurin eigens dafür geschrieben.

Hand aufs Herz, geballte Fäuste, und dann eine Kapitänshand vor die Stirn – der Kinderchor studiert Bewegungen zum Liedtext ein: „Wo sind hier die Abenteuer? Wo liegen die Gefahren? Kampf mit jedem Ungeheuer, wie Robin Hood seit Jahren.“ Sie lauschen aufmerksam den Ansagen der Chorleiterin. „Genial. Die Töne sind noch ein bisschen zu verfeinern, aber das wird“, ruft Hayley Huff durch ein Mikrofon, um die sekundenweise Abgewanderten wieder einzufangen. Die Sieben- bis 16-Jährigen nehmen eine Woche lang an einem Musical-Sommercamp in der Filderstädter Musikschule Filum teil. Das Ziel, auf das fünf Kinder-Gewerke hinarbeiten, sind zwei Abschlussinszenierungen am Freitag, 4. August. Es ist ein Kooperationsprojekt der Kunstschule Filderstadt, der Musikschule Filum und der Tanzschule Tanzraum 51.

 

„Die trällert den ganzen Tag. Da dachte ich, die muss ich zum Chor schicken“, erzählt Barbara Grupp, die Leiterin der Kunstschule, über ein Mädchen. Sie habe sich längst eingefunden in die riesige Kinderhorde, die nach dem Mittagessen durch die fünf Etagen der Musikschule wuselt. Das Essen wird von der Karl-Schubert-Gemeinschaft zur Verfügung gestellt. Die Kinder konnten sich für einen der fünf Workshops anmelden: die Schlagzeuggruppe, die Schauspiel- und Tanzgruppe, der Chor, die Requisitengruppe und die Bühnenbildgruppe.

Geleitet werden die Workshops von sechs studierten Musikpädagogen und Performancekünstlern der teilnehmenden Kooperationspartner. „Uns war es wichtig, dass das Projekt einen gewissen Anspruch hat. Wir wollten nicht nur ein Betreuungsangebot, sondern auch ein Bildungsangebot schaffen“, sagt die Filum-Leiterin Katrin Bleier. Initiiert wurde das Projekt von der Karl-Schlecht-Stiftung anderthalb Jahre im Voraus. Der vordergründige Gedanke der Stiftung war die Persönlichkeitsentwicklung vom Grundschul- bis ins Studierendenalter. „Das ist eine totale Bereicherung für die Kinder, sich auszudrücken, kreativ zu sein, und trotzdem arbeiten sie auf ein Ziel hin“, findet Barbara Grupp.

Das Projekt wurde bereits vor eineinhalb Jahren initiiert

Bis zu diesem Mittwoch sind sie in den Workshops beschäftigt. Ab Donnerstag sollen die Gesamtproben des Stücks „Abenteuer hinter der Schranktür“ folgen. Das Musical wurde eigens von der Regisseurin Verena Keller für das Projekt geschrieben. Es handelt von einem 13-jährigen Mädchen, das in eine Fantasiewelt hinter eine Schranktür verschwindet. Ihr Abenteuer führt sie durch die fünf Nationen Ukraine, Syrien, Türkei, Italien und Deutschland.

„Uns war wichtig, dass es ein interkulturelles Thema ist“, sagt Grupp. Die Auswahl der Nationen nehme auf aktuelle gesellschaftspolitische Herausforderungen Bezug. Am Ende wird das Mädchen von ihren Freunden gerettet. Mit der Nebenfigur der Schneekönigin liegt die Analogie zum Märchen „die Schneekönigin“ nahe. „Aber unsere Schneekönigin ist eine Gute. Die Kinder sollen sich in den Figuren wiederfinden können“, sagt Bleier. Das Team erwartet einen vollen Zuschauersaal, der 280 Menschen fasst. „Es soll ein großes Ganzes rauskommen, was zusammen harmoniert und auf das Publikum überschwappt“, so Bleier, die das Pilotprojekt im nächsten Jahr fortführen will.