SPD-Chef Lars Klingbeil fordert einen höheren Mindestlohn. Doch die Politik sollte die zuständige Kommission ihre Arbeit machen lassen, meint Tobias Heimbach.
Um 41 Cent soll der Mindestlohn pro Stunde im kommenden Jahr steigen, auf dann 12,41 Euro. 2025 sollen es 12,82 Euro sein. Das entschied die Mindestlohnkommission jüngst – unter Protest der Gewerkschaftsvertreter in dem Gremium. Es ist nachvollziehbar, dass viele enttäuscht sind, gerade in Zeiten hoher Inflation.
Als Reaktion fordert SPD-Chef Lars Klingbeil, dass Deutschland die europäische Mindestlohnrichtlinie umsetzen soll. „Dann kann auch der Mindestlohn noch einmal ansteigen. Bei einer vollständigen Umsetzung wären das laut Experten zwischen 13,50 und 14 Euro“, sagte er.
Der Wunsch mag nachvollziehbar sein, doch sollte sich die Politik im Normalfall nicht darum kümmern, wie viel jemand verdient. Dass in Deutschland nicht Kanzler oder Minister über die Höhe des Mindestlohns entscheiden, sondern eine Kommission aus Arbeitnehmern und Arbeitgebern, ist richtig. Dabei muss es bleiben.
Umgekehrt müssen sich Unternehmen sehr genau überlegen, wie sie ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bezahlen. Angesichts des Arbeitskräftemangels gilt: Niedrige Löhne muss man sich leisten können.