Komm, wir wollen Laterne laufen – das geht in diesem Jahr pandemiebedingt nur im ganz kleinen Rahmen. Foto: dpa/Ole Spata

Im November freuen sich die Kinder auf den Martinsritt und darauf, mit ihren Lampions und Liedern durch die Straßen zu ziehen. Doch in der Pandemie sind solche Feste nicht möglich. Die Leute haben sich darum etwas anderes einfallen lassen.

Filder - Die Stuttgart Verwaltung fordert dazu auf, dieses Jahr auf Laternenumzüge zur Feier des Martinstags zu verzichten. Man respektiere diese Tradition, wird Dorothea Koller in einer Pressemitteilung zitiert. Die Leiterin des Ordnungsamts fügt jedoch hinzu: „Gleichzeitig machen die einschlägigen Coronaverordnungen des Landes strenge Vorgaben für Ausflüge ins Freie, in Kitas oder für Aktivitäten außerhalb des Schulunterrichts. Diese sind auch hier anzuwenden.“ Es gelte unter anderem, Gruppen und Klassenstufen nicht zu durchmischen, wer älter als sechs Jahre ist, muss eine Alltagsmaske tragen, und alle Teilnehmer müssen auf einer Liste erfasst werden. Das gemütliche Beisammensein im Anschluss müsse grundsätzlich ausfallen.

Also besser ganz lassen, so der Appell der Stuttgarter Stadtverwaltung an die potenziellen Veranstalter von Martinsfeiern, die Eltern und die Kinder. „Die Gefahr von Virus-Übertragungen steigt, wo immer Menschen zusammenkommen – und damit auch bei Laternenumzügen zum Martinstag“, warnt Koller.

In der Kirche stehen Körbe für Lebensmittelspenden

So sieht das auch die katholische Sankt-Michael-Gemeinde in Sillenbuch. Die traditionelle Martinsfeier in der Kirche mit anschließendem Umzug könne es in diesem Jahr nicht geben, schreibt sie auf ihrer Internetseite. Ausfallen soll der Gedenktag aber keinesfalls. Die Gemeinde ruft Familien dazu auf, am Abend des 11. Novembers einzeln für sich durch die Straßen zu ziehen und diese mit Licht und Gesang zu erfüllen. Als Zeichen der Verbundenheit werden um 18 Uhr die Kirchenglocken läuten. Zudem können in den Gärten Laternen aufgehängt und in den Fenstern Kerzen angezündet werden.

Am Martinstag geht es aber nicht nur darum, etwas Licht in die dunkle Jahreszeit zu bringen. Denn erinnert wird an den römischen Soldaten, der um das Jahr 316 an einem kalten Wintertag einem nackten Bettler die Hälfte seines Mantels geschenkt haben soll. In der Nacht erschien der Bettler Martin im Traum und gab sich als Jesus Christus zu erkennen. Später wurde Martin zum Bischof der Stadt Tours. Rund 30 Jahre lang hatte er dieses Amt inne und soll zahlreiche Wunder vollbracht haben. Am 11. November 397 wurde er zu Grabe getragen und später heilig gesprochen. Die Gemeinde Sankt Michael möchte den Gedanken des Teilens in die Tat umsetzen. Sie ruft dazu auf, haltbare Lebensmittel für die Schwäbische Tafel zu spenden. Dafür stehen am Mittwoch Körbe in der Kirche an der Kleinhohenheimer Straße bereit.

CVJM gestaltet Karte mit erleuchteten Fenstern

Auch der CVJM Möhringen lädt zu individuellen Lampionumzügen ein. Vom Martinstag am Mittwoch bis zum Sonntag sind die Menschen aufgefordert, eine Laterne oder ein anderes warmes Licht in ihr Fenster zu hängen. Jeweils zwischen 17 und 21 Uhr könne dann jede Familie für sich mit Laternen losziehen und schauen, wo hell erleuchtete Fenster zu finden sind.

Wer möchte, kann seine Fenster-Laterne dem CVJM melden. Dieser erstellt einen Plan. Die E-Mail-Adresse dafür lautet: sohenke@t-online. Je mehr Menschen mitmachen, desto schöner und heller werde der Ort, wirbt die Organisation für ihre Aktion.

Auch die Katholiken im Stadtbezirk Möhringen haben ihre Martinsfeier aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt. Alternativ sind alle Familien von 16.30 bis 19 Uhr in die Kirche St. Hedwig an der Lieschingstraße eingeladen – nicht als große Gemeinde, sondern jeweils als häusliche Gemeinschaft. Dort wird in Endlosschleife ein Clip über den heiligen Martin gezeigt. Die Kinder dürfen eine Kerze entzünden und eine kleine Überraschung mitnehmen. In der Seitenkapelle bei der Statue der Heiligen Hedwig können haltbare Lebensmittel für die Schwäbische Tafel gespendet werden. In der Kirche ist das Tragen einer Alltagsmaske vom sechsten Lebensjahr an Pflicht.

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