Die Medius Klinik auf dem Säer wächst: Der neue Bettentrakt (vorne rechts) und der Verwaltungsneubau (dahinter) sind fertiggestellt, der Patientengarten nimmt Formen an. Nun folgt der Neubau der Zentralen Notaufnahme zwischen Parkhaus und Bestandsbau. Foto: Medius Kliniken/oh

Die kreiseigenen Medius Kliniken bauen den Standort in Nürtingen zukunftsfähig aus. Kaum, dass der erste Bauabschnitt mit zwei neuen OP-Sälen und dem Bettenhaus fertiggestellt ist, folgen die nächsten Projekte.

Nürtingen - Der Umzug in die hellen Zwei- und Einbettzimmer mit Blick auf die Schwäbische Alb steht in diesen Tagen an. Etwa 15 Patienten der Gefäßchirurgie sowie der Unfall- und orthopädischen Chirurgie werden in den neuen Bettentrakt der Medius Klinik in Nürtingen verlegt, sagt Norbert Nadler, der Leiter der Klinikeinheit Nürtingen-Kirchheim.

 

Erst nach und nach sollen sich die 72 Betten füllen, „noch sind wir ja in der Pandemie“. Mit einer Vollauslastung rechnet er im Herbst. Dann soll auch die geriatrische Pflegeeinheit belegt sein, für die 22 Plätze vorgesehen sind. Außerdem kommt die Palliativstation in dem Neubau unter und auch eine Intermediate-Care-Pflegeeinheit. Sie ist für Patienten gedacht, die zwar keine Intensivbehandlung mehr benötigen, aber dennoch überwacht werden müssen.

Lesen Sie aus unserem Angebot: Neue Visitenkarte für Krankenhaus

Mit dem Neubau erhöht sich nicht nur die Bettenkapazität der Klinik um etwa 20 Prozent – was zwingend nötig ist angesichts stetig steigender Fallzahlen in den vergangenen Jahren. Das Haus auf dem Säer ist zwölf Jahre nach seiner Einweihung bereits an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen. Etwa 18 000 Patienten pro Jahr werden am Standort Nürtingen stationär behandelt, rund 400 Betten stehen nach dem Ausbau zur Verfügung. „Auch organisatorisch bieten sich jetzt neue Möglichkeiten“, erläutert Nadler. Wegen der räumlichen Enge im Bestandsgebäude sei auf den Stationen viel interdisziplinär gearbeitet worden, nun könnten die Pflegebereiche fachlich besser ausdifferenziert und mit spezialisierten Kräften besetzt werden.

Die Fertigstellung des Bettenhauses markiert den Schlusspunkt unter dem ersten Bauabschnitt am Klinikstandort in Nürtingen. Für rund zehn Millionen Euro wurden zwei neue Operationssäle angebaut, darunter ein Hybrid-OP, der komplexe Gefäßinterventionen ermöglicht. Sie sind seit Anfang vergangenen Jahres in Betrieb, ebenso die neue Aufbereitungseinheit für Medizinprodukte (AEMP). Und im Sommer wurde das zweigeschossige Verwaltungsgebäude, direkt angrenzend an den neu angelegten, kleinen Patientengarten, bezogen: Etwa 30 Mitarbeiter haben durch ihren Umzug im Bestandsbau Platz frei gemacht für Ärzte und Pflegekräfte, erklärt Nadler.

Abläufe können optimiert werden

Der erste Bauabschnitt mit einer Gesamtinvestitionssumme von rund 31 Millionen Euro sei „im Kosten- und Zeitplan“ umgesetzt worden, wie Geschäftsführer Sebastian Krupp betont. Und damit sei die bauliche Weiterentwicklung der Klinik längst noch nicht abgeschlossen, fügt er hinzu. Nahtlos geht es nun mit dem zweiten, fast ebenso teuren Bauabschnitt weiter: Zwischen Parkhaus und Klinikbau, wo sich einst der Landeplatz für Rettungshubschrauber befand, wird derzeit die Baugrube für die neue Zentrale Notaufnahme (ZNA) mit eigenem Landeplatz auf dem Dach ausgehoben.

Sie werde zwar räumlich nicht viel größer sein als die jetzige, aber dazu beitragen, die Abläufe zu optimieren, sind Nadler und Krupp überzeugt. Im Vor-Corona-Jahr 2019 seien immerhin um die 30 000 Patienten über die ZNA aufgenommen wurden. Ein Teil von ihnen wird von Rettungsdiensten eingeliefert, die Mehrheit der Patienten aber sucht sie eigenständig auf.

Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Mehr Komfort für Patienten

In der neuen ZNA, die allein 24 Millionen Euro kostet, entstehen mehrere Räume für Diagnose und Behandlung, darunter zum Beispiel zwei Schockräume mit modernsten Einrichtungen wie Computertomografie. Eingerichtet wird zudem eine Kurzliegerstation für Patienten, die einer Beobachtung bedürfen, bevor über den weiteren Behandlungsverlauf entschieden wird. Der Bereich kann auch bei infektiösen Befunden genutzt werden, dafür gibt es Schleusenfunktionen.

Die neue ZNA soll die Visitenkarte der Nürtinger Medius Klinik werden. Ergänzend dazu wird das Patienten-Service-Center erweitert und ein zweites Rechenzentrum errichtet. Mit der Fertigstellung aller drei Neubauten wird im Laufe des Jahres 2024 gerechnet. „Damit sind wir mit unseren Planungen zur strukturellen Neuordnung fertig“, sagt Krupp.

Kindertagesstätte in Planung

Was jedoch nicht bedeutet, dass man nicht weitere Projekte andenkt. In den nächsten Tagen will man den Aufsichtsrat der gemeinnützigen Betreibergesellschaft über Pläne zum Bau einer Kindertagesstätte auf dem Klinikgelände informieren. 50 Plätze in drei Gruppen, davon eine für Kinder unter drei Jahren, sind vorgesehen. Etwa die Hälfte der Plätze soll für die Kinder von Klinikbeschäftigten reserviert werden. Als Standort habe man die Fläche hinter dem Personalwohngebäude im Blick, sagt Nadler. Der Betrieb der Einrichtung soll durch einen externen Träger erfolgen. „Die Detailplanung läuft“, ergänzt Krupp. Aussagen zu den Kosten könne man derzeit noch nicht machen. Die Eröffnung sei für das Jahr 2024 vorgesehen. Die Stadt Nürtingen unterstützt diese Idee – und hat Bereitschaft signalisiert, einen Teil der Plätze im Rahmen ihres Bedarfsplans zu bezuschussen.

Die Medius Kliniken

Der Verbund
Die Medius Kliniken sind an drei Standorten vertreten: Nürtingen, Kirchheim und Ostfildern-Ruit. Zusammen sind dort mehr als 3000 Mitarbeiter beschäftigt. Die drei Einrichtungen, die vom Landkreis Esslingen getragen werden, verfügen zusammen über 1100 Planbetten und bieten mit 31 medizinischen Fachkliniken und 21 Zentren ein breit gestreutes medizinisches Leistungsspektrum.

Medizinische Behandlung
In den drei Krankenhäusern des Klinikverbundes werden inzwischen etwa 50 000 Patienten jährlich stationär behandelt. Hinzukommen noch rund 130 000 ambulante Patienten.

Jahresbilanz
Die Medius-Kliniken gGmbH ist finanziell gut aufgestellt. Der Umsatz im vergangenen Jahr liegt bei etwa 300 Millionen Euro. Der Jahresabschluss 2020 (der für 2021 liegt noch nicht vor) weist einen Überschuss von 9,7 Millionen Euro aus. Er fließt in die Rücklage, die Ende 2020 rund 43,7 Millionen Euro betrug .