12 500 Produkte bietet dm in seinen Filialen an – im Onlineshop sogar 14 000. Foto: dm

Der deutsche Marktführer expandiert weiter kräftig im In- und Ausland. Die Rückkehr nach Italien steht bevor. Damit ist dm in 13 europäischen Ländern vertreten. Auch in China verkaufen die Karlsruher mittlerweile ein kleines Sortiment.

Stuttgart - Deutschlands größte Drogeriemarktkette dm hat zum ersten Mal die Umsatzmarke von zehn Milliarden Euro geknackt. Im vergangenen Geschäftsjahr (30. September) kletterten die Erlöse in den knapp 3500 Märkten, die die Karlsruher in Deutschland und elf weiteren Ländern betreiben, um 5,7 Prozent auf knapp 10,3 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Im Heimatmarkt war das Wachstum mit 4,8 Prozent auf 7,9 Milliarden Euro etwas verhaltener als im Ausland. Dort legten die Erlöse um 8,6 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro zu.

Den Gewinn nennt das Unternehmen nicht. Die Umsatzrendite – das Verhältnis vom Gewinn zum Umsatz – bewege sich aber wie in den Vorjahren konstant im Bereich zwischen einem und zwei Prozent, sagte dm-Chef Erich Harsch bei der Vorstellung der Jahreszahlen in Karlsruhe. Demnach würde sich der Ertrag auf 103 bis 206 Millionen Euro belaufen.

115 neue Märkte in Europa – bald folgen die ersten in Italien

Das Filialnetz ist in den vergangenen zwölf Monaten europaweit um 115 Märkte gewachsen. In Deutschland kamen 67 zusätzlichen Läden hinzu – etwas weniger als geplant. „Das lag zum einen an Verzögerungen bei Baugenehmigungen, aber auch an Engpässen in der Baubranche, unter denen wir genauso leiden wie alle anderen“, sagte Harsch. Für das laufende Geschäftsjahr seien mindestens 70 Neueröffnungen vorgesehen.

Mit einer im Dezember anstehenden Eröffnung in Mailand kehrt das Unternehmen nach Italien zurück. Ein erster Expansionsversuch in den neunziger Jahren sei dort noch gescheitert, weil man damals auf „die falschen Standorte“ gesetzt habe, so der Geschäftsführer. Nun sollen in den kommenden drei Jahren mindestens 100 Läden in dem südeuropäischen Land entstehen. Italien wird damit zum 13. Staat auf der Landkarte des Drogerieriesen, der nach dem Fall des Eisernen Vorhangs zunächst nach Osteuropa und später weiter in Richtung Balkan und Schwarzes Meer expandierte. Die Erschließung weiterer Märkte in Westeuropa sei derzeit nicht in Planung, erklärte Harsch.

Investitionen werden im nächsten Jahr verdoppelt

Seine Investitionsfreudigkeit will das Unternehmen, das 1973 von Götz Werner gegründet wurde, nicht nur beibehalten, sondern noch deutlich steigern: Im vergangenen Jahr steckte dm 175 Millionen Euro unter anderem in die Digitalisierung, die Eröffnung neuer und die Renovierung bestehender Läden, den Bau einer neuen Zentrale in Karlsruhe sowie in die Planung eines Verteilzentrums im brandenburgischen Wustermark. Im laufenden Geschäftsjahr „werden wir unsere Investitionen voraussichtlich verdoppeln“, kündigte Harsch an. Jeweils rund 70 Millionen Euro sollen dabei in die Standorte Karlsruhe und Wustermark fließen. Die Gesamtkosten für die neue Zentrale, die Anfang 2019 bezogen werden soll, belaufen sich Harsch zufolge auf 120 Millionen Euro.

Einen großen Sprung hat die Drogeriemarktkette mit ihrem vor zwei Jahren eröffneten Onlineshop gemacht. Harsch nennt ihn „mittlerweile unsere stärkste Filiale“. Der Online-Umsatz habe im zurückliegenden Geschäftsjahr um 80 Prozent zugelegt. Absolut befinde er sich allerdings noch „im niedrigen einstelligen Prozentbereich“ vom Gesamtumsatz. Digitale und stationäre Vertriebswege sollen künftig noch enger verknüpft werden: „Die Kunden sollen selbst entscheiden, auf welchem Weg sie die Ware von uns erhalten wollen“, sagte der Geschäftsführer. Kunden, die über den Onlineshop bestellte Produkte selbst in der Filiale abholen, erlässt dm seit Mai die Versandgebühr. Für die Lieferung frei Haus werden weiterhin fünf Euro fällig.

Online-Verkäufe in China vielversprechend gestartet

Einen neuen Weg schlägt der Drogerieriese im chinesischen Markt ein. Zwar sei dort bislang keineswegs die Eröffnung von eigenen Filialen geplant. Ein kleines Sortiment mit rund 140 Produkten von sechs Eigen- und drei Industriemarken bieten die Karlsruher allerdings seit März auf der von Alibaba betriebenen Online-Verkaufsplattform Tmall Global an, die mehr als 500 Millionen aktive Nutzer zählt. „In erster Linie haben wir unseren Onlineshop in China eröffnet, um Großeinkäufe von Zwischenhändlern hier in Deutschland zu reduzieren“, so Harsch. Diese Händler hatten in der Vergangenheit vor allem mit dem Aufkauf großer Mengen an Milchpulver in deutschen Filialen für leere Regale und Unmut gesorgt. Diese Käufe hätten nicht nur nachgelassen, die Nachfrage in China gehe sogar weit über das Zwischenhändler-Volumen hinaus.

Auch im deutschen Markt konnte dm seine Vormachtstellung ausbauen. Der eigene Anteil am gesamten Markt für Drogeriewaren legte um 0,6 Prozentpunkte auf 24,5 Prozent zu. Zuversichtlich stimmte Harsch auch der auf 47 Prozent gewachsene Anteil, den alle Drogeriemärkte am Umsatz mit Drogeriewaren machen. Das sei ein „historischer Höchststand“ und belege, dass es dm, Rossmann & Co gelingt, dem Lebensmitteleinzelhandel Paroli zu bieten.

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