Sommer im Frühling – der Mai brachte tatsächlich Wonne. Aber nicht nur das. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Zu heiß, zu sonnig zu trocken – der Wonnemonat war meteorologisch ziemlich extrem, was aber auch durchaus angenehm sein konnte.

Stuttgart - Der Mai gilt ja als lieblich und als, wie es so schön heißt, Wonnemonat. Allein das Wort zaubert bei vielen ein Lächeln ins Gesicht. Die Menschen schleppen ihre Vorräte an schwerem Rotwein in den Keller oder – neuerdings – in den Weinkühlschrank. Andere kaufen Hochleistungs-Sonnenschutzcreme oder geben sich mit dem auf dem Speicher gefundenen Tiroler Nussöl aus den frühen 90er Jahren (Lichtschutzfaktor 2) glücklich der ersten, Hautverbrennung der Saison hin. Wieder andere singen beseelt „Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus“. Und was machte der Monat dann wirklich? Der gab sich meteorologisch kantig. „Der Mai ist gekommen, die Natur schlägt zu“, hätte eigentlich besser gepasst.

Das ganze Früjahr auf Rekordkurs

Zumindest dieses Jahr war der letzte Frühlingsmonat geprägt von relativ extremen Ereignissen. Kurz gesagt war es viel zu warm, deutlich zu sonnig und, auch wenn man es nicht glauben mag, staubtrocken. „Mit 16,9 Grad im Schnitt war der Mai um 3,6 Grad zu warm und liegt damit auf Platz eins seit Beginn der Aufzeichnungen 1951“, erklärt Andreas Pfaffenzeller. Der Meteorologe des Deutschen Wetterdienst (DWD) vermeldete damit den zweiten temperaturmäßigen Rekordmonat nacheinander, da auch der April der wärmste seit 66 Jahren war. Damit hätte ein normaler März gereicht, um das Frühjahr 2018 ebenfalls ganz nach oben zu hieven. Da aber der März um 0.3 Grad nach unten abwich, endet das Frühjahr 2018 drei Grad zu warm und mit 12,2 Grad im Schnitt auf Platz 2 hinter 2007 (12,4 Grad).

Warmes Wetter im Mai ist ja nichts, über das man sich beklagen kann. Laue Winde streicheln das Gemüt und senken die Heizkosten – sowohl die privaten, als auch die der Kommunen, die in lauen Nächten Energie sparen, die sie sonst für das Wärmen des Freibadwasser gebraucht hätten. Aber das Wasser heizte sich viel selbst, da auch die 236,2 Sonnenstunden im Mai rund 120 Prozent eines normalen Werts waren.

Schwierige Erfassung bei der Regenmenge

Alles gut also, Sommer, Sonne – nein, nicht Kaktus, sondern zu wenig Wasser. Im Mai fielen nur an vier Tagen mehr als fünf Liter pro Quadratmeter. Gärtlesbesitzer mussten oft zum Gießen raus aufs Stückle, im Remstal fuhren die Apfelerzeuger das Wasser in Tankwagen aus und die gemeine innerstädtische Balkonpflanze überlebte ein langes Abwesenheits-Wochenende der Wohungsbesitzer nur mit Mühe. 43,1 Liter Regenwasser auf den Quadratmeter sind nur 49,4 Prozent eines durchschnittlichen Mai. Wobei dieser Wert mit Vorsicht zu genießen ist. Die Niederschlagsmengen werden für Stuttgart an einem Punkt auf dem Schnarrenberg gemessen. Anders als Temperatur und Sonnenscheindauer kann der Regen im Sommer aber in kleinen regionalen Zonen unterschiedlich sein. Hier schüttet es, fünf Kilometer weiter tröpfelt es nur. In der Nacht vom 31. Mai auf den 1. Juni liefen zum Beispiel in Vaihingen die Keller voll, während es im Raum Fellbach nur leicht regnete.

Wasser war knapp – aber nicht überall

Regionale Gewitterzellen machen die Statistik in Sachen Regen eher ungenau. Ein Beispiel. Im meteorologischen Sommer 2016 (1. Juni bis 31. August) wurden am Schnarrenberg knapp 290 Liter Regen pro Quadratmeter gemessen. Das bedeutete – der Sommer war dort mit einen Plus von 57 Liter statistisch zu nass. Auf dem 14 Kilometer entfernten Flughafen fielen dagegen knapp 100 Liter weniger, auf den Fildern war der selbe Zeitraum also deutlich zu trocken. Solche gewaltigen Differenzen gibt es bei Temperatur und Sonnenschein nicht.

Man darf nun wirklich gespannt sein, wie der Juni mit seinen vielen kleinzelligen Gewittern aus dem Regenrennen geht?

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