Manipulationsverdacht an Bäumen in Stuttgart S-21-Gegner weisen Vorwurf der Bahn zurück

Von Wolf-Dieter Obst 

Manipulation? So sieht die Flasche aus, die Kot und Flügelreste von Käfern enthielt, und bei den Baumrodungen im Rosensteinpark gefunden wurde. Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Manipulation? So sieht die Flasche aus, die Kot und Flügelreste von Käfern enthielt, und bei den Baumrodungen im Rosensteinpark gefunden wurde. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Weil in einem gerodeten Baum im Rosensteinpark eine Flasche mit Käferkot entdeckt wurde, prüft die Bahn nun rechtliche Schritte gegen die Gegner des Projekts. Dieter Reicherter von „Juristen zu Stuttgart 21“ hat dazu eine klare Meinung.

Stuttgart - Eine rätselhafte Flasche mit Kot und Flügelresten von scheinbar besonders geschützten Käfern bringt nun Gegner des Bahnprojekts Stuttgart 21 ins Zwielicht. Denn die Flaschenreste mit den tierischen Hinterlassenschaften steckte tief in der Höhle eines Baumes, der im Zusammenhang mit der Rodung von Juchtenkäfer-Verdachtsbäumen im Rosensteinpark gefällt wurde. Offenbar seien artenschutzrechtliche Befunde manipuliert worden, heißt es bei der Projektgesellschaft der Bahn. Dies sei vor dem Hintergrund relevant, weil die Genehmigung der Bauarbeiten gerade wegen der streng geschützten Holzkäfer zweieinhalb Jahre verzögert worden sei. „Wir prüfen rechtliche Schritte“, so ein Projektsprecher am Freitag.

Die Flasche war am Mittwoch in einem der 100 Bäume entdeckt worden, die für das Baufeld des Rosensteinportals des Bahnprojekts gefällt wurden. Es handelte sich um keinen der sechs sogenannten Verdachtsbäume für eine Juchtenkäferbesiedelung, die ein langjähriges Genehmigungsverfahren bis hin zu einem EU-Bescheid ausgelöst hatten. Die Robinie war in letzter Minute ins Blickfeld gerückt, weil Reste von Rosenkäferkot am Stamm entdeckt wurden. Solche Reste deuten mit hoher Wahrscheinlichkeit auch auf das Vorkommen von Juchtenkäfern hin.

Reicherter: Vorwurf hat nichts mit Fakten zu tun

Bei der Fällung stellte sich heraus, dass der besagte Baum keine Spuren einer Besiedelung durch geschützte Käfer aufwies – vielmehr wurde tief in einer Baumhöhle eine Bierflasche mit Käferresten und Mulm gefunden, der aus organischen Materialien besteht. Aus Sicht der Bahn-Projektgesellschaft der Beweis für eine versuchte Täuschung. „So etwas nährt natürlich den Verdacht, dass womöglich auch an anderer Stelle manipuliert worden sein könnte“, so ein Projektsprecher.

Dieter Reicherter von „Juristen zu Stuttgart 21“, die das Projekt kritisieren, schloss aus, dass Vertreter des Widerstands gegen den Bau an einer solchen Manipulation beteiligt sein könnten. „Ich wehre mich dagegen, dass uns etwas untergeschoben wird, was mit den Fakten gar nichts zu tun hat.“ Fakt sei, dass der Juchtenkäfer-Verdacht bereits vor Jahren von Fachleuten an den verschiedensten Stellen festgestellt worden sei. „Das hat dann doch nichts mit einer Flasche zu tun“, so Reicherter.

Die Projektgesellschaft der Bahn will nun rechtliche Schritte prüfen. Ob eine Strafanzeige erstattet werde, sei noch offen, heißt es. Bei der Stuttgarter Polizei jedenfalls war offiziell noch nichts eingegangen. Laut Projektverantwortlichen soll nächste Woche ein ausführlicher Bericht an das Eisenbahnbundesamt, an Umweltbehörden und die Polizei geschickt werden.

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