Spruchbänder wie dieses sind über Nacht an Plätzen und Brücken im Großraum Stuttgart aufgetaucht. Foto: dpa

Die Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart steht vor der Tür. Im Fokus der Veranstaltung steht unter anderem der Antrag auf Abwahl des Präsidenten. Im Vorfeld machen nun beide Seiten noch einmal verstärkt mobil.

Stuttgart - Die ordentliche Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart steht an diesem Sonntag an (13 Uhr, Liveblog). Neben den klassischen Tagesordnungspunkten wie etwa den Berichten der Abteilungen steht in einer vom Club kommunizierten ergänzenden Tagesordnung auch der Antrag auf Abwahl des Präsidenten Wolfgang Dietrich unter Punkt sechs auf dem Programm. Vorausgegangen waren rund 65 frist-, und formgerecht von den Mitgliedern eingereichte Anträge hierzu.

Zwei Tage vor der Veranstaltung laufen die Initiativen der Pro- und Contra-Fraktionen auf Hochtouren. Während sich beispielsweise die Ultras vom Schwabensturm 02 bereits zu Wochenbeginn mit einer Verlautbarung auf ihrer Webseite positionierten, rief Daimler-Personalchef Wilfried Porth per Anschreiben und Intranet-Eintragung alle VfB-Mitglieder unter den Mitarbeitern des Automobilbauers dazu auf, die Mitgliederversammlung zu besuchen und gegen eine Abwahl Dietrichs zu stimmen. Eine Aktion, die deshalb Kritik hervorruft, da Porth Aufsichtsrat der VfB-AG sowie Vertreter des Hauptsponsors und Ankerinvestors ist – es am Sonntag aber um die Belange des Hauptvereins, also des VfB Stuttgart e. V., geht.

Zudem haben einige Leiter der unterschiedlichen Abteilungen des Clubs ihre Mitglieder und Trainer aufgerufen, für Dietrich zu stimmen. Dietrich und der Club selbst präsentierten ihre Ansichten am Dienstagabend bei einer Veranstaltung der „VfB im Dialog“-Reihe, die im Stadion stattfand und im Stream verfolgt werden konnte. Auch Manfred Haas, der ehemalige Präsident des VfB, meldete sich in einem offenen Brief zu Wort und meinte zur Kritik an Wolfgang Dietrich und zum Abwahlwunsch von dessen Gegnern: „So einfach kann man es sich nicht machen.“ Haas ergänzt: „Wer meint, der Präsident habe schlechte Arbeit geleistet und muss ersetzt werden, der möge im kommenden Jahr einen anderen Kandidaten wählen.“ Dann läuft Dietrichs Amtszeit aus.

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Die Gegenseite, also die Kritiker unter den Fans und Mitgliedern des VfB, setzt nun deutlich sichtbare Zeichen. So sammelt der Twitter-Account „UeberDietrich“ schon länger Beiträge von Twitter-Nutzern, die sich gegen den Präsidenten positionieren und den Gegenbeweis dafür antreten wollen, dass die Dietrich-Gegner ausschließlich aus dem Ultra-Umfeld kommen. Bereits in den letzten Tagen wurde zudem an vielen öffentlichen Plätzen in Stuttgart und dem Großraum (teils äußerst geschmacklose) Plakate geklebt, die dazu aufrufen, den Präsidenten abzuwählen.

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Am Freitagmorgen tauchten nun vor allem auf Twitter Bilder einer offenbar konzertierten Aktion auf, die in der Nacht stattgefunden hat. Vielerorts wurden auf Brücken, etwa am Teiler B 14/B 29, an der B 10 und der B 27, in Deizisau, Plochingen, Kirchheim Teck und direkt an der Brücke zur Hanns-Martin-Schleyer-Halle in Bad Cannstatt Spruchbänder gesichtet, die zuvor auch schon oftmals in den Stadien oder bei der Karawane Cannstatt zu sehen waren: „Dietrich raus!“ ist darauf zu lesen, wie folgende Tweets zeigen.

Am Sonntag kommt es nun zum Showdown der beiden Fraktionen. Alle Mitglieder des Vereins sind aufgerufen, ins Stadion zu kommen. Der Club lobt hierfür Getränke- und Essensmarken sowie ein Gewinnspiel und eine Rabattaktion für den Fanshop aus. Wie es ausgeht und ob die für eine Abwahl notwendigen 75 Prozent von der Gegnerseite erreicht werden, wird sich wohl erst am späten Sonntagnachmittag zeigen. Dann wird die Veranstaltung bei Punkt sechs auf der Tagesordnung angekommen sein.

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