Ein Marcos Knight (rechts) reicht nicht – trotz seinen 24 Punkten. Foto: Baumann

Fünf Jahre lang waren die MHP Risen zuletzt eine feste Größe in den Play-offs der Basketball-Bundesliga. Das könnte sich ändern. Nach der 94:104-Niederlage gegen Braunschweig ist Platz acht in Gefahr.

Ludwigsburg - Die Ludwigsburger Basketballer haben einen Lauf. Fast keine Woche vergeht ohne eine Vertragsverlängerung. Zumindest bei den Sponsoren. Dieses Mal war das „BlüBa“ an der Reihe. Das Blühende Barock, so etwas wie die Attraktionen der Stadt, neben den Basketballern, auch wenn auf die in dieser Saison kein so richtiger Verlass ist. Wie am Samstag bei der 94:104-Niederlage gegen die Löwen aus Braunschweig.

Ein Rückschlag im Kampf um die begehrten Play-off-Plätze. Auf die hatten die Riesen in den vergangenen Jahren quasi ein Abonnement – doch eine Garantie dafür gibt es eben nicht. Das ist ein bisschen so wie bei einem Aktienfonds: Wenn der fünf Jahre lang immer ein Plus erwirtschaftet hat, heißt das noch lange nicht, dass es im sechsten Jahr auch so ist. Steht im Kleingedruckten. Auf das will sich Ludwigsburgs langjähriger Vorsitzender Alexander Reil gar nicht berufen. Er sagt ganz offen: „Natürlich werden wir alles dafür tun, dass wir es auch dies Jahr schaffen – aber wenn nicht, geht davon die Welt nicht unter.“

Hauen und Stechen um Play-offs

Zumindest ein Schatten läge dann aber schon auf dem Ludwigsburger Basketball. Dabei darf zum einen nicht vergessen werden, dass das Team in der Vor-John-Patrick-Ära fünf Jahre lang nicht unter den besten acht war und dass die Liga in dieser Saison absolut betrachtet vielleicht nicht stärker geworden ist, in der Breite aber zumindest noch ausgeglichner.

Bester Beleg: Vor diesem Spieltag lagen gleich sieben Teams nur zwei Punkte auseinander zwischen Rang sechs und zwölf. „Da tut natürlich jeder Sieg gut“, sagt Coach John Patrick – und jede Niederlage weh. Erst recht, wenn sie vermeidbar war. Doch am Samstag zeigte sich eben mal wieder ganz deutlich das Manko der Saison: Die Mannschaft schwankt wie ein Boot bei Windstärke zehn. „Unsere einzige Konstante ist die Inkonstanz“, sagt Reil deshalb. Auf den starken Auftritt eine Woche davor in Bayreuth (109:81) folgte der Rückschlag – wie schon nach Siegen in Ulm, Frankfurt oder auch in der Champions League gegen den späteren Gruppensieger Murcia.

Gegen Braunschweig zeigte sich auch warum. Die Mannschaft spielt nicht als Team, sondern zerfällt zu oft in ihre zwölf Einzelteile, mal ganz abgesehen davon, dass gegen die unglaubliche Dreierquote der Gäste (60 Prozent) fast kein Kraut gewachsen war. „Das schaffen wie nicht jede Woche“, gab Löwen-Trainer Frank Menz zu. Der zudem anmerkte: „Vielleicht hat man auch den Druck gespürt, Ludwigsburg will in die Play-offs – wir nicht.“ Das befreit. Bei den Riesen fehlt die gesamte Saison eine Leitfigur, abgesehen vom nachverpflichteten Marcos Knight (24 Punkte), was sich auch in vielen (Frust-)Fouls widerspiegelt. „Da fehlt uns etwas Erfahrung“, sagt Patrick, „wenn Schiedsrichter pfeift, ist es vorbei.“

Schweres Restprogramm der Riesen

Die Saison nicht. Zwölf Spiele stehen noch auf dem Programm, da ist nicht aller Tage Abend. „Ich denke, dass sich erst ganz zum Schluss entscheidet, wer in die Play-offs kommt“, sagt Patrick. Am letzten Spieltag gegen Alba Berlin? Schön wär’s, wenn die Riesen dann noch im Rennen wären.

Doch das Restprogramm hat es in sich, weil die Mannschaft als einzige noch zweimal gegen Spitzenreiter Bayern München spielen, und am Samstag zum Zweiten Ewe Oldenburg muss. „Wenn wir dort eine Chance haben, wollen müssen wir uns als Mannschaft präsentieren.“ Das predigt John Patrick nicht zum ersten Mal.

Manchmal entsteht der Eindruck, einige spielen lieber für ihre persönliche Statistik, Stichwort Ego-Basketball. Nach dem Motto: Hier haben wir sowieso keine Zukunft. Nach dem dritten Platz im Vorjahr waren die Spieler aus finanziellen Gründen nicht zu halten, dieses Mal dürfte der Verein kaum einen Spieler halten wollen. Der nächste Umbruch kommt bestimmt.

Dabei hatten schon aktuell die vielen Personalrochaden für Unruhe gesorgt. Und ohne Play-off-Platz fehlt die Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb, auf den manche Profis großen Wert legen. „Es läuft sicher nicht alles gut in dieser Saison, aber ich lass mir nicht alles schlecht reden, was die Jahre davor funktioniert hat“, betont Reil im Hinblick auf den nicht mehr unumstrittenen Patrick. Warum auch? 4037 Zuschauer füllten die Halle bis auf den letzten Platz und brachten zudem über 20 000 Euro an Spenden in die Kasse der Nachwuchsabteilung, nur keinen Punkt.

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