Mit diesem Bild hat im vergangenen Jahr die sechsjährige Marlene Strauch gewonnen. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Die Stuttgarter Nachrichten schreiben wieder ihren Malwettbewerb aus. Die Erzieherin Bettina Zink erklärt im Interview, warum Kinder gern zum Stift greifen.

Stuttgart - Es wird Weihnachten, und das Motto des diesjährigen Malwettbewerbs erinnert an die Geburt des Christuskindes. „Jesus feiert Geburtstag“ lautet das Motto des Kindermalwettbewerbs. Die Stuttgarter Zeitung schreibt wieder ihren Malwettbewerb aus. Denn alle Kinder greifen gern zum Stift, wie die Stuttgarter Erzieherin Bettina Zink sagt

Frau Zink, fangen Kinder eigentlich von allein an zu malen?
Ja. Wir haben auch kleine Kinder, sobald die laufen können, spazieren sie zu mir ins Atelier rein. Wir haben auf verschiedenen Höhen Staffeleien oder auch Wachsmalstifte griffbereit – und die Kinder stellen sich einfach hin und machen ihre ersten Striche. Das ist schön anzuschauen, kaum laufen sie, schon wird gemalt. Schon die Jüngsten hinterlassen ihre Spuren.
Das sind dann wilde Striche?
Entwicklungstechnisch fangen Kinder mit Kritzelkratzelbildern an. Am Anfang sind das Striche. Einen Kreis zu schließen ist eine große Leistung für ein Kind und hirnphysiologisch ein großer Schritt. Die Kinder malen Kreise, und wenn er sich das erste Mal schließt, geht ein Lachen über ihr Gesicht. Das ist wie ein göttlicher Funke, wenn es zum ersten Mal gelingt.
Greifen Kinder eigentlich immer erst zu den roten Stiften?
Nein, da geht es nicht um die Farbe, sondern nur um den Prozess des Malens.
Leiten Sie die Kinder an, bestimmte Dinge zu zeichnen?
Wir haben verschiedene Bereiche, einen Ton- und Knetbereich, wir haben Staffeleien und Gläser, in die verschiedene Sachen kommen, Eicheln, Blätter oder auch verwertbares Material von Verpackungen. Da können die Kinder ihre Kreativität ausleben und schauen, was sie gerade brauchen. Aber bei uns muss man nicht zu einer bestimmten Zeit sitzen und malen. Wenn der Kanal offen ist und die Kinder ihre Lust entdecken, etwas damit zu machen, dann sind sie voller Freude und Hingabe dabei.
Entwickeln denn alle Kinder irgendwann Lust am Malen?
Ja, aber nur dann, wenn man sie lässt. Früher mussten in den Kindergärten alle am Tisch sitzen und das Gleiche machen – dabei ist die Lust am Kreativen oft verloren gegangen.
Warum sollen Kinder überhaupt malen?
Das ist die Sprache der Seele, da kommt das Innere heraus und wird sichtbar. Für jedes Kind ist es, egal was es zeichnet, das Beste, was es geben kann – deshalb muss man aufpassen mit Kommentaren wie „das ist nicht gut“ oder „das musst du anders machen“.
Können Sie aus den Zeichnungen auch etwas über die Kinder herauslesen?
Ja, das könnte ich. Wenn es Entwicklungsstörungen gibt, kann ich ein Auge darauf haben. Aber wir sind eher auf das Positive gerichtet und schauen, was das Kind kann, und versuchen es darin zu stärken. Es lassen sich außerdem Gefühle oder Lebensthemen in den Bildern erkennen, die die Kinder gerade beschäftigen.
Auch beim Malwettbewerb unserer Zeitung stellt man häufig fest, dass die Kinder versuchen, die Wirklichkeit möglichst präzise zu kopieren.
Da stehen wahrscheinlich die Erwachsenen daneben. Sie wollen ja den ersten Preis gewinnen. Wie später in der Schule will jeder das schönste und beste Bild abliefern. Es geht nicht darum, die Kreativität zu fördern, sondern den ersten Preis im Leben zu gewinnen. Da sehen die Häuser eben immer gleich aus. Für mich ist Kreativität, wenn ein Haus auch mal ein schiefes oder buntes Dach hat.
Versuchen Sie, Talente speziell zu fördern?
Das wäre gerade kontraproduktiv. Die, die toll malen, kommen ohnehin jeden Tag ins Atelier. Außerdem wollen wir vornehmlich die erreichen, die noch Ängste haben oder denken, dass sie es nicht gut können. Aber natürlich beschäftigen wir uns auch mit Künstlern wie Hundertwasser oder Frida Kahlo, wir gehen ins Museum und schauen gemeinsam Bilder an. Dabei ist das Alter nicht so wichtig, sondern wir richten uns nach den Interessen der Kinder.
b>Malwettbewerb für Kinder

Bettina Zink (53) ist Jugend- und Heimerzieherin und Führungspädagogin. Sie ist im Atelier der Stuttgarter Tageseinrichtung für Kinder Mahatma-Gandhi-Straße 3 tätig und begleitet dort die künstlerischen Aktivitäten und Projekte.

„Jesus feiert Geburtstag“ lautet das Motto des Kindermalwettbewerbs. Jesus darf als Baby, Kind, Jugendlicher oder Erwachsener im Mittelpunkt des Bildes stehen.

Kinder von drei bis zwölf können Bilder einreichen. Eine Jury aus Mitarbeitern der Staatsgalerie Stuttgart und der StN- und StZ-Redaktion wählt die schönsten Motive aus. Zu gewinnen gibt es einen exklusiven Workshop in der Staatsgalerie.

Die Bilder müssen am 5. Dezember in der Redaktion sein. Adresse: Kinderredaktion, Postfach 10 60 32, 70049 Stuttgart. Bitte Name, Adresse, Alter, Telefon und E-Mail nennen.

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