Für das Einkaufscenter gilt es als Standortnachteil, dass es nicht mehr kostenlose Parkplätze anbieten kann. Foto: Lichtgut/Michael Latz

Fünf Jahre nach der Eröffnung des Einkaufscenters Milaneo in Stuttgart zieht die Managerin des Shopping-Tempels eine zufriedene Bilanz – obwohl es im Vergleich zur Konkurrenz einige Standortnachteile gibt.

Stuttgart - Das Milaneo feiert, und das im doppelten Sinne. Einmal ist es das fünfjährige Bestehen des Einkaufszentrums im Europaviertel. Zum Zweiten ist es der Erfolg am Markt, der in Zeiten der Strukturkrise im stationären Handel keineswegs selbstverständlich ist. „In der Gesamtschau sind wir zufrieden“, sagt Centermanagerin Andrea Poul, „und das, obwohl 2017 der zweite Primark auf der Königstraße eröffnet hat.“ Davor hatte auch die Managerin der ECE „Bauchweh“, wie sie zugibt. Schließlich war und ist die irische Billigmodekette ein Kundenmagnet – oder wie es im Branchenjargon heißt: ein wichtiger Ankermieter. „Dennoch haben wir 2018 nur leicht bei der Passantenfrequenz verloren“, sagt Poul, „aber im Jahr 2019 ist sie von durchschnittlich 29 990 Kunden pro Tag wieder um 1,3 Prozent gestiegen.“ Gleiches gelte auch für den Umsatz, den die ECE nicht veröffentlicht.

Im Gegensatz zu anderen Centern, wie etwa dem Gerber, ist das Milaneo auch mit der Vermietungsquote zufrieden. Laut Poul liegt sie im ersten Halbjahr 2019 bei 97,8 Prozent. Angesichts der Tatsache, dass man es in diesem Gewerbe immer wieder mit Insolvenzen zu tun habe und dass kurzzeitige Mietverträge enden, sei diese Quote gut. Zumal Poul ganz bewusst auch auf kurze Fünfjahresmietverträge setzt, um den Kunden immer wieder neue Konzepte präsentieren zu können. „Es ist nicht alles eitel Sonnenschein. Es gibt auch bei uns Konzepte, die nicht funktionieren. Aber ohne Wechsel keine Spannung“, sagt sie. Gleichwohl machen die Zehnjahresverträge den Löwenanteil bei den Vermietungen im Milaneo aus.

Studie wirft einen Schatten aufs Milaneo

Etwas Schatten auf diese Bilanz der Centermanagerin wirft allerdings eine aktuelle Studie des Wiesbadener Marktforschungsunternehmens Ecostra in Zusammenarbeit mit der Textilwirtschaft. Im sogenannten Shoppingcenter Performance Report haben die hessischen Statistiker die Center-Mieter nach ihrer wirtschaftlichen Zufriedenheit gefragt und aus den Antworten eine Rangliste erstellt. Dabei landete das Milaneo hinter den Breuningerländern Sindelfingen (Platz 6) und Ludwigsburg (9), dem Marstall-Center (Ludwigsburg/227) und dem Stern-Center (Sindelfingen/229) nur auf Platz 234 von insgesamt 390 Malls. Spitzenreiter wurde der Elisenpark in Greifswald.

Allerdings können Malls auf der grünen Wiese, wie das Elisen-Center oder die Breuningerländer, mit Faktoren punkten, die das Milaneo nicht vorweisen kann. So gibt es etwa in Greifswald 1800 kostenlose Parkplätze und eine auf den Individualverkehr zugeschnittene Infrastruktur. Das macht sich in Zahlen bemerkbar: 80 Prozent der Kunden kommen mit dem Auto in das deutsche Top-Center. Ins Milaneo kommen dagegen nur 40 Prozent der Besucher mit dem Auto, weitere 40 Prozent kommen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, der Rest zu Fuß oder mit dem Rad. „Daher sind die Stadtbahnhaltestellen mit insgesamt fünf Linien ein Glücksfall für uns“, sagt Poul, die so den Standortnachteil ausgleicht. Denn das Milaneo verfügt nur über 1200 Parkplätze, die nicht kostenlos sind. Zudem beklagt die Centermanagerin, dass ihre Kunden oft lange Staus auf der Heilbronner Straße einplanen müssten. Und dennoch kämen die Leute vor allem an den Wochenenden in Strömen. Im Schnitt sind es nach Angaben des Milaneo an einem Samstag über 40 000 Besucher. Warum die Kunden trotz Staus und Parkgebühren kommen? Für Poul ist es auch der Marken-Mix der rund 200 Shops. Dass sich die Kunden von diesem Warenangebot angesprochen fühlen, zeige die Verweildauer der Kunden im Center von durchschnittlich zwei Stunden und 40 Minuten. Diesen Spitzenwert könnten nur wenige Einkaufscenter vorweisen. Im Schnitt seien Kunden etwa 90 Minuten in einer Mall.

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