In Telefonaten hören Ehrenamtliche, die vom Malteser Hilfsdienst ausgebildet werden, zu und nehmen auch Anteil am Alltag der älteren Menschen. Foto: Tegetmeyer/Malteser (z)

Malteser Hilfsdienst suchen Ehrenamtliche für neues Angebot in der Landeshauptstadt

Wangen - Gerade der Winter ist für viele alleinstehende ältere Menschen eine Zeit großer Einsamkeit“, weiß Debora Brasse vom Malteser Hilfsdienst in Wangen. „Wegen Schnee und Glatteis bleiben sie zu Hause, ihr Partner ist schon lange tot, die Kinder sonst wo. Niemand ruft an. Dunkelheit und mangelnder Kontakt zu anderen Menschen schlagen aufs Gemüt“, so die für die ehrenamtlichen sozialen Dienste zuständige Malteser-Referentin.

Um der Vereinsamung und Isolation von Senioren entgegenzuwirken, baut sie derzeit einen neuen „Telefonbesuchsdienst“ auf. Dazu werden ehrenamtliche Helferinnen und Helfer gesucht, die regelmäßig ein- bis zweimal pro Woche ein wenig Zeit für einen Anruf investieren möchten. Im Gegensatz zur klassischen Telefonseelsorge wird beim Maltester Hilfsdienst bewusst auf Anonymität verzichtet und auf regelmäßige Telefongespräche – immer zwischen demselben Ehrenamtlichen und demselben älteren beziehungsweise einsamen Menschen wertgelegt. „Möglichst zu festgelegten Zeiten, dadurch möchten wir den Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung ermöglichen“, sagt Brasse. „Unser Telefonbesuchsdienst kann auch über Jahre in Anspruch genommen werden. Er bezieht sich nicht wie in der Telefonseelsorge auf eine aktuelle Problemsituation, es kann bei den Gesprächen um den ganz normalen Alltag gehen, um die Lebensgeschichte des älteren Menschen beispielsweise.“

Ehrenamt ohne großen Aufwand

Aus Sicht der Projektleiterin biete der Telefonbesuchsdienst große Vorteile – sowohl für den Senioren als auch für den Ehrenamtlichen: „Auch ältere Menschen, die zu Hause nicht besucht werden möchten, können diesen Dienst in Anspruch nehmen, um Kontakt zur Außenwelt aufzubauen und ihre Isolation und Einsamkeit zu überwinden.“ Die Ehrenamtlichen indes würden sich sinnvoll ohne großen zeitlichen Aufwand und ohne Ortswechsel engagieren können. „Denn es geht um ein bis zwei Telefonanrufe pro Woche. Sie können von überall aus getätigt werden.“ Selbst für Menschen, die nicht mehr mobil genug sind, um ein anderes Ehrenamt auszuüben, sei der Telefonbesuchsdienst eine Option. Denn auch im Notfall sei ein gegenseitiger Besuch nicht vorgesehen.

Doch wie erreicht man eigentlich vereinsamte Senioren? „Die Schamgrenze in Bezug auf die erste Kontaktaufnahme und das Gefühl der Einsamkeit möchten wir abbauen, indem wir die Einsamkeit nicht als Schwäche sehen, sondern als einen Tatbestand, an dem jeder Mensch etwas verändern kann. Und diese Veränderung können die alten Menschen selbst in die Hand nehmen, indem sie sich bei uns melden und unser Angebot des Telefonbesuchsdienstes nutzen“, sagt Brasse, über die auch der Erstkontakt – sowohl zu dem betreuenden Senior als auch zum Ehrenamtlichen läuft. In regelmäßigen Gesprächen wolle man dann die Schamgrenze, sich einzugestehen, dass man einsam ist, durch einen vertrauensvollen und wertschätzenden Beziehungsaufbau abbauen.

Fünf Ehrenamtliche werden ausgebildet

Los geht das Projekt am 8. Januar mit der Ausbildung der ersten fünf Ehrenamtlichen. Sie werden von den Maltesern in Schulungen und Austauschtreffen auf ihre Aufgaben vorbereitet, von ihnen ausgebildet und begleitet.„Im Februar beginnen wir mit den ersten Telefonaten.“ Weitere interessierte Helfer seien herzlich eingeladen, an der Ausbildung teilzunehmen. Wer sich im Telefonbesuchsdienst engagieren möchte, sollte Freude im Umgang mit anderen Menschen haben, Einfühlungsvermögen und Geduld mitbringen und bereit sein, zuzuhören und auf die Bedürfnisse gesprächsbedürftiger, einsamer Menschen einzugehen.

Eine Zielvorgabe, wie viele Personen angerufen werden sollen, gebe es nicht. „Wir versuchen, allen interessierten Senioren gerecht zu werden“, sagt Brasse, die sich schon jetzt über alleinstehende Senioren freuen würde, die sich bei ihr unverbindlich nach dem Dienst erkundigen.

Angst vor Missbrauch durch „falsche Polizisten“ oder Enkeltrickbetrüger hat die Projektleiterin nicht. „Wir wählen alle interessierten Ehrenamtlichen in einem Erstgespräch sorgfältig aus. Sie durchlaufen dann mehrere Fortbildungstage und werden von uns Maltesern regelmäßig zu Gruppentreffen mit Supervision eingeladen und monatlich betreut. Die Leitung des Dienstes steht mit jedem Ehrenamtlichen persönlich in Kontakt.“

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